Wer Vermögen hat, muss deshalb nicht reich sein!

Einher geht das sichtbare Vermögen mit einer der größten Untugenden im Bezirk – dem Neid! Es gibt wohl kaum eine größere Genugtuung, als jemanden aus der Sphäre der gelebten Träume auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Buchhalterisch stellt sich das relativ einfach dar: Weist die Bilanz bei den Aktiva ein Vermögen für Gebäude von 1.000.000 Euro aus, steht in den Passiva, woher das Geld stammt. Wenn davon 950.000 Euro Fremdkapital wie Bankkredite sind, gehören einem gerade mal 50.000 Euro.


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Bei einem Häuslbauer ist es das Gleiche wie bei einem Unternehmen. Dieser hat ein Haus und auf der anderen Seite in der Regel eine Menge Schulden. In den letzten 60 Jahren hat man bewusst den Neid immer als politisches Mittel eingesetzt, bis sich dieser Gedanke in den Köpfen festgesetzt hatte: „Wir holen das zurück, was euch genommen wurde!“ Mit Argusaugen begann die Beobachtung der Nachbarn und der selbstständigen Unternehmer. Wie groß ist das Haus? Steht ein neues Auto vor der Tür? Wohin ging die letzte Urlaubsreise? Kaum erspähte man etwas, meldete sich die innere Stimme namens Neid mit ein paar „guten“ Ratschlägen. Viele zogen sich zurück, wo früher gegenseitige Hilfe oder Kommunikation war. Es ist eine Art Liebesentzug, welcher die Gesellschaft täglich ärmer macht. Neid – jeder kennt dieses Gefühl, entweder, weil man es selbst gespürt hat oder weil man von anderen damit konfrontiert worden ist.

Doch Neid und Missgunst entstehen unter fadenscheinigen Gründen und sind meist ein Ausdruck von tiefer liegenden Problemen. Der Neider nimmt wahr, was andere haben und er nicht hat und geht automatisch davon aus, dass andere daher glücklicher und zufriedener sein müssten als er selbst. Viele Menschen, die von Neid und Missgunst geplagt werden, fangen außerdem an aufzurechnen und versuchen zu bewerten, ob der andere sein Glück mit Geld, Frauen oder der Arbeit wirklich verdient. Einige Betriebe, die man als Institution bezeichnen konnte, haben in den letzten Wochen leider aufgeben.

Das Café Mitter in Liezen oder das seit über 150 Jahren bestehende Kaufhaus Köstler in Bad Mitterndorf, um nur zwei zu nennen. Sie waren reich an Arbeitsstunden, finanziellem Risiko und Hoffnung für die Angestellten. Daher schließe ich mit Demosthenes: „Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahrhaben möchte, hält er auch für wahr.“

Christian Wohlmuther
Kleiderarchitekt und Gesellschafter der LBN