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Wohlverdienter Ruhestand für eine Bierführer-Legende

Mehr als drei Jahrzehnte hat Dieter Wieser Gastronomen in Österreichs größtem Bezirk beliefert, im Juni hatte er seinen letzten Arbeitstag. Wir haben den Lassinger zum Interview gebeten.

„Du schreibst mit der linken Hand, ich weiß eh warum“, eröffnet der Neo-Pensionist das Gespräch: „Damit du keine Rechtschreibfehler machen kannst!“ Bezeichnend für den Lassinger, der, so sein Chef Heinz-Josef Schrottshammer, jeden Tag mit zumindest einem neuen Witz für gute Stimmung in der Firma gesorgt hat und mit seiner ruhigen und zuverlässigen Art außerdem ein unglaublich wertvoller Mitarbeiter war.

Dieter, wie viele Jahre warst du nun genau als Gastro-Lieferant im Bezirk unterwegs?

Seit 1981, also seit 36 Jahren. Die ersten vier Jahre mit Gas, dann habe ich bei der Firma Tatschl als Getränkelieferant angefangen. Von 2011 bis zum heutigen Tag war ich dann für die Firma Schrottshammer tätig.

Nach so vielen Jahren kennt dich wahrscheinlich jeder Wirt im Bezirk, oder?

Ja, ich glaube, das kann man schon so sagen. Ich bin eigentlich fast überall im Bezirk gewesen, nur nach Wildalpen bin ich nicht gekommen. Es gibt auch Wirte, die ich von klein auf kenne und die mittlerweile den Betrieb übernommen haben. Ich kenne übrigens auch den Heinz (Anm.: Schrottshammer) von ganz klein auf, weil ich früher auch das Gasthaus der Familie mit Gas beliefert habe.

Du hast ja früher für die Firma Tatschl in einer Region, in der bevorzugt Gösser getrunken wird, Biersorten wie Zipfer verkauft. Wie war das?

Das war nicht leicht, aber es gab einen Wirt, den Schernthaner vom Gasthof Stralz’n in Öblarn, der gesagt hat, er möchte ein anderes Bier haben und dann Zipfer ausprobiert hat. Der nächste größere Wirt, der ein anderes Bier wollte, war dann der Pohn Alfred von der Knödl-Alm mit dem Wieselburger. Und die erste Kaiser-Wirtin war die Hirschenwirtin in Liezen, die Hirschn-Heidi.

Heute wird bei uns aber hauptsächlich Gösser getrunken.

Stimmt. Aber früher, als die Brau AG und die Steirerbrau AG (Anm.: Zipfer, Wieselburger Kaiser u. a. bzw. Gösser, Reininghaus und Puntigamer) noch getrennt waren, war das anders. Mit dem Zusammenschluss zur Brau Union hat es dann bei uns von einem Tag auf den anderen fast nur noch Gösser gegeben.

Bei der Firma Schrottshammer kennt man dich ja als „Didi“, aber sehr vielen bist du nur als „Gigi“ bekannt. Woher kommt dieser Spitzname?

Als wir unseren ersten Fernseher bekommen haben – ich war damals sechs, sieben Jahre alt – lief eine Operette mit dem Titel „Die Gigerln von Wien“. Und die Gigerln, die sind so komisch herumgehüpft, was mir recht gefallen hat. Mein Bruder hat deshalb „Gigi“ zu mir gesagt. Und das ist geblieben.

Wird dir die Arbeit abgehen, jetzt, wo du in Pension gehst?

Es ist eine körperlich sehr schwere Arbeit, von dem her nicht. Aber die Kollegen und Kunden schon. Was mich gefreut hat ist, dass mir viele Kunden gesagt haben, dass es schade ist, dass ich jetzt nicht mehr komme. Von einigen habe ich sogar kleine Geschenke erhalten. Ein Tipp für alle mit Kreuzschmerzen: Seit ich mir den Atlas (Anm.: der erste Halswirbel) korrigieren lassen habe, sind die Schmerzen weg.

Gibt es schon Pläne für die Zeit nach der Berufstätigkeit?

Zuerst einmal relaxen, den Körper wieder auf Vordermann bringen, und dann hab ich eh zu Hause genug zu tun. Da mache ich mir aber keinen Stress, das hab ich mir zumindest vorgenommen. Und wenn mir einfällt, dass ich irgendwo hin will, dann steige ich einfach ins Auto und fahre los.

Foto: Karl

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