Lena Tormann Weißenbach und Liezen: War die Zusammenlegung die richtige Entscheidung?

Lena Tormann, 16
Franz-Sulzbacher-Gasse 114
8940 Weißenbach bei Liezen
BHAK Liezen, 2BHK

In Weißenbach trauern die meisten ihrer alten Gemeinde nach. Vielen fehlt das frühere Dorfgeschehen und die persönliche Betreuung im Alltag.

Seit 2014 sind Liezen und Weißenbach eine Gemeinde – das löst bei vielen WeißenbacherInnen nach wie vor Bauchschmerzen aus. Viele Bürger des kleinen Dorfes unweit der Bezirkshauptstadt Liezen sehen die Zusammenlegung als einen Politschacher der damaligen Landesregierung an. Bereits vor 2014 gab es viele Proteste, trotz allem konnte eine Zusammenlegung nicht verhindert werden, auch wenn eine damals durchgeführte Volksbefragung eine eindeutige Sprache sprach: Bei einer Beteiligung von rund 70 Prozent der Wahlberechtigten sprachen sich 89 Prozent gegen eine Zusammenlegung aus. Zudem reichte der damalige Gemeindevorstand von Weißenbach gemeinsam mit 40 weiteren Gemeinden eine Klage beim Verfassungsgerichtshof ein, die abgelehnt wurde. Alle diese Proteste flossen nicht in die Überlegungen der damaligen Landesregierung ein. So mussten sich die Gemeinde Weißenbach wie auch alle anderen Gemeinden mit dem Ergebnis abfinden.

Weißenbach sei vor der Fusion mit Liezen ein kleines, nettes Dorf mit funktionierendem Dorf- und Vereinsgeschehen, tollen Veranstaltungen und vielem mehr gewesen, heißt es heute, wenn man die Bewohner fragt. Seit der Zusammenlegung sei dies weniger geworden. „Im Gemeindeamt in Weißenbach wurde immer großer Wert auf persönliche Beratung und Betreuung der Gemeindebürger gelegt. Aber das gehört der Vergangenheit an, weil in Weißenbach keine Bürgerservicestelle der Stadt eingerichtet wurde – sehr zum Nachteil der Bevölkerung“, führt eine ehemalige Gemeindebedienstete aus. So können sämtliche Behördenwege nur mehr in Liezen erledigt werden. Besonders für den älteren und/oder nicht mobilen Teil der Bevölkerung stelle dies eine enorme Belastung dar, meint die Gemeindebedienstete weiter.

Auch das Gemeindezentrum, das im Jahr 2009 um einen mehrstelligen Millionenbetrag neu erbaut wurde und sich zum Kommunikationszentrum der Bevölkerung entwickelte, beherbergt heute nur noch ein kleines Café. In einigen anderen Räumlichkeiten ist das Regionalmanagement untergebracht. Mittlerweile ist die Zusammenlegung vier Jahre her, für die WeißenbacherInnen wird dieses Thema aber im Alltag weiterhin aktuell bleiben. Sie werden „ihr“ Weißenbach immer als das kleine, liebenswerte Dorf nahe Liezen schätzen und lieben, auch wenn es jetzt kein eigenständiges Dorf mehr ist.