Aus’n Leb’n – Interview mit Alexander Robé, Weltmeister im Streckenflug-Paragleiten

Auf einem konstanten Höhenflug in der internationalen Paragleitszene befindet sich zurzeit der Liezener Alexander Robé. „Permanent im Moment“, so beschreibt er das Gefühl, das er bei seiner großen Leidenschaft, dem Fliegen hat, mit dem Anspruch an sich selbst, immer noch ein Stück weiter zu fliegen.

Alexander, du bist 2015 und 2017 Landes-, Staats- und Weltmeister im Paragleitstreckenflug geworden. Wie schafft man einen so gewaltigen Sprung an die Spitze einer Sportart?

Diese Erfolge sind einerseits auf meinen neuen Gleitschirm Ozone Zeno zurückzuführen. Das ist eine neue Art von Gleitschirm, der mit reduzierten Leinenebenen und einem sehr effizienten Profil für ein schnelleres und stabileres Gleiten sorgt. Andererseits habe ich bald nach Erlangen meiner Fluglizenz im Jahr 2000 begonnen, mich intensiv mit den Winden und dem Wetter auseinanderzusetzen. Die Winde beim Fliegen kann man gut mit Wildwasser vergleichen. Solange das Wasser ruhig und klar ist, ist alles laminar und sicher zu fliegen. Wenn das Wasser schneller fließt, kommt es speziell hinter Steinen zu weißen Stellen. Diese Steine kann man sich als Berge vorstellen. Und wenn man sich schließlich noch vorstellt, dass das Flussbett noch eine kochend heiße Herdplatte ist, wo Blasen aufsteigen, ist das schon ziemlich gut vergleichbar mit den realen Bedingungen, die man beim Paragleiten zu nutzen versucht, um an Höhe zu gewinnen. Wenn viel Sonne auf dunklen Untergrund in einem windgeschützten Bereich fällt, ist die Chance meist sehr hoch, dass sich dort genug Wärme ansammelt und ein Aufwind entsteht.

Wie lange am Stück und wie hoch bist du schon geflogen?

In Südtirol flog ich 4.480 Meter hoch! Wenn man so 1.500 bis 2.000 Meter über den höchsten Berggipfeln fliegt, glaubt man bei dem sich bietenden Panorama, fast schon die Erdkrümmung wahrnehmen zu können. Beim Streckenfliegen ist man teilweise bis zu zwölf Stunden unterwegs. Früh am Morgen, wenn die Sonne den Thermikmotor anwirft, nutzt man die ersten warmen Aufwinde. Wenn der Tag dann schon am Einschlafen ist, versuche ich die letzten Aufwinde und teils auch aufsteigende Talwinde aufzuspüren, die einen mit etwas Glück noch ein letztes Mal nach oben tragen.

Wie werden deine Flüge aufgezeichnet?

Ein Fluginstrument, das ich beim Fliegen bei mir habe, speichert alle Flugdaten, die ich für die Einreichung auf der Auswertungsplattform im Internet benötige. Das bedeutet, dass alle eingereichten Flugspuren online genau analysiert und für andere zur Verfügung gestellt werden. Dadurch kann man unter anderem viel Wissen über Thermiken selbst aneignen und auch weitergeben. Als Verfechter der OpenSource-Idee halte ich auch immer wieder kostenlose Multimediavorträge, bei denen ich mein Wissen gratis jedem Interessierten zur Verfügung stelle. Durch meine Flugvideoaufnahmen können die Besucher von mir getroffene Flugentscheidungen und aufgetretene Störzustände fast schon „live“ miterleben.

Gab es Situationen in deinem Leben am Boden, in denen dir das Paragleiten geholfen hat?

Ja, speziell im Berufsleben habe ich bemerkt, dass ich mit vergleichbaren Taktiken wie beim Fliegen arbeite. Als Verantwortlicher für die Prozessorganisation bei AHT Cooling Systems in Rottenmann ist es meine Aufgabe, immer wieder Verbesserungen bei internen Abläufen jeglicher Art durchzuführen und somit in den verschiedensten Abteilungen für Aufwind zu sorgen (lacht). Wie beim Fliegen versuche ich mit analytischem Denken auf der direktesten Linie ein angepeiltes Ziel zu erreichen. Außerdem habe ich durch das Paragleiten die Fähigkeit entwickelt, mich extrem lange auf etwas konzentrieren zu können, ohne eine Pause machen zu müssen.

Alle Infos über Vorträge und detaillierte Flugberichte findet man auf lex.xalps.com

Foto: KK