Tourismusbudgets unter Druck

Strukturreformen lassen sich meist recht schlüssig auf Papier bringen und als notwendig argumentieren. Nicht anders verläuft dies bei der steirischen Tourismusreform, bei der mit 30. September aus derzeit 96 Tourismusverbänden elf Erlebnisregionen werden. Im Bezirk Liezen wird es mit Schladming-Dachstein, Gesäuse und Ausseerland-Salzkammergut nur mehr drei große Verbände geben.

Die grundsätzliche Sinnhaftigkeit der Reform steht außer Diskussion, allerdings tauchen in der Umsetzungsphase doch viele Problemfelder auf, denen man im Vorfeld seitens der „Reformer“ anscheinend zu wenig Bedeutung zugemessen hat.

Weniger Budget
Die Basisfinanzierung für das Budget eines Verbands stellen die Interessentenbeiträge aller Tourismusbeitragszahler – faktisch alle Betriebe im Verband – und die Anteile an der Nächtigungsabgabe dar. Die Beiträge konnten in den bisherigen Verbänden durch die Vollversammlung freiwillig erhöht werden. So zahlen etwa die Ramsauer Betriebe 300, jene im Verband Grimming-Donnersbachtal 225, die Betriebe in Liezen 200 und alle im derzeitigen Verband Gesäuse 150 Prozent. Durch die Neukonstituierung der drei Verbände muss in der Vollversammlung über eine freiwillige Erhöhung neu abgestimmt werden, Beitragshöhen wie in der Ramsau sind damit künftig illusorisch.

Ausgeschrieben werden auch die Stellen der Geschäftsführer der neuen Verbände. Fix ist bereits der Abgang von Gesäuse-Chef David Osebik.

Basis für die Berechnung des Interessentenbeitrags ist der Umsatz laut Bescheid des zweiten vorangegangen Jahres, also für 2021 der Bescheid aus 2019. Das bedeutet, dass durch die coronabedingten Umsatzausfälle 2020 und 2021 die Budgets für 2022 und 2023 massiv betroffen sein werden. Dazu kommen natürlich ausbleibende Nächtigungsbeiträge durch die Schließungen. Weiters müssen die neuen Verbände künftig 15 Prozent des Budgets – berechnet vom einfachen Beitrag – ans Land für Gemeinschaftsaktionen abliefern. Unterm Strich werden den neuen Verbänden beträchtlich weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stehen als bisher.

Hohe Belastungen für die Kommunen
Den neuen Verbänden ist es künftig untersagt, Infrastruktur zu errichten oder zu unterhalten, Veranstaltungen abzuwickeln oder Gutscheinsysteme zu führen. Für Gemeinden mit touristischer Ausrichtung wie Ramsau oder Schladming bedeutet dies enorme zusätzliche finanzielle Belastungen, die gerade in der Coronakrise kaum zu stemmen sein werden. Man wird sparen müssen, auch im Bereich der touristischen Infrastruktur, andererseits soll vermehrt Marketing eben für diese Einrichtungen betrieben werden. Das ist kontraproduktiv und wenig überlegt.

Für Städte wie Liezen oder Rottenmann bedeutet dies, dass durchwegs alles, was bisher mit den Interessentenbeiträgen finanziert wurde, etwa ein Gutscheinsystem oder Feste, nicht mehr durchgeführt werden dürfen. Der Aufschrei von Städten in ähnlicher Situation blieb beim Land bisher ungehört. Die Budgetmittel, die von den Unternehmern vor Ort aufgebracht werden, müssen auch vor Ort spürbar sein und nicht in kaum sichtbaren Kanälen entschwinden. Sonst ist die Unterstützung seitens der Betriebe enden wollend. ↖


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