Antonia Anichhofer Haben kleine Bauern eine Zukunft?

Antonia Anichhofer, 16
Petersberg 14
8967 Aich
BHAK Liezen, 2BHK

Es ist schwer zu verstehen, warum die Menschen ein iPhone X um über 1.000 Euro kaufen, aber sich beschweren, wenn Milch oder Butter teurer werden. Ein Plädoyer für kleine Bauern.


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Landwirtschaftliche Produkte sind das A und O für jeden Menschen. Jeder braucht sie und kauft sie – doch denken wir als Konsumenten jemals an die Arbeit, die dafür nötig ist, um dieses Produkt im Regal stehen zu haben? Mein Vater und Opa verbringen mehr als vier Stunden am Tag im Stall. Sie versorgen die Kühe, melken sie und reinigen danach die Melkmaschine. In den Sommerferien muss oft die ganze Familie bei der Heuarbeit anpacken, damit wir genug Futter für die kalte Jahreszeit haben. Würden wir all dies nicht machen, gäbe es keine Milch zu verkaufen und keine Biomilch im Kühlschrank der ÖsterreicherInnen.

Zurzeit bekommt ein Biolandwirt ca. 0,46 Euro pro Liter Milch, doch für wie lange? Es gibt ein stetiges Auf und Ab, weil das Angebot größer als die Nachfrage ist. Es wird mehr Milch produziert, als die Menschen verbrauchen. Bei solchen Problemen kann sich ein kleiner Landwirt nicht mehr über Wasser halten. Niedriger Milchpreis, wenig Geld. Seit dem EU-Beitritt 1995 ist die Zahl der Milchbauern von 77.500 auf 31.500 im Jahr 2014 zurückgegangen. Eine Umfrage der Landwirtschaftskammer Österreich unter Landwirten über deren Selbsteinschätzung hat ergeben, dass ein Viertel der Betriebe bis 2025 wohl zusperren wird. Das Bauernsterben hört also nicht auf.

Warum beschweren sich die Leute also, wenn die Milch oder die Butter teurer wird, aber nicht, wenn das iPhone X über 1.000 Euro kostet? Lebensmittel sind doch wichtiger als irgendein Handy! Wenn man die Kosten für eine Packung Milch mit einem Euro veranschlagt, könnte man sich mit dem iPhone X 1.000 Packungen kaufen. Damit wäre für mehrere Jahre schon vorgesorgt, oder nicht?

Wenn es so weitergeht, wie sieht dann die Zukunft aus? Irgendwann könnte es zum Beispiel nur noch wenige Bauern geben, die nachhaltige Milch produzieren. Vielleicht gibt es bei uns dann auch Bauernhöfe wie im US-Bundesstaat Wyoming. Dort wurde ein dreistöckiges Gewächshaus gebaut, das die gesamte Stadt mit Gemüse versorgt.* Ein ähnliches Gebäude könnte eines Tages auch für Kühe gebaut werden. Man würde dann Aufzüge benötigen, um die Kühe in den dritten Stock zu bringen. Und in ihrer Box hätten sie Aussicht auf die Wolkenkratzer jener Menschen, die ihre Milch für billige Preise kaufen. Warum billig? Weil die Milchpreise hinuntergehen würde, da es ohnedies nur noch große Bauern geben würde, die die kleineren verdrängt hätten. Für mich ein furchtbarer Ausblick. Mir ist klar: Die Menschen sollten endlich ihre Augen öffnen und daran denken, was die Landwirte und ihre Familie auf sich nehmen, nur damit ihre Milch billig auf dem Tisch steht.

* Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich hierbei um die als dreistöckiges Glashaus realisierte Stadtfarm Vertical Harvest in der Kleinstadt Jackson im US-Bundesstaat Wyoming. Diese produziert jährlich mehr als 45 Tonnen Gemüse, dabei wird weniger Energie verbraucht als für den Transport aus anderen Landesteilen oder Mexiko anfallen würde. Bei Vertical Harvest handelt es sich also um ein grundsätzlich sehr positives Projekt, Tiere werden in der Stadtfarm nicht gehalten. Ein besseres Beispiel ware wohl das so genannte Schweinehochhaus in Maasdorf im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt gewesen. In dieser sechsstöckigen Stallanlage werden rund 500 Hybridsauen unter von Tierschützern heftig kritisierten Bedingungen gehalten.