Holz goes urban

Der traditionelle Werkstoff Holz lässt seine Vergangenheit als rustikales Baumaterial hinter sich und hält Einzug in die Metropolen dieser Welt. Früher ausschließlich im ländlichen Raum eingesetzt, erfährt Holz momentan einen noch nie dagewesenen Hype.

Wer sich in den letzten Jahren für aktuelle Wohnbauprojekte interessiert hat, konnte die beginnende Trendwende im Holzbau bereits mitverfolgen. Zunächst vereinzelt im Bereich der Einfamilienhäuser, wo der Werkstoff Holz unter dem Schlagwort „moderner skandinavischer Stil“ akzentuiert eingesetzt wurde, bis schließlich der große Wurf mit Brettsperrholz gelang, welcher die Grenzen des Machbaren merklich verschob. Brettsperrholz ermöglicht es, tragende Strukturen aus Holz zu schaffen. Die logische Folge: Seit seiner Entwicklung und Markteinführung ist diese ökologische Bauweise nun auch im städtischen Milieu anzutreffen und gewinnt stetig an Marktanteil im Bereich der konstruktiven Baustoffe. Was vor Jahren noch undenkbar war, ist auch heute noch eine Neuheit: Hochhäuser aus Holz. Weltweit existieren bereits einige Holzhochhäuser mit acht oder mehr Geschossen.

Der derzeitige Höhenrekordhalter mit 18 Geschossen steht in Vancouver, Kanada. Doch mit Holz geht es weiter aufwärts. In Wien war letztes Jahr Baustart für das Projekt „HoHo“, das mit einer Gesamthöhe von 84 Metern und 20 Geschossen nach den Sternen greift und mit seiner Fertigstellung 2018 das höchste Holzhochaus weltweit sein wird. Doch das ist nur der Anfang: Nach dem Motto „only the sky is the limit“ stellte Stockholm kürzlich ein Projekt mit 40, London sogar einen Tower mit 80 Geschoßen vor. Ob es zur Umsetzung kommt, ist noch offen – wenn es nach mir ginge: „Yes, I wood!“ Bis dahin bleibt das „HoHo“ in Wien Rekordhalter. Was die wenigsten wissen: Das Produkt, das diesen Trend ermöglichte, wurde in Österreich in Serie gebracht.

Österreich beansprucht sogar die weltweite Marktführerschaft im Bereich Brettsperrholz und ist, bis auf wenige Ausnahmen, weltweit bei allen großen Projekten beteiligt. Kurze Bauzeiten und hohe Präzision sind Argumente, die das Bauen mit Holz vorantreiben. Dazu kommen Erdbebensicherheit und das vergleichsweise geringe Gewicht dieser Bauform. Ganz nebenbei wächst von der Ressource Holz mehr nach als verbraucht wird. Holz bindet zudem CO2 – nämlich eine Tonne pro Kubikmeter. Ein großer Schritt in Richtung CO2-neutrale Stadt und eine nachhaltige Antwort auf schädliche Emissionen.

Josef Deisl
Geschäftsführer von Holzstudio Deisl sowie Sauna und Wellness Deisl und Gesellschafter der Liezener Bezirksnachrichten GmbH.

Foto: deisl.com