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Radstadt: Die alte Stadt im Gebirge

Die historische Befestigungsanlage und die barocken und klassizistischen Bauten zeugen von der langen Geschichte Radstadts, doch in der „alten Stadt im Gebirge“ denkt man keineswegs rückwärtsgewandt, wie die Teilnahme am e5- Programm und die Maßnahmen zur Ortskernstärkung beweisen.

Die Stadtgemeinde im Salzburger Bezirk St. Johann/Pongau umfasst fünf Katastralgemeinden. Neben dem Hauptort Radstadt sind das Höggen, Löbenau, die geteilte Ortschaft Mandling – der westliche Teil gehört zu Radstadt, der östliche zu Schladming – und Schwemmberg. Die Fläche der Gemeinde, die über 4.850 Einwohnern Heimat ist, beträgt knapp 61 Quadratkilometer. Bürgermeister ist seit 1999 Josef Tagwercher (ÖVP). MitseinerLageanderSchnittstelle zweier bereits in der Bronzezeit bedeutender Handelsrouten hatte Radstadt von jeher eine verkehrsgeografisch und strategisch günstige Lage. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde die Gegend von Kelten besiedelt, kurz vor Beginn der Zeitrechnung folgten die Römer, im 6. Jahrhundert zogen aus Richtung Schladming kommend Slawen ins Gebiet um Radstadt, wovon noch heute Toponyme wie Mandling zeugen. Im Falle des Ortsnamens von Radstadt ist hingegen bis heute nicht restlos geklärt, ob dieser slawischer Provenienz ist, oder doch auf die germanischsprachigen bairischen Siedler, die ab dem 7. Jahrhundert aus nordwestlicher Richtung in den Ennspongau vordrangen, zurückgeht.

Das Wappen samt offizieller Blasonierung wurde Radstadt vor 90 Jahren von der Salzburger Landesregierung verliehen.

Mit einer Unterbrechung bestimmten in den folgenden Jahrhunderten zuerst bairische Herzöge und später das Erzstift bzw. Fürsterzbistum Salzburg die Geschicke. Speziell im heurigen Reformationsjahr erwähnenswert, da auch durch Martin Luthers Lehren beeinflusst: die Bauernkriege 1525 und 1526. War man im ersten Jahr noch Sitz der Rebellen, gelang es Radstadt im folgenden, einer Belagerung durch 5.000 Bauern und Knappen zu trotzen, wofür man 1527 vom Erzbischof den großen Freiheitsbrief mit umfassenden Privilegien erhielt, auf dem die noch heute bestehende Bürgergarde der Stadt gründet. Ein Teil Österreichs wurde Salzburg und damit auch Radstadt übrigens erst 1816. 1938 kam es zum Zusammenschluss der Gemeinden Radstadt- Stadt und Radstadt-Land. Die wirtschaftlich größte Bedeutung für die Gemeinde hat zweifelsohne der Tourismus.

Bereits 1881 wurde in Radstadt ein Verschönerungsverein gegründet, 1919 der Skiclub, dreißig Jahre später der erste Sessellift in Salzburg gebaut. Das Skigebiet Radstadt-Altenmarkt wurde 1972 in Betrieb genommen, aus dem Zusammenschluss zahlreicher Pongauer Bergbahnen und Tourismusverbände 1988/89 entstand schlussendlich 2000 der Skiverbund amadé mit Sitz in Radstadt. Im Sommer wechselt man in der „alten Stadt im Gebir ge“ gerne von zwei Brettern auf zwei Räder und tritt beispielsweise beim Amadé Radmarathon in die Pedale. Kuriosum: der Radgarten an der Stadtmauer mit zehn einzigartigen Fahrrädern, u. a. dem weltgrößten Fußballdreirad. Der Ort ist auch ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen. Geboten wird in Radstadt auch im Bereich Kunst und Kultur so einiges. So wird beispielsweise seit mittlerweile 30 Jahren der Stadt vielleicht bekanntester Sohn, der 1459 geborene Paul Hofhaimer – Orgel- und Lautenspieler, Komponist, Dirigent, Erfinder des Regals und Hofmann Kaiser Maximilians – mit den vom Radstädter Kulturkreis „Das Zentrum“ veranstalteten „Paul-Hofhaimer-Tagen“ geehrt.

Tagwercher

Bürgermeister Josef Tagwercher: „Das sehr gute Miteinander in den vielen Vereinen, das große Kultur- und Freizeitangebot, die moderne Infrastruktur, Arbeitsplätze, ausreichend Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie das sehr gute schulische Angebot machen Radstadt so besonders lebenswert.“

Ebenfalls auf Initiative des „Zentrums“ wird alljährlich das Sommerkino und ein Kunsthandwerksmarkt – heuer am 2. und 3. September – abgehalten. Museen runden das kulturelle Angebot ab. Sowohl Gäste als auch Einheimische dürfen sich zukünftig an einer neu gestalteten Innenstadt erfreuen. Der Ort ist eine von drei Pilotgemeinden im Bundesland, deren Ortskerne durch gezielte Maßnahmen gestärkt werden sollen. Die Innenstadt wird zur Begegnungszone, in der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind, die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 km/h gesenkt, Asphalt durch Pflastersteine ersetzt. Zusätzlich erhält der Ort ein neues Beleuchtungskonzept. Während die Arbeiten in der Innenstadt noch bis Oktober – Pflaster – bzw. über die nächsten zwei Jahre – Beleuchtungskonzept – laufen, ist die Sanierung und Erweiterung des Schulzentrums, das die Volks- und Neue Musik- Mittelschule beherbergt, bereits abgeschlossen. Das erwähnte Beleuchtungskonzept sieht u. a. auch die Umstellung auf stromsparende LED-Lampen vor, ganz im Sinne des e5-Gemeindeprogramms für Klimaschutz und Energieeffizienz, an dem Radstadt teilnimmt. Durch verschiedenste Maßnahmen können dabei bis zu fünf „e“- Auszeichnungen erreicht werden. Radstadt hält momentan bei drei, da jedoch zahlreiche weitere Projekte angedacht sind, z. B. eine E-Tankstelle für PKW, ist das vierte „e“ wohl nicht mehr weit.

Fotos: Karl