Haus im Ennstal: Tourismusgemeinde am Fuße des Kaiblings

Nach einem erfolgreichen Blumenschmucksommer rüstet man sich in Haus für die bevorstehende Wintersaison. Die rund 48.000 Ankünft e und über 210.000 Nächtigungen der vorigen Saison dürft en dank einiger bereits in Bau befindlicher Beherbergungsprojekte künftig deutlich ansteigen.

Die Marktgemeinde mit ihren vier Katastralgemeinden Ennsling, Haus, Oberhaus und Weißenbach erstreckt sich über 82,2 Quadratkilometer Fläche und ist Heimat von 2.429 Menschen. Mit 875 Einwohnern ist die auf 774 Meter Seehöhe liegende namengebende Ortschaft auch die einwohnerreichste, Oberhausberg mit lediglich 52 Einwohnern die kleinste der acht. Bürgermeister ist Gerhard Schütter (ÖVP). Die erste urkundliche Erwähnung von Haus datiert aus dem Frühmittelalter. Im Jahr 928 soll ein bayrischer Adeliger sein Anwesen mit einem befestigten Gebäude, das in Oberhaus lokalisiert wurde, dem Salzburger Erzbischof Adalbert II. überlassen haben. Bis zur Säkularisierung des Erzstifts 1803 sollte Haus unter salzburgischem Einfluss stehen. Der rote Kardinalshut im Gemeindewappen verweist auf diese lange Verbindung.

Das 1962 verliehene Gemeindewappen zeigt u. a. einen roten Kardinalshut – ein Verweis auf den langen Machteinfluss der Salzburger Erzbischöfe.

Aus der in der mittelalterlichen Urkunde angeführten Ortsbezeichnung „in logo hus“ – das althochdeutsche Wort hûs bedeutet „Haus, festes Gebäude“ – entwickelte sich schließlich der Name der Ortschaft und der Gemeinde. Im Stift erbrief des Benediktinerklosters Admont wird Haus 1074 erstmals als Pfarre erwähnt. Die dem heiligen Johannes dem Täufer geweihte Pfarrkirche gilt als älteste Pfarrkirche des Oberland und war lange Zeit auch dessen kirchliches Zentrum. Die Lehren Luthers, die sich ab 1525 in ganz Europa rasch verbreiteten, machten ob dieser Tatsache aber keinen Bogen um den Ort. Viele Bewohner bekannten sich zum Protestantismus und hielten auch in den schweren Zeiten der Gegenreformation an ihrem Glauben fest. Noch heute sind etwa 23 Prozent der Bevölkerung von Haus evangelisch. 1908 errichtet der örtliche Verschönerungsverein am Kaibling auf 1.838 Metern eine Schutzhütte und legte damit den Grundstein für den Fremdenverkehr.

Voraussichtlich am 23. November erfolgt am Kaibling, dem Hausberg der Gemeinde, der Start in die Skisaison. Das offizielle Ski-Opening geht von 7. bis 9. Dezember über die Bühne.

Das ursprünglich nach Kaiser Franz Josef benannte Gebäude wurde 1911 an die Alpine Gesellschaft Krummholz, sieben junge Wiener, die die Liebe zu den Bergen verband, verkauft und trägt seitdem den Namen Krummholzhütte. Wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die erste Gondelbahn am Kaibling errichtet, heute führen insgesamt elf Seilbahn- und Lift anlagen auf den mit 2.015 Metern höchsten Berg der 4-Berge-Ski-Schaukel. Knapp 346.000 Nächtigungen verzeichnete die Marktgemeinde 2017. Insgesamt stehen mehr als 3.100 Gästebetten zur Verfügung. Diese Zahl wird sich 2019 beträchtlich erhöhen, wie Bürgermeister Gerhard Schütter zu berichten weiß: In der Marktstraße entstehen im Gebäude der ehemaligen Bäckerei Resch Tourismusappartements, die ca. 125 zusätzliche Betten bringen, und auch mit der Skylodge am Gumpenberg – dem früheren Schlosserwirt – gewinne Haus rund 120 Betten.

Beim steirischen Landesblumenschmuckbewerb hat Haus acht Mal in Folge fünf Floras erreicht, die Katastralgemeinde Weißenbach sogar neun Mal.

Direkt an der Skipiste werde außerdem in der Wintersaison 2019/20 eine exklusive Ferienanlage mit Chalets und Suiten in Betrieb gehen. Gebaut wird aber nicht nur für die Gäste, sondern auch leistbarer Wohnraum für die Gemeindebewohner. So sei z. B. im Kaufvertrag für das sogenannte Grassl-Grundstück, auf dem gerade Wohnungen entstehen, geregelt, dass mindestens zwei Drittel der Wohnungen Erstwohnsitze werden müssen, erzählt der Bürgermeister. In Weißenbach werde gerade eine Fläche für ca. 15 Grundstücke in Bauland umgewidmet, die Gründe sollen vorrangig an Einheimische gehen. Bereits in Bau befindet sich das Projekt „Betreubares Wohnen“ in der Junghannsstraße, ein Wohnhaus mit 13 Seniorenwohnungen, das nächstes Jahr bezugsfertig sein soll. Viel diskutiertes Thema in Haus ist derzeit natürlich die B 320. Die Entwicklung in Trautenfels freut Schütter, aber die Überführung alleine werde die Gesamtsituation auf der Straße nicht maßgeblich verbessern. Schon vor zwei Jahren habe man im Gemeinderat den Beschluss über ein LKW-Fahrverbot gefasst und an die entsprechenden Stellen hinausgegeben, außerdem eine 80-km/h-Beschränkung für den gefährlichsten Teilabschnitt auf Hauser Gemeindegebiet gefordert.

Als Bürgermeister einer B-320- Gemeinde hat natürlich auch Gerhard Schütter eine Meinung zur Ennstal Straße: „Dass in Trautenfels endlich etwas passiert, ist ganz wichtig. Liezen gehört umfahren!“

Es gäbe für Haus sogar eine bereits fertig geplante Umfahrungslösung, erzählt der Bürgermeister, das Land aber möchte aller Voraussicht nach nur im Bereich Ennsling und Höhenfeld aktiv werden. In Liezen sei nur eine Umfahrung zielführend, dass der Handelsstandort darunter leiden werde, glaubt Schütter nicht: „Das Geschäft , das Liezen mit dem Durchzugsverkehr macht, sind Leberkässemmeln.“ Stolz ist Schütter auf die alljährlichen Erfolge seiner Gemeinde beim steirischen Landesblumenschmuckbewerb – das Resultat des großen Engagements von Projektleiterin Michaela Schnepfl eitner, des Bauhof- Teams und vieler freiwilliger Helfer, wie er betont. Und er freut sich bereits auf das Jahr 2019, in dem der Markt von 26. bis 28. September Austragungsort der Siegerehrung der Entente Florale Europe, des europäischen Blumenschmuckbewerbs, sein wird.

Fotos: Steiermark Tourismus / ikarus.cc, Landesblumenschmuckbewerb, Foto Tom, Marktgemeinde Haus im Ennstal, Leader | Schladming-Dachstein


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