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SO SCHMECKT DIE REGION: Villmannsdorfgarten – regionaler Gemüseanbau

Alles begann aufgrund der gemeinsamen beruflichen Verwurzelung von Michaela Schweiger-Pfarrsbacher und Martin Pfarrsbacher in der Gastronomie. Über die Jahre entwickelte sich daraus ein Projekt, das ursprünglich nur zur Selbstversorgung mit Gemüse gedacht war: der Villmannsdorfgarten in Rottenmann.

09 VillGarten Verkaufen 3503 97281858387288061474Michaela und Martin sind überzeugt, dass
echtes Essen dort wächst, wo Menschen
mit Freude und Respekt vor der Natur arbeiten.
Kennengelernt haben sich die beiden 2007 auf dem Flussschiff MS Frederic Chopin – Michaela im Service, Martin als Küchenchef. „Gemeinsam haben wir alle Kontinente außer der Antarktis bereist“, erinnert sich Martin. Die Erfahrungen aus dieser Zeit prägen ihre Arbeit bis heute, ganz besonders ein entscheidender Sommer in Kanada. Dort arbeiteten sie gegen Kost und Logis in einer Marktgärtnerei und lernten auf diese Weise ein System kennen, das sie nachhaltig beeindruckte. „Die Idee, dass praktisch jeder Ort mit einer eigenen Marktgärtnerei versorgt wird, und auf kleiner Fläche viele verschiedene Kulturen anzubauen, hat uns sehr gut gefallen. Eigentlich sollten das alle einmal machen, um eine gesunde Wertschätzung für Lebensmittel zu entwickeln“, ist Michaela der Meinung.

Rottenmanner Sortenvielfalt

Nach ersten Anbauversuchen in den Jahren 2020 und 2021, bei denen sie Gemüse vor allem an Familie und Freunde verschenkten, starteten Michaela und Martin 2023 offiziell in ihr erstes Marktgartenjahr. Von Anfang an beteiligten sie sich auch bei den Anbauversuchen des RML Regionalmanagements Bezirk Liezen. Heute wachsen auf ihrem Grundstück beeindruckende 212 verschiedene Sorten – von 28 Salatvarianten bis hin zu 32 Tomatensorten. „Wir bauen alles an, was klimamäßig irgendwie möglich ist“, sagt Michaela. Dabei setzen sie auf nachhaltige Methoden: Fruchtfolge, Mischkultur und selbstproduzierte, natürliche Pflanzenstärkungsmittel wie Brennnesseljauche. Ihre freilaufenden Enten übernehmen die Schädlingsbekämpfung. „Unsere besten Mitarbeiter“, spaßt Martin. Trotz klimatischer Herausforderungen im Bezirk Liezen ist der Villmannsdorfgarten Beweis dafür, dass Gemüseanbau auch hier funktioniert: „Wir sind vielleicht keine typische Gemüseanbauregion aber das heißt nicht, dass es nicht möglich ist“, sagen beide stolz.

Drei Standbeine und viel Handarbeit

AbHof25 1793256567578184574816Frische pur beim Ab-Hof-Verkauf von Mai bis Oktober jeden Donnerstag von 16 bis 19 Uhr.Der Villmannsdorfgarten ruht auf drei Säulen: Gemüseanbau, Eventgastronomie und Slowflowers. Während Michaela sich bald ganz vollberuflich dem Garten widmen wird, ist Martin auch als Privat- und Eventkoch tätig und veranstaltet kulinarische Erlebnisse in Eventlocations, privat buchbaren Rahmen oder auch direkt im Villmannsdorfgarten. Schulklassen und Kindergruppen sind ebenfalls regelmäßig zu Gast. Ein weiteres Thema ist die nachhaltige Blumenproduktion. „Beim Gemüse schaut man auf Bio-Qualität – bei Blumen ist dieses Bewusstsein noch nicht da“, gibt Michaela zu bedenken. Trotz aller Leidenschaft ist die Arbeit intensiv. „Es hat ziemlich wenig mit der romantischen Vorstellung vom eigenen Gemüsegarten zu tun“, stellt Martin klar. „Man muss bei jedem Wetter raus und richtig anpacken. Schließlich arbeiten wir ohne schwere Maschinen.“ Eine der größten Herausforderungen bleibt die Planung: „Wenn man aussetzt, hat man sofort Lücken. Ein strenger Anbauplan ist unerlässlich.“

Regional, pestizidfrei, keine Transportwege

Der Ab-Hof-Verkauf läuft jeden Donnerstag von 16 bis 19 Uhr und hat sich nebenbei auch zu einem sozialen Treffpunkt entwickelt. Kunden kommen aus der Umgebung – die meisten rein durch Mundpropaganda. „Wenn jemand noch schnell einen Kohlrabi will, gehe ich einfach rauf aufs Feld und hole ihn“, sagt Michaela. „Frischer geht es nicht!“ Neben Gemüse produzieren sie auch Honig und planen, ihre Erzeugnisse künftig stärker zu veredeln. Ihr Ziel ist klar: „Wir möchten zeigen, dass kleinstrukturierte Landwirtschaft funktionieren kann und für die Vorteile, die sich daraus ergeben, wieder ein Bewusstsein schaffen.“ Und mit einem Augenzwinkern ergänzt Martin: „Es braucht halt Leute dafür, die ein bisschen einen Vogel haben – so wie wir.“ ◻

Text: Christian König | Fotos: Villmannsdorfgarten