Schladming: Wintersport-Mekka zwischen Dachstein und Tauern

Die Stadtgemeinde ist das Aushängeschild des steirischen Tourismus, muss aber trotz hunderttausender Gäste jährlich und der zweitgrößten Einwohnerzahl im Bezirk Liezen um sein Krankenhaus bangen.

Über 7.700 Einwohner leben in der Gemeinde im äußersten Westen des Bezirks. Die Stadt Schladming selbst hat rund 3.500 Bürger, der Rest verteilt sich auf die übrigen acht Ortschaften. Die insgesamt sechs Katastralgemeinden nehmen eine Fläche von etwas mehr als 211 Quadratkilometer ein – Schladming ist damit die viertgrößte Gemeinde im größten Bezirk Österreichs. Bürgermeister ist Jürgen Winter (ÖVP). Bereits im 6. vorchristlichen Jahrhundert siedelten Kelten in Schladming, die in den Bergen rund um den Ort Bergbau betrieben. Im Jahr 15 v. Chr. wurde das keltische Königreich Noricum, das einen Großteil des Gebiets des heutigen Österreichs und somit auch das obere Ennstal umfasste, römische Provinz. Nach dem Zerfall des Römischen Reichs siedelten ab dem 6. nachchristlichen Jahrhundert Slawen im Ostalpenraum, auf die auch der Ortsname von Schladming, das als slapnik(a) „Ort an der Flussschwelle, am Wasserfall“ bekannt war, zurückgeht. Im 8. und 9. Jahrhundert drangen vermehrt bairische Siedler ins obere Ennstal ein, die die Slawen nach und nach assimilierten. 1180 wurde Schladming als „Slaebnich“ in einer Schenkungsurkunde an das Stift Admont erstmals erwähnt.

Schladming liegt eingebettet zwischen dem Dachsteingebirge im Norden und den Niederen Tauern im Süden auf 745 Metern Seehöhe.

Das 13. Jahrhundert gilt als die Blütezeit des Bergbaus, 1322 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung als Stadt. 1525 kam es zu einem Bauernund Knappenaufstand, der u. a. aus den sich auch im Raum Schladming rasant verbreitenden Lehren Martin Luthers resultierte. Bis heute gibt es in der Stadt eine große protestantische Gemeinde. Das Reformationsjahr 2017 wird hier aus diesem Grund auch besonders aktiv gefeiert, so wurde etwa der Reformationsfestgottesdienst am 29. Oktober live aus der evangelischen Kirche Schladming auf ORF 2 übertragen. Ab dem 16. Jahrhundert nahm die Bedeutung des Bergbaus ab, im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde er nach und nach eingestellt. Dafür wuchs die Bedeutung des Tourismus.

Das Jahr 1875, in dem der erste Zug am Bahnhof einfuhr, kann als Wendepunkt gesehen werden. Schladming war zuerst v. a. ein Ort für die Sommerfrische, erst nach dem Zweiten Weltkrieg gewann der Wintertourismus an Bedeutung und entwickelte sich ab dem Jahr 1953, in dem der erste Skilift auf der Planai errichtet wurde, zum Wintersport-Mekka mit 4-Berge-Skischaukel, Nightrace u. v. m., das es heute ist. Schladming hat rund 12.500 Gästebetten, in denen teilweise bis zu 60.000 Gäste pro Monat knapp 300.000 Mal nächtigen.

Die „Schladminger Bergweihnacht“ ist eines der vielen Angebote in der Wintersaison. Besonderes Highlight ist der „Adventzauber in der Talbachklamm“, bei dem Fackeln und Lichtspiele die Klamm zwischen Schladming und Untertal-Dorf in eine mystische Welt verwandeln.

Noch kommt zwar der Wintersaison etwas mehr Bedeutung zu, doch jene der Sommersaison wächst stetig und dank eines umfangreichen Freizeitangebots und großer Events wie der Biker-Sommerparty „Rock the Roof“, des Blasmusik-Festivals „Mid- Europe“ oder den Gabalier- Konzerten hinkt der Sommer dem Winter nur noch marginal nach. Die große touristische Bedeutung der Gemeinde wird in der Planaistadt auch als ein gewichtiges Argument für die Erhaltung des Krankenhauses angeführt.

Mit seinen vielen Gästen und den rund 7.700 Einwohnern habe Schladming immerhin ein durchschnittliches tägliches Personenaufkommen, das einer Stadt wie Bruck oder Kapfenberg entspricht. „Das Leitspital kann überall entstehen, nur keinen Meter östlich von Schladming!“, tönte Bürgermeister Jürgen Winter bei der Präsentation der Gesundheitsreform in Liezen im Vorjahr kämpferisch und stellte erst kürzlich im Rahmen der alljährlichen „Donksche-Feier“, zu der die Stadtgemeinde die Vereine zum Dank für ihr Engagement einlädt, erneut klar, dass der Kampf um den Erhalt des Standortes nicht aufgegeben wird.

Diesen Eindruck hatte man in der Region jedoch zwischenzeitlich, verhielt sich Winter die letzten Monate doch sehr zurückhaltend, was Aussagen betreffend die Zukunft der Klinik Diakonissen betrifft und war, wie Rottenmanns Bürgermeister Alfred Bernhard in unserer letzten Gemeindereportage enttäuscht anmerkte, auch auf der Protestveranstaltung der „Bürgerinititative Standorterhaltung Spitäler“ (BISS), die sich für den Erhalt aller drei Standorte im Bezirk einsetzt, nicht vertreten.

Ein möglicher Grund dafür: Gerüchten zufolge soll Winter demnächst die Nachfolge von Georg Bliem als Geschäftsführer bei der Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH, deren größter Gesellschafter mit knapp 62 Prozent der Anteile das Land Steiermark ist, antreten und übt sich womöglich deswegen in puncto Gesundheitsreform in Zurückhaltung.

Fotos: Österreich Werbung/Wolfgang Weinhäupl, TVB Schladming/Herbert Raffalt


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