Top ausgebildet, gut integriert – und trotzdem droht die Abschiebung

Najibullah Sultani steht kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Koch. Sein Lehrherr lobt ihn in den höchsten Tönen, in der Berufsschule brilliert er. Trotzdem droht ihm die Rückführung nach Afghanistan.


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Bereits vor knapp eineinhalb Jahren haben wir über Najib, wie er von allen nur genannt wird, berichtet. Der junge Afghane war 2015 aus seinem bürgerkriegsgeplagten Heimatland geflohen und hatte in Liezen eine Kochlehre begonnen, was Asylwerbern unter 25 in Mangelberufen damals erlaubt war. Weil sein Asylantrag in erster Instanz abgelehnt worden ist, schwebt seit 2018 das Damoklesschwert der Abschiebung über seinem Haupt. Laut aktueller Gesetzeslage darf Najib zwar seine Ausbildung beenden, muss danach aber zurück nach Afghanistan, sollte auch seine zweite Anhörung negativ verlaufen. Einen top ausgebildeten und gut integrierten jungen Menschen wie Najib abzuschieben sei eine Schande, so Lehrherr Ferenc Herzegh, der im LBN-Interview auch seine Hoffnung ausdrückt, dass die neue Regierung daran etwas ändern werde.

LBN: Was sagen Sie als Unternehmer, Chef und Freund von Najib dazu, dass jemand, der eine Lehre in einem Mangelberuf absolviert, nach seiner Ausbildung abgeschoben werden soll?
Herzegh: Ich finde es unmenschlich, einem jungen Menschen die Hoffnung auf ein besseres Leben zu geben und ihm diese dann wieder zu nehmen. Von der menschlichen Tragödie abgesehen, wäre die Abschiebung auch wirtschaftlich und personaltechnisch ein Verlust. Die Ausbildung von Najib wird mich insgesamt knapp 46.000 Euro kosten. Und ich müsste mich wieder auf Personalsuche begeben. Liezen liegt in einer Skiregion mit viel Gastronomie, da haben wir bei der Personalsuche starke Konkurrenz. Erschwerend kommt hinzu: Ich verfolge ein sehr spezielles Gastronomiekonzept und brauche speziell dafür ausgebildete Leute. Ganz ehrlich, sollte Najib abgeschoben werden, bin ich nicht mehr motiviert, erneut einen Lehrling auszubilden.

Wie geht es Najib mit dieser Situation, der Ungewissheit, was seinen Aufenthalt betrifft?
Es bedrückt ihn schon, aber im Grunde ist er ein absolut tapferer, positiver Bursche. Er arbeitet fleißig, hofft und lässt sich die meiste Zeit nichts anmerken. Ich habe riesigen Respekt davor, dass er trotz der ständigen Angst, ob er bleiben darf oder nicht, seine Ausbildung im Betrieb und in der Schule so großartig durchzieht und zu einem meiner wertvollsten Mitarbeiter geworden ist.

Jetzt gibt es ja seit Jahresbeginn eine neue Bundesregierung. Haben Sie die Hoffnung, dass sich unter Türkis-Grün die Lage für Najib zum Positiven wenden könnte?
Ja, da hoffe ich schon darauf, auf Gerechtigkeit. Najib hat die besten Empfehlungen von mir, der Schule und seinem Umfeld. Und er kann mit unserer Unterstützung rechnen, denn die hat er sich verdient. Wir stehen nicht nur als Firma, sondern auch als Familie zu 100 Prozent hinter ihm.