Altaussee: Salz im Sandling, Sommerfrische am See

Die Gemeinde am malerischen Altausseer See hat eine bewegte Vergangenheit, geprägt vom Salzabbau und dem Fremdenverkehr. Letzterer sorgt bis heute für klingelnde Kassen, aber auch für Diskussion. Die aktuellen Hotelpläne von Hannes Androsch treffen im Luftkurort nicht nur auf Zustimmung.


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Die Salzkammergutgemeinde Altaussee erstreckt sich über etwas mehr als 92 Quadratkilometer, von denen rund die Hälfte im alpinen Ödland des Toten Gebirges liegt. In den fünf Ortschaften Altaussee, Fischerndorf, Puchen, Lichtersberg und Lupitsch leben etwas mehr als 1.850 Einwohner mit Hauptwohnsitz, hinzu kommt eine nicht unbeträchtliche Zahl an Zweitwohnsitzen.

Blick über den Altausseer See auf den am Westufer gelegenen Ort. Im Hintergrund thront der imposante Loser, der Hausberg von Altaussee, rechts davon prägt die steil abfallende Trisselwand die Kulisse.

Bürgermeister ist seit 2015 Gerald Loitzl (ÖVP), der dem bei landwirtschaftlichen Arbeiten tragisch verunglückten Herbert Pichler im Amt nachfolgte. Pichler war es 2010 gelungen, die traditionell rote Gemeinde schwarz umzufärben.

Geschichte: Salz und Sommerfrische

Altsteinzeitliche sowie bronze- und eisenzeitliche Funde auf Grundlseer bzw. Bad Ausseer Gemeindegebiet lassen zwar auch auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Altaussee menschliche Anwesenheit bzw. Siedlungstätigkeit in vorchristlicher Zeit vermuten, die ersten archäologischen Spuren datieren aber aus dem Zeitraum Ende 2. bis spätes 4. Jahrhundert n. Chr.

Am Michlhallberg wurde 1993 eine vermutlich mit dem Abbau von Salz in Verbindung stehende Römerstation entdeckt, Ausgrabungen förderten zahlreiche Funde wie Fibeln, Werkzeuge und Münzen zutage. Die nächste nachweisbare – nämlich etymologisch – Bevölkerungsgruppe in Altaussee waren die Slawen, die nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reichs und den Wirren der Völkerwanderung ab dem Jahr 600 große Teile der Steiermark besiedelten. Aussee, Lupitsch und etliche andere Toponyme sind höchstwahrscheinlich slawischen Ursprungs. Ab ca. 800 setzte eine starke bairische Zuwanderung ein.

Die markante Felsformation des Loserfensters ist ein beliebtes Fotomotiv.

Die germanischsprachigen Neusiedler assimilierten die Slawen nach und nach. 1147 wurde der Salzabbau in Altaussee, das zu dieser Zeit zur steirisch-landesfürstlichen Herrschaft Grauscharn-Pürgg gehörte, erstmals urkundlich erwähnt. Mitte des 13. Jahrhunderts besetzte der Salzburger Erzbischof das Ausseerland und errichtete westlich von Altaussee Burg Pflindsberg. Seine Herrschaft währte aber nur wenige Jahre, dann fiel das Gebiet wieder an die Steiermark zurück. 1265 wurde der Ort als Aussee interior, also ,Inneres Aussee’, erwähnt, 1393 tauchte erstmals die Namensform Altaussee auf, und zwar in der Schreibweise Alt Awssee. Die Erklärung für das Präfix „Alt-“ ist, dass Aussee zunächst wahrscheinlich nicht das Siedlungsgebiet des heutigen Bad Aussees, sondern jenes von Altaussee bezeichnete. Im 16. Jahrhundert fielen wie im gesamten Salzkammergut auch in Altaussee die Lehren Martin Luthers auf äußerst fruchtbaren Boden, ab 1599 setzte eine Rekatholisierungskommission gewaltsam die Gegenreformation durch. Von größeren kriegerischen Auseinandersetzungen wie den Bauernaufständen des 16. Jahrhunderts oder den Schlachten des von 1618 bis 1648 weite Teile von Europa verheerenden Dreißigjährigen Kriegs blieb das Ausseerland verschont.

Das 1971 verliehene Gemeindewappen zeigt im Schildfuß Schlägel und Eisen, die auf den Salzabbau hinweisen, die Schale mit dem Springquell steht für die heilkräftige Sole, die vorherrschende blaue Farbe für den Altausseer See. Der Berg stilisiert die Silhouette des Losers, deutet aber auch die als Ruine erhaltene Burg Pflindsberg an.

Im Zuge der Napoleonischen Kriege marschierten zu Beginn des 19. Jahrhunderts mehrmals französische Truppenverbände durch das Gebiet, aber es kam zu keinen Kampfhandlungen. Speziell in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte eine Entwicklung ein, die Altaussee bis heute prägt, nämlich der Fremdenverkehr. Der Tourismus löste den Bergbau zunehmend als wichtigsten Wirtschaftsfaktor ab. Vertreter der Wiener Gesellschaft, Literaten wie Arthur Schnitzler, Komponisten wie Johannes Brahms u. a. m. strömten zur Sommerfrische in den Ort am Fuße des Losers. Entscheidend für die touristische Entwicklung des Ausseerlands und auch für Altaussee war die verkehrstechnische Erschließung durch die Kronprinz-Rudolf-Bahn, die 1877 eröffnet wurde. In krassem Gegensatz zur fröhlichen Sommerfrische am See steht das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus.

Nach dem Anschluss an Hitler-Deutschland wurde das Ausseerland in die Verwaltungseinheit Oberdonau eingegliedert, in Altaussee wurden zahlreiche Villen in jüdischem Besitz arisiert. Speziell gegen Kriegsende wurde der Ort zu einem wahren Tummelplatz hochrangiger Nazis, unter ihnen beispielsweise Holocaust-Organisator Adolf Eichmann, die sich in großer Zahl in die als Alpenfestung propagierte Gegend zurückzogen. Am 8. Mai 1945, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation des Dritten Reichs, erreichten die Amerikaner als erste Besatzungsmacht das Ausseerland, das 1948 wieder zurück zur Steiermark kam. Altaussee war jedoch nicht nur Nazi-Zuflucht, sondern auch Ort des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, man denke etwa an Maria Haim, vulgo Kössler, die 1938 als einzige Person im Ort gegen den Anschluss an Hitler-Deutschland stimmte und als „Neinstimme“ bekannt wurde, oder an jene mutigen Bergleute, die in den Stollen des Altausseer Salzbergwerks gelagerte Kunstwerke im Wert von mehreren Milliarden Dollar – darunter Gemälde von Michelangelo, Rubens und Rembrandt – vor der Zerstörung bewahrten. Außerdem versteckten sich im unzugänglichen Toten Gebirge mit Unterstützung aus der Bevölkerung Widerstandskämpfer, Wehrdienstverweigerer und Wehrmachtsdeserteure. In den Jahren nach dem Krieg investierte die Gemeinde Altaussee große Summen in die Infrastruktur, v. a. in die touristische, und legte damit den Grundstein dafür, dass man zu einer der touristisch stärksten Gemeinden im Bezirk Liezen wurde.

Maria Haim, die „Neinstimme“ von Altaussee, die 1938 als einzige im Ort gegen den Anschluss an Hitler-Deutschland stimmte, ist am Familiengrab nicht angeführt.

Im Tourismusjahr 2018 verzeichnete die Gemeinde über 170.000 Nächtigungen. Wie in der gesamten Tourismusregion Ausseerland- Salzkammergut ist auch in Altaussee, einem Ort mit langer Sommerfrischetradition, bis heute das Sommerhalbjahr tendenziell etwas stärker als das Winterhalbjahr.

Kritik an Androsch-Hotelplänen

Für Diskussionen sorgt in der Gemeinde derzeit ein Vorhaben des Wahl-Altausseers Hannes Androsch, der am sogenannten Kremenetzky-Areal in Fischerndorf ein zweites, sport(ler)orientiertes Vivamayr-Hotel errichten möchte. In einem offenen Brief äußerte die Linzer Architekturhistorikerin Edith Friedl ihre Bedenken diesbezüglich. Sie befürchtet, dass die über 100 Jahre alte Villa im typischen Ausseer Stil und der schöne Park mit seinem alten Baumbestand „unwiederbringlich zubetoniert“ werden. Altaussees Bürgermeister Gerald Loitzl hat wenig Verständnis für die Bedenken von Friedl: „Bei allem Verständnis für Kritik, aber es gibt noch nicht einmal einen Plan, also kann man auch nichts kritisieren.“ Er sei sich sicher, dass das Hotel dem Altausseer Ortsbild angepasst umgesetzt werden kann und auch wird. Es habe, so Loitzl, in diese Richtung schon Gespräche mit dem Projektwerber gegeben, dem bewusst sei, dass das eine ganz sensible Sache sei. Auch die Parkanlage soll zu einem großen Teil erhalten bleiben. „Durch das Gesundheitsangebot des Vivamayr- Hotels am See haben wir zusätzliche Gäste gewonnen und ich bin der Meinung, dass Altaussee noch ein zweites Haus in dieser Form brauchen kann.“ Überdies, ergänzt der Bürgermeister, würde das neue Hotel natürlich wichtige Arbeitsplätze und weitere positive Begleiterscheinungen für die Gemeinde wie zusätzliche Kommunalsteuereinnahmen bringen.

Die Kremenetzky-Villa in Fischerndorf: Nicht gänzlich unumstritten, ist hier die Errichtung eines zweiten Vivamayr-Hotels in der Gemeinde geplant.

Zufahrtsstraße Pötschen-Loser

Ein für Altaussee wichtiges Projekt, nämlich die Zufahrtsstraße vom Pötschen zum Loser, nimmt heuer Fahrt auf. Im Herbst des Vorjahres erfolgte die finanzielle Unterstützungszusage des Landes, was die Inangriffnahme der Planung ermöglichte. Loitzl: „Wir sind gerade dabei, mit den Fachleuten eine erste Kosteneinschätzung vorzunehmen und eine mögliche Trassierung zu finden. Jetzt sind erst einmal die Geologen und in weiterer Folge natürlich die Verantwortlichen vom Naturschutz am Zug. Die Grundbesitzer sind von mir schon vorinformiert worden, es hat aber noch keine Verhandlungen gegeben.

Bürgermeister Gerald Loitzl kann den Hotelplänen von Hannes Androsch am sogenannten Kremenetzky-Areal nur Positives abgewinnen: „Es ist mir lieber, wenn wir dort ein Hotel haben, das Arbeitsplätze bringt, als eine Villa, in der Jahr und Tag kein Licht brennt.“

Ich rechne nicht damit, dass wir vor dem Jahr 2020 mit baulichen Maßnahmen beginnen.“ Die Zufahrtsstraße Pötschen- Loser soll in erster Linie das verkehrsgeplagte Ortszentrum entlasten und ein Minus an Emissionen und Lärm sowie ein Plus an Verkehrssicherheit bringen. Loser-Tagesgäste, Busse, Holztransporte der Bundesforste, Versatztransporte der Salinen etc. sollen in naher Zukunft die Zufahrtsstraße benutzen. Außerdem, führt der Bürgermeister aus, würde die Pötschen- Loser-Straße auch die Parkplatzsituation entschärfen. Sind die Parkplätze voll, könnten Gäste, ohne durch den Ort fahren zu müssen, zur Losermaut umgeleitet werden und von dort mittels Shuttledienst nach Altaussee gebracht werden.

Kulturhauptstadt 2024?

Gemeinsam mit Bad Ischl hat sich die Region Salzkammergut und damit auch Altaussee bekanntlich um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2024 beworben. Die Konkurrenz: St. Pölten und Dornbirn mit Feldkirch, Hohenems und der Region Bregenzer Wald. Die Entscheidung fällt 2019 und Loitzl ist optimistisch gestimmt: „Ich glaube, dass wir sehr gute Chancen haben. Das ist auch von der Jury schon so angedeutet worden.“ Die Ernennung zur Kulturhauptstadt, so der Bürgermeister, „wäre für die ganze Region, nicht nur für Altaussee, eine ganz wichtige Geschichte!“

Fotos: Steiermark Tourismus/Wolfgang Weinhäupl, Karl, Gemeinde Altaussee