Sattelfest durchs güne Herz
Die Steiermark lässt sich aus jedem Blickwinkel schön erkunden, aber von einem Radsattel aus sieht man unweigerlich am meisten. Vom hochalpinen Ursprung der Mur bis zu den sanften Weinbergen der Südsteiermark, von wilden Nationalpark-Landschaften bis zu genussvollen Thermenregionen haben wir in der Steiermark ideale Bedingungen für Radfahrer aller Art.
Radfahren hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten touristischen Säulen der Steiermark entwickelt. Neben Wander-, Natur-, Wellness- und Erholungsurlaub zählt der Radurlaub längst zu den beliebtesten Sommerurlaubsarten. Gleichzeitig wächst das Potenzial, das Fahrradfahren zu einer Ganzjahresaktivität für Einheimische und Gäste auszubauen. Entscheidend dafür sind sichere und attraktive Wege, eine verlässliche Orientierung sowie ein modernes digitales Tourennetz.
Seit 2021 arbeitet die Steiermark daher an einer umfassenden Vereinheitlichung der Beschilderung und digitalen Aufbereitung des gesamten Radangebotes. Seit 2024 wird dieses neue Konzept Schritt für Schritt umgesetzt. Mehr als 14.000 touristisch relevante Objekte wurden über die Contwise Infra App steiermarkweit erfasst und über 4.000 neue Schilder nach neuem Beschilderungskonzept in drei Farben aufgestellt: Freizeitradweg (grün), Mountainbike-/Gravelbike-Strecke (rot), Mountainbike-Trails (gelb).
Auch bei den Unterkünften hat sich die Steiermark bestens auf Radurlauber eingestellt. Rund 180 zertifizierte Bett+Bike-Unterkünfte liegen entlang der Radrouten. Die speziell auf Radfahrer abgestimmten Gastgeber bieten sichere Abstellplätze, Trockenräume, Werkzeug für kleine Reparaturen und ein kräftigendes Radlerfrühstück. Vom familiengeführten Gasthof über charmante Pensionen bis zum Wellnesshotel oder Campingplatz finden Radfahrer überall passende Übernachtungsmöglichkeiten.
Murradweg
Mit dem Fahrrad vor der historischer Kulisse von Murau. (Foto: Steiermark Tourismus / Martin Kubanek)Zu den absoluten Klassikern zählt der 361 Kilometer lange Murradweg, der als einer der abwechslungsreichsten Flussradwege Europas gilt. Von den Hohen Tauern bis ins südsteirische Weinland begleitet er den zweitgrößten Fluss Österreichs durch die gesamte Steiermark und verbindet alpine Natur, historische Städte und kulinarischen Genuss auf einzigartige Weise. Ausgangspunkt ist die Sticklerhütte im Nationalpark Hohe Tauern. Anfangs prägen Almen, Wälder und kleine Gebirgsbäche das Landschaftsbild. Bald folgen die ersten historischen Städte wie Murau, Judenburg oder Bruck an der Mur, mit mittelalterlichem Flair, Museen und kulturellen Sehenswürdigkeiten. Über Spielberg mit dem Red Bull Ring und Frohnleiten erreicht man über den Radweg Graz. Über Leibnitz führt der Weg bis nach Bad Radkersburg und weiter nach Slowenien und Kroatien, wo die Mur schließlich in die Drau mündet.
Ennsradweg
Erfrischende Pause am Ennsradweg: Beim
Strandabschnitt an der Enns nahe dem
Weidendom im Gesäuse wagen Hartgesottene gerne den Sprung ins kalte Nass. (Foto: STG | Ute Hödl)Der Ennsradweg hat etwas Abenteuerliches an sich: Die Reise führt durch die Nationalparks Gesäuse und Kalkalpen bis nach Steyr und Enns, die älteste Stadt Österreichs. Der 263 km lange Radweg, der den Fluss begleitet und in Flachauwinkl beginnt, führt anfangs durch verträumte Dörfer, vorbei an Almen und Bergseen – immer mit Blick auf den Dachstein. Gemütlich geht es dann in Richtung Radstadt und Schladming. Weiter durch das Ennstal geht es vorbei am Grimming. Am Eingang zum Gesäuse ändert sich der Charakter der Flusslandschaft schlagartig. Die wilde Enns mit ihrem tosenden Wasser ist nun Wegbegleiterin auf den nächsten Kilometern. Immer wieder gibt es spannende Möglichkeiten für Zwischenstopps beim Nationalpark Erlebniszentrum Weidendom in Gstatterboden mit dem begehbaren ökologischen Fußabdruck oder das Nationalpark-Besucherzentrum in Reichraming. Nach dem Gesäuse wir der Streckenverlauf – und auch die Enns – mehr und mehr sanfter.
Von der steirisch-oberösterreichischen Landesgrenze geht es durch den Nationalpark Kalkalpen Richtung Steyr. Am malerischen Zusammenfluss von Enns und Steyr gelegen, ist die Stadt ein Architekturjuwel. Motivierte können in Enns schließlich auf den Donauradweg Richtung Passau oder Wien wechseln.
Eisenstraßenradweg
Über die Murbrücke vorbei am unverwechselbaren
Schwammerlturm in der Altstadt von Leoben. (Foto: TV Leoben/ www.sabrinastummer.at)Der Eisenstraßenradweg R38 verbindet die Erlebnisregion Erzberg-Leoben mit dem Gesäuse und schlägt gleichzeitig die Brücke zwischen Ennsradweg und Murradweg. Die Strecke führt von Leoben über Trofaiach und Vordernberg bis nach Eisenerz und weiter nach Hieflau. Besonders reizvoll macht diesen Radweg seine Verbindung aus Natur und Industriegeschichte. Entlang der historischen Eisenstraße erfahren Radfahrer viel über die jahrhundertelange Bedeutung des Erzbergs und der Eisenproduktion für die gesamte Region. Mit dem Präbichl wartet zudem ein sportlicher Anstieg, der vor allem ambitionierte Radfahrer anspricht. Gleichzeitig eröffnet die Strecke immer wieder eindrucksvolle Blicke auf die imposante Bergwelt im Gesäuse. Der R 38 ist durchgehend beschildert und fast durchgehend ein von der Straße getrennt – ausgenommen die Präbichlstraße bis Hieflau.
Radpilgern bis Mariazell
Die bewusste Entschleunigung beim Radpilgern nach Mariazell erfreut sich wachsender Beliebtheit. (Foto: Roman Koenigshofer Photographyr)Radfahren kann weit mehr sein als sportliche Betätigung – in der Hochsteiermark wird es zur Reise zu sich selbst. Vier ausgewählte Radpilgerwege führen durch stille Täler, über aussichtsreiche Almen und durch traditionsreiche Orte in Richtung Mariazell.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht Geschwindigkeit, sondern bewusstes Unterwegssein. Schritt für Schritt beziehungsweise Pedaltritt für Pedaltritt entsteht eine besondere Verbindung zwischen Bewegung, Natur und innerer Ruhe. Die Wege führen vorbei an Hochschwab, Rax und Hoher Veitsch und eröffnen dabei beeindruckende Panoramablicke. Ob vom Steirischen Semmering, aus den Fischbacher Alpen oder entlang bestehender Radwege – jede Route besitzt ihren eigenen Charakter. Gemeinsam haben sie jedoch das Ziel Mariazell, einen der bedeutendsten Wallfahrtsorte Österreichs. Das Radpilgern verbindet körperliche Aktivität mit Entschleunigung und spricht damit immer mehr Menschen an, die Erholung abseits des hektischen Alltags suchen.
Genussradeln im Thermen- & Vulkanland
Radlertreff bei 1000-jährigen Eiche
bei Bad Blumau (Foto: TG | Herbert Raffalt)Unter dem Motto „Bike & Spa“ verbindet man im Thermen- & Vulkanland entspanntes Radfahren mit Wellness und Kulinarik. Rund 6.000 Kilometer markierte Radwege führen durch die sanfte Hügellandschaften. Die Kombi aus Bewegung und Erholung ist beliebt. Gleich sechs Thermen liegen direkt an den Routen oder nur wenige Kilometer davon entfernt. Nach einem Tag im Sattel warten warmes Thermalwasser, regionale Spezialitäten und entspannte Abende in den Thermenorten. Gemeinsam mit den slowenischen Nachbarregionen entstand zudem ein grenzüberschreitendes Netzwerk aus zwölf Thermen. ◻
Alle Details zu den Radwegen im grünen Herz Österreichs finden Sie auf der Website von Steiermark-Tourismus unter "Radfahren in der Steiermark".