Weltmilchtag: „Wer unsere Bauern erhalten will, muss regional kaufen“
Milch ist eines der wertvollsten Lebensmittel, das wir in unserer Region produzieren. Gleichzeitig steht die heimische Milchwirtschaft derzeit unter enormem Druck. Anlässlich des Weltmilchtages am 1. Juni machten Vertreter der Landwirtschaft, der Ennstalmilch und bäuerliche Betriebe bei einer Pressekonferenz deutlich: Ohne bewusste Entscheidungen der Konsumenten wird sich das Höfesterben weiter beschleunigen.
„Eine schöne Natur ist ein Koppelprodukt einer intakten Landwirtschaft“, betonte Kammerobmann Peter Kettner. Die Bauern seien es, die täglich die Kulturlandschaft pflegen – 365 Tage im Jahr. Doch immer mehr Betriebe stoßen an ihre Grenzen. „Die Tiere brauchen ständig Betreuung. Gleichzeitig erleben wir einen rasanten Strukturwandel, der viele Familien an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringen“, so Kettner. Besonders problematisch sei die starke Schwankung des Milchpreises. Andreas Radlingmaier und Klemens Hartl von der Landgenossenschaft Ennstal sprachen von einer enormen Volatilität am Markt. „Diese Unsicherheit geht irgendwann auch auf die Psyche“, schilderte Radlingmaier. Aktuell liege der Milchpreis bei rund 44 Cent pro Liter plus Biozuschlag. Eine Erholung werde frühestens gegen Ende des Jahres erwartet.
Während die produzierte Milchmenge steigt, sinkt die Zahl der Milchbauern drastisch. Hatten wir vor 30 Jahren noch rund 1.500 Lieferanten, sind es heute nur noch etwa 580 Betriebe. Viele Bauernfamilien stellen sich die Frage, ob sie wirklich in eine kostspielige Modernisierung investieren sollen.
Die billigste Milch kostet am Ende die Heimat
Die österreichischen Milchprodukte gelten europaweit als Qualitätsmaßstab. Hohe Tierwohlstandards, AMA-Gütesiegel und streng kontrollierte Produktionsbedingungen verursachen zwar höhere Kosten, sorgen aber gleichzeitig für Sicherheit und Qualität. „Die Konsumenten wollen wissen, was sie ihren Kindern geben“, sagt Milchbäuerin Dipl.-Ing. Rita Kapp. „Unsere Milch ist frei von Hormonen – das ist ein gutes Gefühl.“
Einigkeit herrschte bei allen Gesprächspartnern über die Bedeutung des bewussten Konsums. Wer regionale Produkte kauft, sichere nicht nur Arbeitsplätze und bäuerliche Existenzen, sondern auch die Bewirtschaftung der heimischen Flächen und den Erhalt der Kulturlandschaft. Der Weltmilchtag macht somit auf eines aufmerksam: Milch ist nicht einfach ein Produkt im Kühlregal. Sie ist der Geruch frisch gemähter Wiesen, das Läuten der Glocken auf den Almen, harte Arbeit an 365 Tagen im Jahr und das Gesicht jener Menschen, die unsere Landschaft lebendig halten. Wer zur billigsten Milch greift, spart vielleicht ein paar Cent – verliert dabei aber nach und nach ein Stück Heimat.
Foto v. l. n. r.: BKR Peter Kettner - Kammerobmann, DI Rita Kapp - Bezirksbäuerin, ÖR Andreas Radlingmaier und Klemens Hartl - Aufsichtsratsvorsitzende der Landgenossenschaft Ennstal
Foto: Christian König