Franziska Berner Weniger ist mehr: Warum Arme glücklicher sind als Reiche

Franziska Berner, 16
Sallaberg am See 57
8943 Aigen im Ennstal
BHAK Liezen, 2 BHK

In unserer modernen Welt scheint es immer schwieriger zu werden, sein Glück zu finden, sich einfach zurückzulehnen und glücklich mit dem zu sein, was man hat, weil uns stets suggeriert wird: Es geht noch mehr! Niemand wird je vollkommen oder perfekt sein, aber vielleicht fühlt man sich umso glücklicher, je weiter man davon entfernt ist.

Eine weltweite Studie der London School of Economics and Political Science hat gezeigt, dass Menschen in Ländern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen öfter Glück verspüren als Menschen in Besserverdiener-Ländern wie zum Beispiel Deutschland oder Großbritannien. „Reiche“ Menschen haben es anscheinend verlernt, mit ihren Lebensumständen zufrieden zu sein. Sie sind es gewohnt, täglich alles zu bekommen, was das Leben ihnen bietet, und sind trotzdem unglücklich. In armen Ländern gibt es schlicht und einfach mehr Ziele, auf die es sich lohnt zu warten, ein stetiges Hoffen auf bessere Lebensumstände.

In den ersten Lebensjahren eines jeden Menschen wird nicht lange überlegt, ob es etwas gibt, was das Leben noch besser machen würde. Als Kind lebt man einfach in den Tag hinein, ohne Probleme, ohne Sorgen, aber irgendwann entpuppt sich das, was sich anfangs als Glück oder Zufriedenheit offenbart hatte, als standardisierter Lebensstil, es ist zum Alltag geworden. Vor allem Jugendliche, die sich in einer sehr sensiblen Phase ihres Lebens befinden, fühlen sich oft unzufrieden, sie zweifeln an ihren Fähigkeiten und an sich selbst. Viele finden in der Gesellschaft zuerst überhaupt keinen Anschluss und fühlen sich dann automatisch minderwertig, auch wenn sie sonst alles haben, was sie zum Überleben brauchen. Wie soll man da noch an Dinge denken, die einem vielleicht Freude bereiten könnten? „Die Gesellschaft will mich nicht“ – folglich ist man unglücklich.

In unserer von ständigen Neuerungen geprägten Welt regieren Unsicherheit und Neid. Man orientiert sich viel zu oft an seinen Mitmenschen: „Was hat der, was ich nicht habe? Was kann der, was ich nicht kann?“ Kein Gedanke wird mehr daran verschwendet, ob es nicht schon genug sein könnte, dass ein anderer sich glücklich schätzen würde, so leben zu können wie ich. Die meisten schätzen weder Zuneigung noch Geborgenheit, weder Frieden noch die finanziellen Sicherheiten ihres Lebens. Unsere Zukunft sieht wirklich sehr trist aus, wenn die Menschen nicht wieder lernen, sich ihres Glückes bewusst zu werden – egal was die anderen von einem denken. Ob die Welt irgendwann wirklich von lauter traurigen Menschen besiedelt wird, liegt in unserer Hand: Jeder noch so kleine Moment des Glücks sollte ausgekostet werden.


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