Landl: Gesäusegemeinde zwischen wildem Wasser und steilem Fels

Mit Anteilen am Nationalpark Gesäuse und dem Natur- und Geopark Steirische Eisenwurzen, seinen vielfältigen Wildwassersportmöglichkeiten und zahlreichen Berggipfeln ist Landl ein Naturund Outdoorparadies. Weniger paradiesisch: die medizinische Versorgung in der Gemeinde, weshalb man ein Gesundheitszentrum fordert.


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Als vor etwas mehr als vier Jahren Gams, Hieflau, Landl und Palfau zu einer Gemeinde zusammengeschlossen wurden, entstand mit rund 256 Quadratkilometern die nach Admont und Sölk flächenmäßig drittgrößte Kommune des Bezirks Liezen. Damit diese auch zur Gänze in einem Bezirk liegt, wechselte Hieflau von Leoben zu Liezen über, wodurch sich mit der Fusion überdies die Bezirksgrenzen änderten. Ein seltener, aber nicht der einzige derartige Fall im Zuge der Gemeindestrukturreform in der Steiermark. So musste etwa auch der Bezirk Südoststeiermark Gebiete an Leibnitz und Graz-Umgebung abtreten. Etwa 2.700 Einwohner leben in den neun Ortschaften der Gemeinde, deren Geschicke Bürgermeister Bernhard Moser (SPÖ) lenkt.

„Wildes Wasser, steiler Fels“ – der Slogan des Nationalparks Gesäuse beschreibt auch das weitläufige Gemeindegebiet von Landl treffend. Die Salza zählt zu den schönsten Gebirgsflüssen der Alpen und gilt als Raftingparadies, zahlreiche Gipfel erfreuen Wanderer und Bergsteiger.

Wirtschaftsfaktor Tourismus

Zwar gibt es in Landl auch eine Reihe solider klein- und mittelständischer Betriebe, wirtschaftlich von Bedeutung ist aber in erster Linie der Tourismus. „Wir haben in der Gemeinde über 40.000 Nächtigungen im Jahr, Tendenz stark steigend“, berichtet Bernhard Moser. Auch die Zahl der Tagesgäste nehme zu, ergänzt er. Neben Besuchern des Nationalparks Gesäuse und des Natur- und Geoparks Steirische Eisenwurzen sind es speziell Berg- und Wassersportler, die Landl gute Tourismuszahlen bescheren. Letztere bittet die Gemeinde, die von den Österreichischen Bundesforsten die Ein- und Ausstiege an der Salza gepachtet hat, seit Sommer des Vorjahres mit dem Salzaline-Ticket auch zur Kasse.

Die Nothklamm bei Gams mit der Kraushöhle – eines der vielen Naturhighlights in der Gemeinde Landl.

Damit sei aber nicht das Befahren des Flusses kostenpflichtig geworden, erklärt der Bürgermeister, sondern nur die Nutzung der Infrastruktur an den Ein- und Ausstiegen sowie der Parkanlagen. In deren Ausbau bzw. Errichtung werden aktuell 425.000 Euro investiert, weitere 150.000 Euro kostet die Schaffung eines neuen Campingplatzes, der jenen am Saggraben, der einem Parkplatz weichen muss, ersetzen soll. Auch in Hieflau setzt die Gemeinde heuer ein Tourismusprojekt um. In der ehemaligen Volksschule entstehen Apartments. „Wir haben in Hieflau sehr wenige Nächtigungsmöglichkeiten und schaffen so ein tolles Angebot, sowohl für Besucher des Nationalparks als auch für Individualbesucher“, freut sich Moser. Fitnessraum, Sauna etc. sollen übrigens nicht nur den Gästen zur Verfügung stehen, sondern auch von den Einheimischen genutzt werden können.

Im Rahmen des Projekts „Salza-Bewirtschaftung“ entsteht im Bereich Saggraben eine Parkanlage. Der Campingplatz wird verlegt.

Die Finanzierung sei gesichert und höchstwahrscheinlich werde man schon im Herbst eröffnen, so das Gemeindeoberhaupt.

Gesundheitszentrum

Während sich Moser grundsätzlich für das Leitspital in Stainach ausspricht – „die zukunftsträchtigste und einzig sinnvolle Variante“ – erteilten seine Mitbürger den Plänen von Gesundheitslandesrat Christopher Drexler bei der Volksbefragung Anfang April mit rund 82 Prozent Neinstimmen eine deutliche Abfuhr. Die Leitspital- Thematik sei für Landl aber ohnehin nur von sekundärer Bedeutung, wie Moser anmerkt, da das nächstgelegene Krankenhaus in jedem Fall das Landesklinikum in Waidhofen/Ybbs sei und auch die notärztliche Versorgung von Niederösterreich aus erfolge.

Viel drängender sei die Frage nach der Sicherstellung der allgemeinmedizinischen Versorgung. „Der jüngste Arzt bei uns ist 62, die beiden anderen praktizierenden Ärzte sind über 66“, berichtet der Ortschef und warnt vor einem medizinischen Supergau, wenn nicht in den nächsten drei, vier Jahren etwas geschehe. „Wir brauchen unbedingt eine primärmedizinische Versorgung. Ich habe das auch schon mehrmals bei Landesrat Drexler deponiert, der mir auch zugesagt hat, dass in der Region ein Gesundheitszentrum installiert wird. Er hält sich natürlich noch sehr bedeckt wo, obwohl aus meiner Sicht nur Landl in Frage kommt.“ Die Voraussetzungen dafür wären auf jeden Fall geschaffen, berichtet Moser. Man habe ein Grundstück mit der entsprechenden Widmung und auch die notwendigen Mittel stünden bereit. „Zur Zeit hätte ich auch junge Mediziner, die bereit wären, sich hier niederzulassen.“ Es brauche eigentlich nur noch grünes Licht vom Land, hofft der Bürgermeister auf eine baldige positive Nachricht aus Graz.

Bürgermeister Bernhard Moser macht sich bei Landesrat Christopher Drexler für ein Gesundheitszentrum in Landl stark.

Wie wichtig ein Gesundheitszentrum für die medizinische Versorgung in der Region wäre, habe auch der letzte, äußerst schneereiche Winter gezeigt. „Wir waren abgeschnitten Richtung Leoben, der Präbichl war zu, das Gesäuse war gesperrt, die Buchau war zeitweise gesperrt und auch Waidhofen war eine Zeit lang nicht erreichbar“, rekapituliert Moser. „Das nächstgelegene Krankenhaus war somit das rund 80 Kilometer entfernte LKH in Steyr.“

Kein Bevölkerungsschwund

Ist Landl eine Abwanderungsgemeinde? Die Frage stellt sich aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zu Eisenerz, das seit Jahrzehnten von chronischem Bevölkerungsrückgang betroffen ist und dem von der steirischen Landesstatistik auch für die nähere Zukunft keine rosigere Entwicklung prognostiziert wird, zwangsläufig. Aber der Bürgermeister verneint: „Abwanderung spüren wir kaum, im Gegenteil, wir haben sogar Zuzug.“ Dieser habe in den letzten Jahren stets das Ungleichgewicht zwischen Sterbefällen und Geburten ausgeglichen, sodass die Bevölkerungszahl relativ konstant geblieben sei. Vonseiten der Gemeinde versuche man, Anreize für den Zuzug bzw. Verbleib in der Region zu schaffen, u. a. indem man leistbares Wohnen, leistbaren Hausbau fördere. „Wir sind gerade dabei, Gemeindegründe zu erschließen, die entsprechend gewidmet sind. Wir wollen mit günstigen Grundstücken den Bau von Einfamilienhäusern forcieren. Darauf legen wir im heurigen Jahr u. a. unser Hauptaugenmerk“, berichtet Moser.

Foto: Nationalpark Gesäuse/Stefan Leitner, Andreas Danner, B. Karl