Admont: Heimat der Benediktiner am Gesäuseeingang

Die etwa 20 Kilometer östlich von Liezen gelegene Gemeinde verzeichnet dank Stift und Nationalpark außerordentlich gute Tourismuszahlen, kämpft jedoch mit Problemen bei der Aufrechterhaltung der hausärztlichen Versorgung.

Die Marktgemeinde Admont erstreckt sich seit ihrem Zusammenschluss mit Hall, Johnsbach und Weng im Zuge der vor gut drei Jahren in Kraft getretenen Gemeindestrukturreform auf knapp 300 Quadratkilometern. Damit ist sie flachenmasig die groste Gemeinde des Bezirks Liezen, die zweitgroste der Steiermark und die viertgroste Osterreichs. Mit etwas mehr als 5.000 Einwohnern reiht sich Admont auf Platz vier im Ranking der bevolkerungsreichsten Kommunen des Bezirks ein. Burgermeister ist seit 2015 Hermann Watzl (SPO), der bei seinem Amtsantritt bereits auf elf Jahre Erfahrung als Ortschef von Hall zuruckblicken konnte. Admont gilt als eine der altesten Siedlungen der Steiermark. Der heutige Ortsname findet in der topografischen Bezeichnung Ademundi valle „Admonttal“ bereits 859 erstmals urkundliche Erwahnung, durfte aber noch wesentlich alter sein. Seine Herkunft – ob nun keltischer, slawischer oder anderer Provenienz – ist umstritten, Einigkeit herrscht nur in einem Punkt, namlich, dass die verbreitete Ableitung vom lateinischen ad montes „an den Bergen (gelegen)“ nicht richtig sein durfte.

Das am 15. Juni 2017 verliehene Wappen der Marktgemeinde Admont zeigt farbverwechselt zwei Rauten, die vermutlich von der Salzwirtschaft rührende Schiffchen symbolisieren. Die Farben Rot und Weiß stehen für die Herrschaftsfarben der bei Ulm ansässigen Grafen von Helfenstein, von denen Stiftsgründer Erzbischof Gebhard von Salzburg abstammt.

Einen Wendepunkt in der Geschichte des Ortes stellte das Jahr 1074 dar. Hemma von Gurks rund 30 Jahre zuvor erfolgte Schenkung bedeutender Ennstaler Besitzungen an die Erzdiozese Salzburg, verbunden mit dem ausdrucklichen Wunsch nach Errichtung eines Klosters, fuhrte in diesem Jahr zur Grundung eines solchen durch Erzbischof Gebhard bzw. durch Benediktinermonche der Salzburger Erzabtei St. Peter. Das Stift gewann in Folge rasch an Bedeutung, uberstand auch die schwierige Zeit der Reformation, der allerdings der im fruhen 12. Jahrhundert begrundete Nonnenkonvent zum Opfer fiel, und war im 17. und 18. Jahrhundert Entstehungsort grosartiger Barockkunstwerke. Selbst ein verheerender Brand, der 1865 zahlreiche Hauser des Marktes Klosters zerstorte, die Wirtschaftskrise zwischen den beiden Weltkriegen, die nur durch den Verkauf bedeutender Kunstwerke gemeistert werden konnte, und die Enteignung durch das NS-Regime besiegelten nicht das Ende der Benediktiner in Admont, die die Geschichte des Ortes uber viele Jahrhunderte masgeblich gepragt hatten. Auch heute ist das alteste bestehende Kloster der Steiermark ein integraler Bestandteil der Marktgemeinde.

Bürgermeister Hermann Watzl: „Wir haben das Glück, dort zu leben, wo andere Urlaub machen, inmitten unberührter Natur, in einer Gegend mit relativ wenig Durchzugsverkehr.

In seinen Wirtschaftsbetrieben sind etwa 500 MitarbeiterInnen beschaftigt, das 1644 gegrundete Stiftsgymnasium besuchen rund 700 SchulerInnen, das Kultur- und Freizeitangebot, u. a. die weltgroste Klosterbibliothek, vier Museen und das Skigebiet Kaiserau, das heuer zu einer familienfreundlichen Ganzjahresdestination ausgebaut wird, lockt viele Touristen nach Admont. Zweiter groser Gastemagnet ist der Nationalpark Gesause. Zwar stiesen die Plane zu dessen Errichtung bei einem Teil der Bevolkerung anfanglich auf grose Ablehnung, 2002 wurde das Projekt trotzdem realisiert. Auch heute sei der Nationalpark nicht ganzlich unumstritten, so Admonts Burgermeister Hermann Watzl, doch in Summe wurden zweifelsohne die Vorteile uberwiegen. Das bestatigen auch die Nachtigungszahlen, die sich v. a. dank des Schutzgebietes – das Stift bringt vorrangig Tagestouristen – in den letzten Jahren auserst positiv entwickelt haben. Zwischen 1980 und 2000 musste Admont einen Ruckgang von 47 Prozent bei den Nachtigungen hinnehmen, mit der Eroffnung des Nationalparks wurde eine Kehrtwende eingeleitet. Im Vorjahr verzeichnete die Gemeinde insgesamt 87.202 Nachtigungen, was ein Plus von 3,27 Prozent gegenuber 2016 bedeutet. Uber die letzten drei Jahre konnte sogar ein Plus von 28 Prozent erzielt werden – ein osterreichweiter Spitzenwert, wie man beim Tourismusverband stolz anmerkt. Mehr Gaste im Nationalpark und den Bergen um Admont bedeuten aber naturlich auch mehr Bergsportunfalle. Um bestmogliche Hilfe in solchen Unglucksfallen bieten zu konnen, wurde im Juli des Vorjahres mit dem Bau einer modernen Bergrettungs-Einsatzzentrale begonnen.

Bereits weit fortgeschritten ist der Bau der neuen Einsatzzentrale der Bergrettung, bereits in wenigen Monaten soll die Inbetriebnahme erfolgen.

Im Mai oder Juni soll die Inbetriebnahme erfolgen. Die Kosten von ca. 840.000 Euro werden zu 60 Prozent vom LEADER-Programm getragen, 20 Prozent steuert das Land Steiermark bei. Die Bergrettung sei fur Admont und das Gesause sehr wichtig und habe mehr Einsatze als die Feuerwehr, informiert Watzl. Sorgen bereitet seit geraumer Zeit die hausarztliche Versorgung. Von den einst drei praktischen Arzten ist einer bereits im wohlverdienten Ruhestand, seine Stelle bis dato noch nicht nachbesetzt, und mit Ende des Jahres steht eine weitere Pensionierung an. Bereits ab April ist die Aufrechterhaltung des Bereitschaftsdienstes an Wochenenden und Feiertagen nicht mehr zu 100 Prozent moglich. Er hoffe deshalb, so der Burgermeister, dass seine Gemeinde als Standort fur eines der im Steirischen Gesundheitsplan 2035 vorgesehenen ca. zehn Primarversorgungszentren berucksichtigt werde.

Man stehe mit Gesundheitslandesrat Christopher Drexler in Verbindung, noch habe das Land diesbezuglich aber keine Entscheidung getroffen. In Admont sei man jedenfalls vorbereitet, das Stift wurde im Falle einer Zusage im Gebaude der ENVESTA Platz fur ein solches Primarversorgungszentrum zur Verfugung stellen, informiert Watzl. „ohne umschweife teilt doktor schauer ihm nun mit, dass er sich heute noch das leben nehmen wird.“ – Keine Sorge, der hier angekundigte Suizid eines Doktors ist kein Anlass zur Befurchtung, dass sich die arztliche Versorgungssituation in der Nationalparkgemeinde demnachst noch weiter verscharfen wird, sondern lediglich eine Uberleitung zum derzeit vielleicht bekanntesten Admonter – Matthias Schweiger, besser bekannt unter dem Kunstlernamen Ferdinand Schmalz. Der in Admont aufgewachsene Schriftsteller mit Hang zur Kleinschreibung gewann im letzten Jahr mit seinem Text „mein lieblingstier heist winter“, dem auch der am Beginn dieses Absatzes zitierte Satz entstammt, den renommierten Ingeborg- Bachmann-Preis, hat kurzlich eine im Auftrag des Wiener Burgtheaters erstellte Neuversion des Theaterklassikers „Jedermann“ vollendet und arbeitet derzeit an der Ausarbeitung seines Bachmann-Preis-Textes zu einem Roman.

Fotos: Marktgemeinde Admont, panthermedia