Notfallpatient Pflege auf türkis-grünem OP-Tisch

Die Pflege ist das erste große Vorhaben, das Türkis-Grün in Angriff nehmen will. Im Regierungsprogramm wurde nicht weniger als eine grundlegende Reform angekündigt. Doch was sind die konkreten Vorhaben? Und welchen Handlungsbedarf sehen jene, die tagtäglich mit dem Thema konfrontiert sind?

Gesundheitsminister Rudolf Anschober betonte gleich nach der Angelobung der neuen Regierung, dass die Pflege die größte Herausforderung in seinem Ressort sei. Dass eine Reform der Pflege in Österreich vonnöten ist, unterstreicht auch der im Februar vorgelegte Rechnungshofbericht „Pflege in Österreich“, der u. a. die Entwicklung eines nachhaltigen Finanzsystems und einheitlichen Verständnisses zur Qualität in Heimen empfiehlt.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober betonte gleich nach der Angelobung der neuen Regierung, dass die Pflege die größte Herausforderung in seinem Ressort sei. Dass eine Reform der Pflege in Österreich vonnöten ist, unterstreicht auch der im Februar vorgelegte Rechnungshofbericht „Pflege in Österreich“, der u. a. die Entwicklung eines nachhaltigen Finanzsystems und einheitlichen Verständnisses zur Qualität in Heimen empfiehlt.

Schwerpunkt Fachkräfte
Ein detailliertes Reformprogramm wird es zwar erst Ende des Jahres geben, einige Maßnahmen sind jedoch bereits bekannt. Der Fokus soll auf die Bekämpfung des Fachkräftemangels gelegt werden. Einer im November veröffentlichten, vom Sozialministerium in Auftrag gegebenen Studie zufolge sind bis 2030 rund 75.000 zusätzliche Pflegekräfte vonnöten. Anschober plant eine dreijährige Fachschule sowie eine fünfj.hrige höhere Ausbildung ab 15 Jahren. Schon ab Herbst sollen zehn Schulversuche an bereits bestehenden privaten kirchlichen Einrichtungen der Caritas, Diakonie und Erzdiözese Salzburg starten.

Weitere Vorhaben
Weiters, so der Plan des neuen Gesundheitsministers, sollen die rund 950.000 pflegenden Angehörigen in Österreich stärker unterstützt werden, u. a. mit einem „Pflegedaheim- Bonus“ und einem pflegefreien Tag pro Monat, außerdem die mobilen Pflegeund Betreuungsangebote ausgebaut werden. Auch eine Attraktivierung der Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen hält Anschober für essenziell.

Expertenmeinungen


Jakob Kabas, Geschäftsführer des Sozialhilfeverbands Liezen und Obmann des Landesverbands Altenpflege Steiermark, sieht drei zentrale Lösungsfelder, die „beackert“ werden müssen: „Erstens der Kompetenztatbestand Pflege, der in die Hand des Bundes gehört, denn die Pflegevereinbarung 1993 zeigt deutlich, dass ein föderaler Weg nicht zum Ziel führt. Zweitens die Finanzierung – der Weg über die Sozialhilfe hat zu einer massiven Überforderung kommunaler Haushalte geführt. Es braucht ein Mehrsäulensystem, das einmal grundsätzlich ohne Denkverbote diskutiert wird. Drittens das Personal, wo anzumerken ist, dass die aktuellen Bedarfszahlen für die nächsten zehn bis 30 Jahre sowie der reale Alltag alle gängigen Bewertungssysteme von Mangelberufslisten und der Rot-Weiß-Rot-Karte ad absurdum führen. Diese Herausforderungen brauchen auch qualitäts- sowie würdevolle Migration und Integration.“

Franz Ferner, Geschäftsführer der Volkshilfe Steiermark, sieht v. a. bei den Rahmenbedingungen der in der Pflege Beschäftigten Handlungsbedarf: „Eine langfristig angelegte schrittweise Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich ist sinnvoll und umsetzbar. Für die in dieser Branche vielen Teilzeitbeschäftigten würde sich dadurch die Einkommenssituation verbessern, für die Vollzeitbeschäftigten sich die Arbeitsbelastung reduzieren. Ich gehe davon aus, dass dadurch dem zunehmend zum Problem werdenden Fachkräftemangel in der Pflege entgegenwirkt werden kann. Wir bei der Volkshilfe wissen, dass die Tätigkeit in Betreuung und Pflege fordernd ist, deshalb ist es uns ein Anliegen, die Mitarbeiter in ihrer Arbeit zu stärken. Dazu gehört nicht nur die Arbeitszeitverkürzung, sondern auch eine längst notwendige Entbürokratisierung der Sozial- und Pflegearbeit und die dringende Weiterführung der Steirischen Pflegestiftung im Qualifizierungsbereich. Die Bundesregierung muss nun ihren vielen Ankündigungen auch Taten folgen lassen.“


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