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Die Latschenbrennerei auf der Planneralm
| Menschen

Die Ölscheichs von der Planner


Vor drei Jahren haben Ingrid Luidolt und Thomas Lasser-Luidolt die Latschenbrennerei auf der Planneralm übernommen. Auf 1.600 Meter stellen sie eines der letzten echten österreichischen Latschenkieferöle her. Rund um die traditionsreiche Produktion des kostbaren ätherischen Öls haben sie eine Erlebniswelt mit Almjause, Führungen, Fußschaffelbädern, Museum und der höchstgelegenen Naturapotheke Österreichs geschaffen.

Ab 6. Juni starten Ingrid und Thomas
mit der Latschenbrennerei in die
Sommersaison.
 Hinter der rustikalen Holzhütte plätschert ein Bach über die Steine. Kinder treiben kreischend ein Wasserrad an, aus der Stube dringt der Klang einer Ziehharmonika, oder „Quetschn“, wie man hier heroben eher sagt. Zwei verschwitzte Wanderer versenken ihre Füße in Holzschaffln, aus denen es nach Latschenharz duftet und überhaupt riecht die Bergluft hier heroben ein bissl nach heiler Welt. Seit drei Jahren führen Ingrid Luidolt und Thomas Lasser-Luidolt nun die Latschenbrennerei auf der Planneralm. Vorgänger Heinz Lackner, der die Brennerei jahrzehntelang betrieben hat, kam auf sie zu. Kurzerhand entschieden sie sich, das Handwerk der traditionellen Gewinnung dieser besonderen ätherischen Öle, das in Österreich als immaterielles Kulturerbe gilt, weiterzuführen.

0,8 Liter destillierte Alm

In Österreich gibt es heute nur noch drei Betriebe, die selbst Latschenkieferöl herstellen. Ingrid und Thomas ernten ihre Latschen ausschließlich auf der Planneralm, wo die widerstandsfähige Bergkiefer oberhalb der Baumgrenze ideale Bedingungen findet. Rund 60 Prozent des Jahres liegen die Latschen unter Schnee, trotzen eisigen Winden, intensiver Sonne und Lawinen. Diese extremen Bedingungen machen die Pflanze reich an ätherischen Ölen. Geerntet wird händisch und ausschließlich bei trockenem Wetter. Mit Astscheren schneiden Ingrid und Thomas junge Triebe, daumendicke Äste mit Nadeln, Zapfen und hohem Grünanteil. Das Schnittgut wird mit einem knatternden Muli aus dem Jahr 1964 zur Hütte gebracht, wo dann die eigentliche Zauberei beginnt: Die Zweige werden gehäckselt und in einen großen Lärchenholzpottich gefüllt. Bis zu 250 Kilogramm Material passen hinein. Über Stunden wird mittels Holzofen Wasserdampf erzeugt, der durch das Häckselgut geleitet wird. Durch die Hitze lösen sich die ätherischen Öle aus den Zweigen. Das Dampf-Öl-Gemisch wird anschließend gekühlt und verflüssigt. Ganz oben auf dem Hydrolat schwimmt schließlich das kostbare Öl – gerade einmal rund 0,8 Liter nach acht bis zehn Stunden Arbeit. „Wenn man sieht, wie wenig am Ende übrigbleibt, versteht man erst, wie wertvoll dieses Öl ist“, sagen die zwei Alchemisten über die Almessenz.

Uns‘re Berg‘ haben‘s in sich

latschenIngrid und Thomas ernten ihre Latschen ausschließlich auf der Planneralm.Latschenkieferöl gilt seit Jahrhunderten als bewährtes Naturheilmittel. Es wirkt durchblutungsfördernd, entzündungshemmend und schleimlösend, wird bei Muskel- und Gelenksbeschwerden eingesetzt und kommt auch in der Aromatherapie zur Anwendung. Der kräftige Duft soll die Atmung vertiefen, neue Energie schenken und Stress lösen. In der Duftstube der Brennerei können Besucher die Essenz intensiv erschnuppern. Mittlerweile umfasst das Sortiment der Naturapotheke aber auch zahlreiche weitere alpine Produkte – von Arnika- und Ringelblumensalben bis zu Johanniskrautöl und Lärchenharz-Produkten. Produziert werden diese gemeinsam mit einer regionalen Apotheke, die das Know-how für die Verarbeitung einbringt.

Almjause, Hochzeiten, Schafflbad

latschenbrennerei2Schaffelbäder: Eine Wohltat - nicht nur für die Füße!Mit der Übernahme der Brennerei entstand auch eine kleine Gastwirtschaft, wo gern auf Brettljause und selbstgemachte Säfte eingekehrt wird. Musiker kommen immer wieder und spielen eins in der Stube mit der besonderen Akustik. Gerne werden auch die Führungen durch die Brennerei gebucht. In rund einer Stunde erhalten Gäste Einblicke in Ernte, Verarbeitung und Wirkung der Latschenkiefer. Nach einer Wanderung sind die wohltuenden Fußschaffelbäder sehr beliebt, die oft schon lange im Vorhinein gebucht werden. Auch standesamtlich heiraten kann man in der Latschenbrennerei. Auf die urige Atmosphäre auf der Alm stehen Verliebte weit über die Steiermark hinaus und auch die zwei Ferienappartements von Ingrid und Thomas sind stets gut gebucht.

Des ewige Radl

Die Saison beginnt Anfang Juni und dauert bis zum ersten Schnee, ehe ab Mitte Dezember der Winterbetrieb startet. Dienstag und Mittwoch bleibt die Hütte geschlossen – zumindest offiziell, denn auch an den Ruhetagen gibt es stets genug zu organisieren. Schon seit Kindestagen sind Ingrid und Thomas mit der Planneralm verbunden, haben Skifahren hier gelernt, sind viel gewandert und mit der Natur aufgewachsen. Ihr Wissen rund um die kostbaren Essenzen der Planneralm geben sie liebend gerne an ihre zahlreichen Gäste weiter. Werbung braucht es dazu kaum. Vieles funktioniere über Mundpropaganda und soziale Medien und allein letztes Jahr haben sich drei Fernsehteams angemeldet. Thomas muss nicht lange überlegen, wenn er gefragt wird, was er an seiner Arbeit liebt: „Das Schönste ist, dass man draußen ist und sich bei der Arbeit nach der Natur richten muss. Und auch das Reden mit den vielen Leuten. Wenn sie dann wiederkommen und sagen wir waren ja eh letztes Jahr schon bei euch, dann wissen wir, dass wir unsere Arbeit richtig gemacht haben.“

Fotos: Latschenbrennerei