Schaulust oder verdeckte Gewaltbereitschaft?

Wir alle kennen das: Es kommt zu einem Unfall und eine Menge Schaulustiger behindert durch ihr Verhalten die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit. Es gibt auch Fälle, in denen Gaffer den Überlebenskampf von Menschen beobachten, sogar per Videokamera festhalten, ohne helfend einzugreifen.

Die Literatur zu diesem Thema bezeichnet Schaulust als eine Art virtuelle Aktivität, die sich von der Schadenfreude bis hin zur Bosheit steigern kann. Man kann davon ausgehen, dass viele dieser Schaulustigen hoffen, dass irgendjemand etwas unternimmt – nur eben nicht sie selbst. Sie sehen sich höchstwahrscheinlich nicht in der Verantwortung, Hilfe zu leisten, und halten es nicht einmal für notwendig, die Polizei zu alarmieren. Manche Stimmen meinen, dass sich unsere Gesellschaft mit ihrem ungebremsten Egoismus zu einer Raffgesellschaft entwickelt hat, die sich gleichgültig gegenüber in Not und Elend geratenen Menschen verhält.

Es wird sogar behauptet, dass die Bedrängnis anderer zuweilen wie eine Fernsehshow konsumiert wird. Doch was unterscheidet einen Schaulustigen von einem sogenannten Retter oder Helfer? Verschiedenen Untersuchungen nach ist der Letztgenannte weder überdurchschnittlich intelligent, noch fällt er durch soziale Angepasstheit auf. Es ist auch kein einheitlicher Erziehungsstil feststellbar, der bei der Entwicklung von Retter-Tugenden förderlich gewesen sein könnte.

Es konnte jedoch eine starke Verbindung an die Familie festgestellt werden, wobei mindestens ein Elternteil als sozial verpflichteter und vorbildlich handelnder Mensch erlebt wurde. Durch Nachahmung dieser Verhaltensweisen entwickelt sich bereits im Kindesalter ein hochsensibles Gewissen. Bei den Untersuchungen fiel ebenso auf, dass die Erziehung immer von zwei Prinzipien bestimmt war: Von Liebe und von Festigkeit. Des Weiteren wurde ersichtlich, dass die meisten Helfer schon ab dem Kindesalter eine intellektuelle und psychische Selbstständigkeit erreicht hatten, die ihnen dabei geholfen hat, sich ein eigenes Urteil zu bilden.


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