(K)ein Amt, das sich keiner mehr antun will mit Randnotiz zum Thema

In der Steiermark stehen Gemeinderatswahlen an, doch für das Amt des Bürgermeisters finden sich zunehmend weniger Kandidaten. Steigende Verantwortung, hoher Zeitaufwand u. a. Belastungen schrecken viele ab, nicht jedoch einen jungen Öblarner.


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Am 22. März werden die Steirer wieder einmal – zum vierten Mal innerhalb von zehn Monaten – an die Urnen gebeten. Gemeinderatswahlen stehen am Programm, wobei sich Ortsparteien vielfach mit dem Problem konfrontiert sehen, dass es zunehmend schwieriger wird, Spitzenkandidaten zu finden. Bei den vorjährigen Kommunalwahlen in Salzburg etwa gab es in jeder vierten Gemeinde nur einen Kandidaten für den Posten des Gemeindeoberhaupts. In Schladming erklärte Elisabeth Krammel, die erst Ende 2018 das Amt übernommen hatte, dass sie bei den kommenden Wahlen aus familiären Gründen nicht mehr antreten werde.

Antworten auf die Frage, warum es immer weniger willige Kandidaten gibt, liefert die aktuelle Bürgermeisterumfrage des Österreichischen Gemeindebunds. Bei dieser gaben 56 Prozent der befragten Ortschefs an, dass sie sich einer sehr großen Belastung ausgesetzt sehen. 73 Prozent gaben an, dass die Verantwortung in der Bürgermeisterrolle deutlich zugenommen habe. Obwohl die Bürgermeistert.tigkeit ein beträchtliches Stundenausmaß erfordert – 45 Prozent gaben an, 21 bis 40 Stunden pro Woche beschäftigt zu sein –, arbeiten 69 Prozent nebenbei entweder Voll- oder Teilzeit. „Die Ansprüche und Herausforderungen nehmen zu. Dank für den Einsatz gibt es selten“, fasst der Gemeindebund die Ergebnisse zusammen.

Roland Nerwein, der für die SPÖ Öblarn antritt, ist der jüngste Bürgermeisterkandidat im Bezirk Liezen. (Foto: Karl)

Keine Angst vorm Amt
Roland Nerwein ist sich der Belastungen, die das Amt mit sich bringt, vollstens bewusst, trotzdem schreckt der junge Niederöblarner nicht davor zurück, als Spitzenkandidat der SPÖ Öblarn in die Wahl am 22. März zu gehen.

Mit seinen 25 Jahren ist er der jüngste Bürgermeisterkandidat im Bezirk Liezen und der jüngste der steirischen SPÖ. Sein Antrieb: „Ich sage, gerade auf Kommunalebene kann man noch was bewirken.“

Und bewirken möchte er so einiges. Neben dem Kindergarten, wo eine Sanierung oder ein Neubau vonnöten wäre, ist ihm speziell das Thema „leistbares Wohnen, die Angelegenheit mit den Zweitwohnsitzen, von der wir ja als Ausläufer in der Schladming-Dachstein- Region auch betroffen sind“, wichtig. „Kein Ausverkauf von Grundstücken und Immobilien, dieser Wohnraum gehört unseren Gemeindebürgern“, fordert Nerwein.

Sein junges Alter, glaubt er, sei kein Problem: „Das Alter sagt ja nichts über die Kompetenz eines Menschen aus. Ich traue mich zu behaupten, dass ich sehr gute Kontakte, auch in die Landesregierung, habe. Und ich pflege diese Kontakte auch. Außerdem habe ich erfahrene Menschen auf meiner Liste, die mich unterstützen.“ Am 22. März möchte Nerwein zumindest die absolute Mehrheit der ÖVP in seiner Gemeinde beenden, ist aber grundsätzlich „bereit für alles“, wie er erzählt, auch für das Bürgermeisteramt.


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RANDNOTIZ ZUM THEMA
von Benedikt Karl

Ein Influencer

Ein nicht unbeträchtlicher Prozentsatz der Gruppe der jungen Erwachsenen hegt heutzutage den Jobwunsch Influencer. Sollte Ihnen dieses Berufsbild nicht geläufig sein: Ein Influencer ist jemand, der ob seiner Bekanntheit in den sozialen Medien von Unternehmen zum Werbeträger auserkoren wird und in Videos und Posts seinen Followern so ziemlich alles – vom Trockenshampoo bis zur veganen Bratwurst – als das Gelbe vom Ei anpreist.

Der Begriff kommt aus dem Englischen, ist eine Ableitung des Verbs „to influence“, zu Deutsch „beeinflussen“ oder auch „mitprägen“. Genau das möchte auch Roland Nerwein, und zwar das politische Geschehen in seiner Heimatgemeinde. Wohl wissend um die hohe Belastung, den großen Zeitaufwand u. a. Beschwerlichkeiten, die andere abschrecken, kandidiert der junge Öblarner für das Amt des Bürgermeisters.

Nerwein ist somit auch eine Art Influencer, jedoch einer von der Sorte, die ich grundsätzlich für die wichtigere halte. Auf jene in den sozialen Netzwerken könnte ich hingegen gleich gut verzichten wie auf die derzeit grassierende Influenza. Die ethymologische Verwandtschaft der beiden Begriffe – für mich kein Zufall.

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