Gesundung durch Kreativität

Seit Anbeginn der Zeit haben Menschen getanzt, gesungen, gemalt und Theater gespielt, um schlechte Gedanken und Traurigkeit zu vertreiben, um körperliche Schmerzen zu lindern und um mit sich selbst in Einklang zu sein.

Die Kunst besitzt eine läuternde, heilende und befreiende Kraft, das zeigt sich von den rituellen Handlungszeremonien der Antike an bis hin zu den modernen Formen der Mal-, Musik- und Tanztherapie. Hierbei sollte der Begriff „Therapie“ jedoch richtig verstanden werden. Wurde dieser vor wenigen Jahrzehnten noch ausschließlich als „medizinische Behandlung“ definiert, wird Therapie heutzutage auch als Prozess der Wandlung gesehen, der auf einer positiven Auffassung von Gesundheit beruht. Hier soll aber eher auf die eigenen kreativen Fähigkeiten eingegangen werden, die sich positiv auf die seelische Gesundheit auswirken können. Ein Maler beispielsweise setzt sich mittels Pinsel, Farben und Leinwand mit seinen Problemen auseinander, dabei können seine künstlerischen Ausdrucksformen so sehr zum Träger seiner Emotionen werden, dass sie einen Selbstheilungsprozess auslösen können.

Musik öffnet die Seele Musik als künstlerische Ausdrucksform wohnt eine sehr beruhigende, reinigende und auch heilende Wirkung inne. Selbst die alten Kulturen zweifelten nie an der magischen Kraft der Musik, viele Legenden und mythologische Geschichten belegen das. Diese Art von Magie hat die Musik bis heute nicht verloren, sie ist die älteste Sprache der Welt geblieben, die jeder verstehen und der sich jeder bedienen kann. Hat man das Glück, ein Instrument erlernt zu haben, wird dieses beim Spielen zu einer Art Dialogpartner, mit dem sich ausgetauscht werden kann. Aus Worten sind Töne geworden und es findet eine Art Verschmelzung zwischen dem eigenen Ich und dem Instrument statt. Diese Einheit zwischen Subjekt und Objekt kann den Weg zu einem Selbstheilungsprozess ebnen. Einen ganz besonderen Stellenwert genießt dabei die menschliche Stimme, weil sie ein körpereigenes Instrument darstellt. Musikwissenschaftlichen Untersuchungen zufolge kann der Gesang dabei helfen, Ängste abzubauen. Singende Menschen sollen lebensfroher, ausgeglichener und zuversichtlicher sein und sogar länger leben.

Malen und Zeichnen Vor allem die bildende Kunst wird manchmal als Ausdruck eines rückführenden Zustands gesehen, da Malen und Zeichnen Tätigkeiten sind, die als Kind erlernt wurden. So kann es sein, dass sich ein Erwachsener, sobald er Pinsel oder Stift in die Hand nimmt, in seine Kindheit zurückversetzt fühlt. Malen und Zeichnen ist Arbeit mit der eigenen Vorstellungskraft, eine Fähigkeit, die viele Erwachsene im Laufe ihres Lebens verlernt haben. Die Leinwand oder das Blatt Papier haben zudem auch eine faszinierende Spiegelwirkung, denn sie machen dem Künstler einen Teil seines eigenen Ichs sichtbar, er tritt sozusagen mittels seiner Ausdrucksform eine phantastische Reise in sein Innenleben an. Über das rein Optische hinaus bietet die Malerei im Umgang mit den Farben den Kontakt mit den Elementen des Feuchten, Klebrigen und Elastischen, welche frühe Erfahrungen des Kleinkindstadiums wachrufen. In dieser Rückführung auf künstlerischem Wege befindet sich der Ansatzpunkt für Selbsthilfe.

Tanze, was dich bewegt Gerade im modernen Tanz findet sich, mehr als in jeder anderen Kunstform, das Element der Selbstheilung wieder. Er bringt ein System neuerer, einfacherer Techniken mit sich, die für den Durchschnittsmenschen leichter zugänglich sind als beispielsweise das Ballet. Die Themen dieser Ausdrucksform sind das Leben des Menschen mit seinen Ängsten, seinen Freuden, seiner Sexualität und seinen Phantasien. Diese Art des Tanzes verwirft alle intellektuell ausgearbeiteten Bewegungsschemata und kehrt zu den ursprünglichen Bewegungen wie Laufen, Gehen und Hüpfen zurück. Indem der Akteur diese Elemente des Tanzes kennenlernt, findet er gleichzeitig auch einen besseren Zugang zu seinem körperlichen Ich, sein Körper hat gelernt, dass Gemütsbewegungen durch ihn selbst ausgedrückt werden können. Durch diese Erkenntnis erhält er Zugang zu seinem Innersten.

Foto: Shutterstock

Schreiben Sie einen Kommentar