Zurück zu den Wurzeln

In einer Welt, in der die Herkunft unserer Lebensmittel immer intransparenter wird, in der das Wort „bio“ längst nicht mehr das bedeutet, was unsere Großeltern unter dem Anbau im eigenen Garten verstanden haben, bildet sich ein fruchtbarer Nährboden für junge heimische Startups als Nah- bzw. Direktversorger.

Das Bewusstsein für die Herkunft unserer Lebensmittel wächst. Zu präsent ist das Angebot an Mais aus dem Senegal, Zwiebeln aus Ägypten und Äpfeln aus Neuseeland, als dass man es noch ignorieren könnte. Zu groß ist mittlerweile in Teilen der Bevölkerung auch der Wunsch nach einer ausgewogenen, gesunden Ernährung, ohne dabei Umwelt, Tier oder Mensch auszubeuten. V. a. die Jugend schaut genauer, wo das, was auf den Teller kommt, seinen Ursprung hat. Aus diesen Gründen entstehen gerade interessante Start-ups, die traditionelle landwirtschaftliche Praxis mit den Vorteilen unserer digitalisierten Welt kombinieren. Ein interessantes Beispiel ist myacker.com. Diese Plattform bietet die Möglichkeit, seinen eigenen Gemüsegarten anzulegen, und via Tablet oder Smartphone zu pflegen.

Man „mietet“ Gartenflächen in drei verschiedenen Größen und entscheidet selbst, was gepflanzt wird. Mit modernster Technik gesteuert, kann man online verfolgen, was im eigenen Garten passiert, ihn pflegen und ernten. Entscheidet man sich zu ernten, wird umweltfreundlich verpackt und CO2-neutral auf schnellstem Wege in ganz Österreich zugestellt. Auch am Fleischsektor gibt es ähnliche Angebote, die die Produzenten direkt mit den Endkunden vernetzen. Diese Entwicklung zurück zu den Wurzeln schafft Märkte und Chancen für junge Gründer und v. a. Landwirte, die so eine Möglichkeit bekommen, dem immensen Preisdruck des Großhandels zu entfliehen. Dieses Umdenken ist im Prinzip die digitalisierte Form von „Geh nicht fort, kauf im Ort“, nur dass der Ort in diesem Fall durch die Digitalisierung vom eigenen Standort entkoppelt ist. Die Entscheidung aber, ob man Äpfel aus Neuseeland oder dem steirischen Apfelland kauft, ägyptische Zwiebeln ersteht oder doch lieber selbst die digitale Harke zum Einsatz bringt, liegt beim Endverbraucher. Der Umwelt, der heimischen Landwirtschaft und dem eigenen Körper zuliebe fällt die Wahl immer öfter auf zweitere Option.

Josef Deisl
Geschäftsführer DEISL Holzstudio und DEISL Sauna & Wellness
Gesellschafter der LBN

Foto: DEISL.COM


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