Serie: „Von Generation zu Generation“ Liezens letzte Kaufmannsfamilie

Liezens letzte Kaufmannsfamilie

Sie würden nicht in Quartalen, sondern in Generationen denken, ist im Zusammenhang mit familiengeführten Betrieben oft zu hören. Eine Aussage, die definitiv auch auf das traditionsreiche Liezener Familienunternehmen Vasold zutrifft.

Firmengründer Ferdinand Vasold war, wie es auch viele seiner Nachkommen waren und sind, auch im öffentlichen Leben tätig, etwa als Liezener Bürgermeister von 1871 bis 1874. Fotoquelle: Stadtarchiv Liezen

Vor knapp 160 Jahren gegründet, wird die Ferd. Vasold Gesellschaft m.b.H. & Co.KG. heute von den Brüdern Wolfgang, Gerhard und Thomas Vasold in bereits vierter Generation geführt. Die Firma hat breitgefächerte Anfänge, seit rund 50 Jahren konzentriert man sich aber auf den Handel mit Sportartikeln und ist in der gesamten Region als Spezialist für Berg- und Radsport bekannt.

Firmengeschichte
1863 gründete Ferdinand Vasold, damals 22, eine Ge-
mischtwarenhandlung, zu der in den Folgejahrzehnten zahlreiche weitere Geschäftsfelder hinzukamen. 1912 übergab er an seine Söhne Ferdinand, Franko und Alois, um 1950 trat mit Frankos Söhnen Ferdinand und Wolfgang die dritte Generation in das Unternehmen ein. Wolfgangs Vorliebe für den Handel mit Sportartikeln – heute alleiniger Tätigkeitsbereich – führte 1972 zur Gründung eines Sportgeschäfts. Seit 2007 leiten seine Söhne Wolfgang, Gerhard und Thomas die Firmengeschicke.

Als „wichtigsten Schritt in der jüngeren Firmengeschichte“ bezeichnet Peter Vasold, einer der drei Söhne von Gerhard Vasold, den Umzug des Bergsportgeschäfts von der Innenstadt in die Bahnhofstraße vor knapp zwei Jahren. Das dortige Plus an Verkaufsflächen und Kundenparkplätzen sei ein wesentlicher Beitrag zum erfolgreichen Weiterbestand des Unternehmens. In diesem ist mittlerweile neben der vierten auch bereits die fünfte Generation maßgeblich tätig, insgesamt acht Vasolds. „Wir sind ein Familienbetrieb im wahrsten Sinne des Wortes“, merkt Thomas Vasold nicht ohne Stolz an.

Foto: Vasold

„In Sport wird investiert“
Die Bilanz über die letzten Monate fällt trotz Corona nicht gänzlich unzufrieden aus. Berg- und Radboom hätten einen überdurchschnittlichen Sommer und Herbst beschert, das Weihnachtsgeschäft sei zwar kurz, aber zufriedenstellend gewesen. „In Sport wird investiert. Die Leute sind bereit, sich den Sport etwas kosten zu lassen“, so Thomas Vasold. Der aktuelle Lockdown schmerze aber, weil es v. a. im Bereich Tourenski eine große Nachfrage geben würde. „Ein Geschäftsentgang, der in der Dimension nicht mehr aufzuholen ist.“

Auf einen Onlineshop verzichtet man bei Sport Vasold übrigens selbst in Zeiten wie diesen ganz bewusst, setzt stattdessen auf qualitative Beratung, Service und Reparatur vor Ort. Mit einem digitalen Schaufenster wird den Kunden dennoch ein Überblick über das Sortiment ermöglicht. „Ein Onlineshop passt einfach nicht zu dem, wofür wir stehen“, meint Lukas Vasold, der jüngste Sohn von Gerhard Vasold. Wie der Rest der Familie hofft auch der amtierende steirische Meister im Bergmarathon, schon bald wieder im Geschäft beraten zu können. ↖


Legt man die EU-Definition, die auch Ein-Personen-Unternehmen berücksichtigt, zugrunde, gibt es in Österreich knapp 274.000 Familienbetriebe. Das sind rund 87 Prozent aller heimischen Unternehmen! Während sich manche erst in der Pionierphase befinden, können andere bereits auf eine weit zurückreichende Erfolgsgeschichte zurückblicken. Auch in unserer Region gibt es zahlreiche traditionsreiche Familienbetriebe, die bereits seit langer Zeit von Generation zu Generation weitergegeben werden. Sie möchten wir in dieser Kolumne vorstellen.


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