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Fausto Iscaro und Lebenspartnerin Silvia (Foto: Petra Schuster)
| Menschen

Tutto passione – Kulinarik aus dem Süden Italiens direkt vorm Grimming


Ein feiner, unverwechselbarer Duft mediterraner Zutaten mischt sich in die klare Bergluft. Die untergehende Sonne zeigt sich noch einmal, indem sie sich satt zwischen dem von dezenten Abendwolken geschmückten Grimming und seinem nördlichen Fels-Kollegen hervorschiebt. Ein Frühsommerabend am Rande des verträumten Örtchens Pürgg entfaltet seine ganze Pracht auf allen Ebenen und schenkt sämtlichen Sinnen ein Fest.

 Die letzten Gäste des Freibades haben ihre Sachen gepackt und treten die Heimreise an. Ruhig wird es jetzt auf knapp 900 Metern Seehöhe. Sehr ruhig. Nur das Plätschern des Wassers in den Becken schenkt der Vielfalt an diesem einmaligen Ort noch ein besonderes Flair: etwas Meditatives.

Fausto Iscaro bringt den Geschmack Italiens nach Pürgg.Fausto Iscaro betreibt seit Mai dieses Jahres das Restaurant des Freibads in Pürgg. Lange hat die Gelegenheit auf den Süditaliener gewartet. Jetzt darf sich ein echtes Stück Steiermark über die unvergleichliche Leidenschaft des Wahl-Ennstalers und auf sein Wirken freuen. Vor rund 40 Jahren hat die Reise in die Welt der Kulinarik für den damals 12-Jährigen begonnen. Während seine Mama sich um die Geschicke der Familie gekümmert hat, entwickelte Fausto eine besondere Hingabe für das Kochen. Einkaufen und Vorbereiten zählten zu den ersten Aufgaben, die der Junge damals ganz von sich aus erledigt hat. Und das war keine Kleinigkeit, denn die nächste sinnvolle Möglichkeit, die Zutaten für das Essen zu erstehen, bot sich in neun Kilometern Entfernung. Ein recht anspruchsvolles „Stück Weg“ für einen so kleinen Menschen, den er mit der Hilfe von Familie, Nachbarn oder auch einem kurzen „Autostopp“ völlig autark zurücklegte. Zuhause wurden dann nicht nur Lebensmittel ausgepackt, es wurde eine Form der Erfahrung, des Zusehens, des Nachahmens entwickelt.
Sowohl Eltern und Großeltern als auch Geschwister kamen mehr und mehr in den Genuss der Kochkunst des jungen Familienmitgliedes und förderten sie. Rezepte wurden in ihre Einzelheiten zerlegt, Zubereitungsvorgänge erläutert. Der Vorgang des Trocknens diverser Früchte und Gemüse beobachtete der Junge genauestens und wiederholte diese Kunst. „Die Sonne Italiens und die spürbare Qualität des selbst angebauten Gemüses ergeben eine ganz magische Kombination“, entführt Fausto Iscaro seine Zuhörer an diesem wunderbaren Sommerabend gedanklich zurück in seine Ursprungsheimat. „Das sind langwierige Prozesse, um dann mit einem unverwechselbar-intensiven Produkt arbeiten zu können. Gerade, weil die sonnengereiften Früchte und Gemüse so geschmacksintensiv sind, haben schon unsere Vorfahren die Kunst entwickelt, diesen Geschmack in aufwändigen Trocknungs- und Haltbarkeitsverfahren ganz erlebbar zu machen“, erzählt der Italiener von dem überlieferten Wissen um die höchste Qualität der Produkte aus dem Süden Italiens.
Genuss vor beeindruckender KulisseDieses Wissen spiegelt sich in den Gerichten des leidenschaftlichen Kochs wider. Zwischen Spaghetti al Limone und feinsten Variationen an Meeresfrüchten finden sich Antipasti-Sensationen. Leicht angeschwitzt, damit sein volles Geschmacksvolumen zur Geltung kommt, entfalten sich „Schinken“-Variationen auf dem Antipasti-Teller. „Die Leute sind heutzutage gewohnt, dass man etwas kauft, es im Kühlschank lagert und dann direkt von dort auf den Teller bringt. Aber Qualität braucht etwas Raumtemperatur. Der Geschmack kann sich nicht entfalten, wenn das Produkt in der Kälte lagert und von dort direkt verwertet wird“, erläutert Fausto die Zubereitung eines perfekten süditalienischen Vorspeisen-Angebotes.

Aber nun noch einmal zurück zur Geschichte, wie es denn einen Süditaliener zum Grimming verschlagen hat: Mit dem Erlangen der Volljährigkeit fand Fausto seine Bestimmung in den Gefilden der Gastronomie. Er war viel unterwegs und lernte im Laufe der Zeit die verschiedenen Dienstleistungsbereiche der gastronomischen Kultur Italiens und weit darüber hinaus kennen. Und wie das Leben manchmal so spielt, inkludierte diese Reise auch ein Kennenlernen seiner Lebenspartnerin Silvia. Die beiden begegneten sich in einem Lokal in Italien. Glasklare Sache. Der beiderseitigen Empathie folgten Jahre des „Pendelns“. 1.200 Kilometer einfache Strecke, 1.200 Kilometer einfach Liebe. Und der Weg dieser Liebe hat die beiden mit dem heurigen Jahr mit einer wunderbaren Aufgabe nach Pürgg geführt.

Dolce Vista

dolceDie süße Aussicht. Und damit ist definitiv nicht nur die Aussicht auf den unvergleichlichen Grimming gemeint, sondern die Aussicht auf ehrliche Gastfreundschaft, die Aussicht auf ehrliche Zutaten, ehrlich italienisches Essen und auch die Ehrlichkeit im Handeln. Man kann sich hier auf authentische Küche freuen, auf Italien, außerhalb der bekannten Gerichte. Auf Italien mit Charakter und Leidenschaft, ganz ohne Pizza und mit viel Überraschungseffekt.
Das Dolce Vista hat in der Sommerzeit durchgehend geöffnet. Bietet Badegästen und „Walk-Ins“ eine Vielfalt an süditalienischen Spezialitäten und natürlich lässt sich auch ein flüssiger Auszug mediterraner Erlebnisse für Gaumen und Geist genießen. Silvia und Fausto bieten den Gästen eine stabile Sicherheit, dem Jahreskreis entsprechend ehrlich und „italienisch“ bedient zu werden. Keine erdachten italienischen Standards, sondern Lebensmittel mit Herkunftsgarantie und unvergleichlichem Geschmack. Sie werden regelmäßig aus der Herkunftsregion (Benevento) bezogen und die Speisen werden entsprechend ursprungsecht umgesetzt.

Top-Tipp

Egal ob nach dem Sport, auf ein Eis oder kurz auf einen Absacker. Ein „Sit-In“ im Freibad Pürgg zahlt sich aus. Ruhe, Natur und ein tolles Angebot laden zur Spontanität und zum Verweilen ein. Dem Alltag so fern – dem Grimming so nah.

Das Freibad

Das Freibad Pürgg ist an sich schon unvergleichlich einzigartig. Umgeben von Almwiesen, Bergen und dem bezaubernden Grimmingblick bietet das Bad der Gemeinde Stainach-Pürgg eine familiäre und überschaubare Atmosphäre. Ein Kinderbecken mit Spielemöglichkeiten, ein Schwimmbecken. Viel Ruhe – und ein entsprechend großer Naturraum, um dem Bewegungsdrang freien Lauf zu lassen. Und nicht zuletzt – eine atemberaubende Aussicht auf den Grimming. ◻

 

Text und Fotos: Petra Schuster