HBLFA Raumberg-Gumpenstein, 2LW Gewinner und Verlierer bei Bio: Wer ist wer?

Markus Scheifinger, Michael Hirschbeck, Mark Winkler, Martin Holzer-Rosenmayer

Hält Bio wirklich das, was es verspricht? Oder ist alles nur eine Marketingstrategie?


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Seit ein paar Jahren geht der Trend zu Bio. Überall finden sich Bioprodukte im Regal, egal ob bei Discountern, Supermärkten oder Großmärkten. Ist es für den Landwirt rentabel, nachhaltig zu produzieren? Oder stecken Zwischenhändler und große Firmen das Geld in ihre Taschen?

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Produzenten, die Bäuerinnen und Bauern Österreichs. Diese widmen ihr Leben den Tieren und Pflanzen, die wir konsumieren. Rund 20.000 österreichische Betriebe sind auf Bio umgestiegen und die Tendenz steigt. Anscheinend zahlt sich die Förderung, die sie je nach Hektar und Anzahl der Tiere bekommen, aus, um nachhaltig zu wirtschaften, denn rund 80 Prozent der Biobetriebe betreiben diese nachhaltige Landwirtschaft aus wirtschaftlichen Gründen und nicht aus purer Überzeugung.

Der Gewinn ist zwar durch die Förderungen höher, aber der Aufwand ist oft größer und die Auflagen sehr streng. Deshalb besitzen die meisten Landwirte eine ,,schwarze Apotheke“, die illegale Antibiotika, Beruhigungsmittel für die Tiere, Pestizide und Hormone enthält. Diese Mittel sind zwar für uns nicht bedenklich, laut BIO AUSTRIA, dem größten Zusammenschluss österreichischer Biobäuerinnen und –bauern, aber verboten. Auch viele Tierärzte spielen bei dieser Manipulation mit. Doch wo kein Kläger, da kein Richter!

Weiterverarbeitungsbetriebe wie Molkereien und Schlachthöfe profitieren ebenfalls von Bio sowie auch Großhändler. Sie bekommen zwar keine Förderungen wie die Bauern, jedoch verkaufen sie die Produkte teurer als konventionell produzierte. Die Herstellungskosten bleiben aber annähernd gleich. Zwar müssen Lab für die Käseherstellung, Gewürze und eben auch Bio-Rohprodukte von den Bauern gekauft werden, aber durch den viel höheren Umsatz zahlt es sich für die Weiterverarbeitungsbetriebe trotzdem aus. Durch den Kauf großer Mengen sinken die Ausgaben nochmal. Dadurch vergrößert sich die Gewinnspanne erheblich. Allerdings kommt von diesem Umsatz nur ein sehr geringer Anteil bei den Bauern an. Bei einer Preiserhöhung von zehn Cent für einen Liter Vollmilch verdienen die Landwirte ca. 2 Cent mehr.

Greift man im Supermarkt zu einem Bioprodukt, muss man ebenfalls mit einem deutlich höheren Preis rechnen. Man zahlt durchschnittlich etwa 90 Prozent mehr als für herkömmliche Waren. Laut unseren Umfragen nehmen rund 70 Prozent der Konsumenten diesen Aufpreis in Kauf. Dabei sind die meist genannten Gründe das gesicherte Tierwohl und die angeblich höhere Qualität. Doch Bio heißt nicht immer, dass die Qualität besser ist und auch das Tierwohl muss nicht immer artgerechter sein. Diese oft nur für die Werbung benutzten Versprechen locken scharenweise Kunden an, die dann ruhigen Gewissens nach diesem Produkt greifen, ohne zu wissen, was dahintersteckt.

Der Biomarkt ist hart umkämpft und die Verlierer sind meist die Landwirte, da sie eben von diesem erwirtschafteten Geld am wenigsten erhalten. Sie sind aber auch die mit dem meisten Risiko. Ein Bauer ist meist Chef, Angestellter und Buchhalter zugleich. Diesen Job, der 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche in Anspruch nimmt, kann man nur ausüben, wenn man für ihn lebt. Doch das kann man heutzutage oft nicht mehr. Deshalb sind viele Kleinbauern im Nebenerwerb tätig. In den letzten 15 Jahren hielten rund 80.000 Betriebe dem Preisdruck nicht mehr stand. Und das wird so weitergehen, wenn wir als Konsumenten nichts an unserem Verhalten ändern! Es ist daher wichtig, dass wir als Konsument uns nicht mehr so leicht manipulieren lassen und zu Biomarken greifen, die eine hohe Transparenz bieten. Diese Transparenz soll uns nicht nur einen Überblick über das Tierwohl liefern, sondern auch die Überlebenssicherung der heimischen Bauern gewähren.