Mautern in der Steiermark: Die Marktgemeinde mit dem Wilden Berg

Mautern ist den meisten Menschen v. a. aufgrund des jenseits der Pyhrnautobahn gelegenen Tierparks ein Begriff. Doch die Liesingtalgemeinde hat noch mehr zu bieten, beispielsweise Hochkultur in Form von Oper und Operette und ein wundertätiges Kreuz in der Pfarrkirche.

Etwas mehr als 1.800 Einwohner leben in den sechs Ortschaften Eselsberg, Liesingau, Magdwiesen, Mautern, Rannach und Reitingau. Mautern ist somit bevölkerungsmäßig nach St. Michael die zweitgrößte Gemeinde des Liesingtals. Mit knapp 109 Quadratkilometern ist sie flächenmäßig sogar die größte Kommune des Tals, im Bezirk Leoben nach Trofaiach und Eisenerz die drittgrößte. Bürgermeister von Mautern in der Steiermark – nicht zu verwechseln mit jenem an der Donau, das zwar seit 1983 Partnergemeinde ist, aber eben nicht in der grünen Mark, sondern in Niederösterreich liegt – ist Andreas Kühberger (ÖVP).

Mautern liegt im Herzen der Steiermark, zwischen den Eisenerzer Alpen und den Niederen Tauern.

Die jüngsten archäologischen Funde auf dem Gemeindegebiet von Mautern stammen aus der späten Bronzezeit, also dem Zeitraum von etwa 1300 bis 800 v. Chr., und sind der Urnenfelderkultur zuzuordnen. Es handelt sich dabei um eine Lanzenspitze, die auf der Fensteralm gefunden wurde, und einen Kupferschmelzofen aus der Gegend um Ehrnau. In der Römerzeit verlief durch das Liesingtal eine Nebenstraße, bis dato konnten durch archäologische Forschungen aber keine römischen Siedlungen nachgewiesen werden. Das Liesingtal, so scheint es, war in früheren Zeiten eher Durchzugs- als Siedlungsgebiet. Darauf deutet auch der Name des Orts hin, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Mautstelle zurückzuführen ist.

Joseph von Zahns 1893 erstmals aufgelegtem „Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter“, einem bis heute für die Siedlungsgeschichte des Bundeslands maßgeblichen Werk, ist zu entnehmen, dass Mautern erstmals 1145 als Mutaren urkundlich erwähnt wird. Weitere Erwähnungen im Mittelalter: 1171 Mutarn hinterelegt, 1208 Mutharn, 1288 Movtarn (v = u) und 1395 Mautdarn. Dass in Mautern Wegzoll eingehoben wurde, vermutet auch der Historiker Hans Pirchegger (1875 – 1973), der zahlreiche Publikationen zur Geschichte der Steiermark verfasst hat: „Eine Mautstatt befand sich im Mittelpunkt oder an der Grenze einer Grafschaft .

Der Biber im Gemeindewappen entstammt dem Familienwappen der Breuner, unter deren Herrschaft Mautern 1633 vom Dorf zum Markt erhoben wurde.

An alte Grenzmauten erinnern auch Mautersdorf bei Schladming (1185 genannt), Mautern im Liesingtal (um 1145) oder Mautstadt bei Pernegg (1326).“ Auch wenn eine Maut urkundlich erst 1639 erstmals erwähnt wird, dürfte es in Mautern auch bereits in den Jahrhunderten davor eine solche gegeben haben. 1187 wird die dem heiligen Nikolaus geweihte Pfarrkirche erstmals schriftlich erwähnt. Sie beherbergt auch das sogenannte wundertätige Kreuz. Bei einem schweren Brand im Jahr 1718, der den größten Teil des Marktes, den Pfarrhof sowie den Turm und das Dach der Kirche zerstörte, wurde ein am Friedhofseingang stehendes Kreuz auf wundersame Weise kaum beschädigt.

Lediglich das Mittelstück des Querbalkens verbrannte, die Endstücke blieben an den Handnägeln des ebenfalls kaum in Mitleidenschaft gezogenen Christuskörpers hängen. Das Kreuz wurde fortan in der Kirche aufbewahrt und verehrt. 20 Jahre später erschien exakt dieses Kreuz der schwer erkrankten Kaiserin Maria Theresia in einem Traum. 1740, wieder gesundet, ließ die Herrscherin das Kreuz in Silber fassen und mit Werken des bekannten Admonter Bildhauers Josef Thaddäus Stammel.

Das wundertätige Kreuz am Hochaltar der Mauterner Pfarrkirche erschien Kaiserin Maria Theresia 1738 in einem Traum.

Heute hängt das Kreuz am Hochaltar. Seit 1633 hat Mautern Marktrecht und Wappen. Die Erhebung vom Dorf zum Markt erfolgte auf Bitte von Freiherr Maximilian Breuner. Das Adelsgeschlecht der Breuner hatte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Herrschaft über das Gebiet erlangt. Im Zuge der Markterhebung erfolgte auch die Verleihung des Wappens. Das Wappentier, ein Biber, ist dem Familienwappen der Breuner entnommen. Herrschaftssitz war das im Westen von Mautern gelegene Schloss Ehrnau, das bis 1827 in ihrem Besitz war. In den folgenden knapp zwei Jahrhunderten hatte das Schloss mehrere Besitzer und Funktionen, war u. a. Siechenheim und beherbergte in den 1980ern Österreichs größte Disco, den Nova Palace.

Schon vor 1700 wurde in Mautern Talk abgebaut – eine der bedeutensten Einnahmequellen, die dem Ort Wohlstand brachte. Erst 1965 wurde der Talkabbau aufgegeben. 1851 bis 1937 war Mautern Gerichtsort, 1916 bis 1935 gab es auch eine Gemeinde Mautern-Umgebung. 1968 wurde der Grundstein für den Tierpark gelegt (siehe Artikel auf Seite 24). In den 70er- und 80er- Jahren forderte die gefürchtete Gastarbeiterroute auf der Schoberpassbundesstraße (B 113) auch bei Mautern immer wieder Unfalltote. Erst mit der Eröffnung der Pyhrnautobahn 1991 verbesserte sich die Situation. Die Breuner und andere Adelsgeschlechter sind in Mautern mittlerweile längst Geschichte, die Geschicke der Gemeinde lenkt seit 2010 Bürgermeister Andreas Kühberger, der seit Herbst des vergangenen Jahres auch Abgeordneter zum Nationalrat und dementsprechend vielbeschäftigt ist.

Dass diese Doppelbelastung sich zuungunsten seiner Gemeinde auswirken wird, glaubt er nicht: „Mautern und die gesamte Obersteiermark haben dadurch, dass ich öfter in Wien bin, keinen Nachteil, sondern einen Vorteil. Im Nationalrat habe ich die Möglichkeit, viel für die Region zu machen.“ Da fällt vielen in der Region wohl zuallererst das UKH Kalwang ein. Seit der Ankündigung von Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein, dass die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) wohl oder übel aufgelöst werden müsse, sehen viele Menschen in der Region den Standort Kalwang gefährdet. Kühberger zu dieser Thematik: „Seit einem Jahr wissen wir in der Region, dass die AUVA das UKH sowieso nach Bruck verlegen will.

Schloss Ehrnau im Westen von Mautern wird derzeit saniert und bereits im Juni mit der Aufführung der Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss seine Premiere als Veranstaltungsort feiern.

Das bedeutet aber nicht automatisch das Aus für den Standort. Dass man Kalwang komplett zusperrt, das wird es nicht geben! Wir werden dafür kämpfen, eine Nachfolgeeinrichtung zu bekommen – ob das nun ein Rehazentrum ist oder was auch immer.“ Von Bedeutung – nicht nur für Mautern, sondern für das gesamte Liesingtal – ist neben dem Krankenhaus in Kalwang auch der Wilde Berg. Der Tierpark, der heuer sein 50-jähriges Bestehen feiert, ist ein wichtiger Arbeitgeber und wirtschaft licher Motor für die gesamte Region.

Seit der Übernahme durch die Planai lockt die Attraktion jährlich wieder über 70.000 Touristen an, die man mit gezielten Aktionen auch in den Ort holen möchte. So gibt es z. B. mit dem Ticket für den Wilden Berg auch gratis Eintritt ins Mauterner Schwimmbad. Wohl nicht 70.000, aber doch so einige Gäste lockt auch die Hochkultur nach Mautern. Seit 2013 wird der Ort alljährlich zur Bühne für Oper und Operette. Heuer gelangt mit dem „Zigeunerbaron“ eine Strauss-Operette an drei Tagen zur Aufführung, und zwar am 8., 9. und 10. Juni. Veranstaltungsort ist dieses Jahr erstmals der überdachte Innenhof von Schloss Ehrnau. So ist man wetterunabhängig, was am bisherigen Open-Air-Standort, dem Innenhof des ehemaligen Franziskanerklosters, nicht der Fall war. Mehrmals mussten Aufführungen wegen heftigen Regens und Sturm abgesagt werden. Treibende Kraft hinter dem Projekt ist Sarah Kettner.

Die in Simbabwe geborene Intendantin lebt seit vielen Jahren in Mautern und bringt als ehemalige Sängerin mit internationalem Renommee die nötige Erfahrung mit. Voraussetzung für die Auff ührung im wettersicheren Innenhof des Schlosses ist natürlich, dass die Sanierungsarbeiten, die seit dem Vorjahr laufen, rechtzeitig abgeschlossen sind. Während sich diese in Ehrnau – zumindest was den Innenhof und die wichtigsten Nebenräumlichkeiten betrifft – bereits in der Endphase befinden, haben die Arbeiten an einem anderen Sanierungs- und Umbauprojekt noch gar nicht begonnen.

Bürgermeister Andreas Kühberger: „Der Zusammenhalt über alle Gesellschaftsschichten hinweg, dass wir gemeinsam an einem Strick ziehen und ein gewisser Patriotismus in der Gemeinde machen Mautern für mich so lebenswert.“

Die Rede ist vom Liesingtalerhof im Ortszentrum, wo ein Generationenhaus entstehen soll. „Momentan sind wir gerade in Verhandlungen mit der Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft und ich hoffe, dass wir das in den nächsten sechs Wochen abgeschlossen haben“, informiert Kühberger. Neben barrierefreien Wohnungen seien u. a. auch eine Geschäftsfläche, an der eine Firma bereits konkretes Interesse bekundet habe, Parkplätze und eine Verbreiterung der Straße geplant.

Foto: Marktgemeinde Mautern, Karl