Macht und Sex

Kaum ein anderes Thema ist momentan so sehr in aller Munde und jagt durch die Medien, wie das der sexuellen Belästigung. Doch was ist darunter zu verstehen und wo könnte man ansetzen, um dieses Verhalten so mancher fehlgeleiteter Männer umzupolen?

In den 90er-Jahren zeigte das Schulsystem diesbezüglich erstaunliche Ansätze, denn es wurden Einheiten in den Unterricht mit eingeflochten, in denen die Kinder ein Bewusstsein entwickeln sollten, mit dem sie sexuelle Übergriffe wahrnehmen und vor allem als Unrecht erkennen sollten. „Das ist mein Körper und ich erlaube dir nur, ihn zu berühren, wenn ich das möchte“, war eine der Formeln, die Kindern beigebracht wurde. Es ging darum, sich Nein sagen zu trauen.

Doch es gibt ihn immer noch, diesen Typ Mann, der seine Machtposition als Erziehungsberechtigter missbraucht, um eine minderjährige Verwandte unsittlich zu berühren oder mit sexuellen Andeutungen zu belästigen. Ebenso gibt es immer noch den Typ Mann, der seine Machtposition als Vorgesetzter missbraucht, um Mitarbeiterinnen unerlaubt die Schultern zu massieren, ihnen den Po zu tätscheln oder gar zwischen die Beine zu greifen, verbale Übergriffe miteingeschlossen.

Vielleicht sollte in puncto Bewusstseinsbildung speziell beim Mann angesetzt werden, denn er wird nicht als zügelloser Machtmensch, der sich nicht im Griff hat, geboren, sondern er wird dazu gemacht. Seinem Fehlverhalten liegt vermutlich der mangelnde Respekt gegenüber dem weiblichen Geschlecht zugrunde, der wiederum höchstwahrscheinlich in einer ungesunden Mutter-Sohn- Beziehung wurzelt. Wie auch immer, eine Frau in einem Abhängigkeitsverhältnis sollte nicht für die Vergangenheit eines solchen Mannes büßen und aus Angst vor Jobverlust schweigen müssen. Ein Mann erlernt den Umgang mit dem weiblichen Geschlecht in erster Linie durch die Vorbildwirkung des Vaters. Ist dieser gentlemanlike und behandelt Frauen respekt- und liebevoll, wird dies das Verhalten des Sohnes prägen.

Foto: panthermedia.net/michaeljung