Steirisches Tourismusverbandswesen vor radikaler Reform

Im steirischen Tourismus sollen größere Strukturen geschaffen werden, dem Vernehmen nach stehen bei den Verbänden massive Umwälzungen bevor. Ein Vorhaben, das auf grundsätzlich vernünftigen Überlegungen fußt und trotzdem nicht überall begrüßt wird.


WERBUNG

Um international bestehen zu können, gelte es im Fremdenverkehr Kräfte zu bündeln und größere Strukturen zu schaffen, ist in der „Agenda weiß-grün“, dem Arbeitsprogramm der Landesregierung, und auch andernorts nachzulesen. Auch das Büro von Tourismuslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl bestätigte, dass es Fusionspläne gebe, verwies auf weitere Nachfrage nach der Vorgehensweise und dem zeitlichen Fahrplan aber lediglich auf eine laufende Evaluierung, die sich coronabedingt verzögert habe und noch bis in den Sommer dauern werde und auf Basis derer man sowohl den zeitlichen Ablauf als auch die Vorgehensweise festlegen werde.

Gesäuse-Chef David Osebik zufolge steht das Tourismusverbandswesen in der Steiermark vor einem fundamentalen Umbruch. (Foto: Thomas Sattler/Gesäuse)

Auch den Touristikern in der Region wurde bislang nicht mehr mitgeteilt. David Osebik, Geschäftsführer des Tourismusverbands Gesäuse: „Wir haben nur die Info, dass etwas Radikales passieren wird und dass wir vom Land in den nächsten Monaten unterrichtet werden.“ Dass man wie bis dato auf freiwillige Zusammenschlüsse setzt, ist aber unwahrscheinlich. Osebik geht eher von einer Vorgehensweise ähnlich wie bei der Gemeindestrukturreform vor fünf Jahren aus.

Unmut über drohenden Zwang
In Tourismusgemeinden wie Liezen – neben Lassing und Rottenmann eine von drei im Bezirk, die bislang weder einem mehrgemeindigen noch einem Regionalverband angehören – zeigt man sich über den drohenden Fusionszwang nicht unbedingt erfreut. Als Mitglied in einem größeren Verband müsste man nämlich auch die kostspielige Positionierung am internationalen Markt mitfinanzieren, obwohl diese für Liezen nicht wirklich von Bedeutung ist und man seine Mittel lieber in andere Projekte investieren würde.

Friedrich Kaltenbrunner, Vorsitzender des Tourismusverbands Liezen: „Liezen hat natürlich aufgrund der stärkeren Betonung des Tagestourismus grundlegend andere Initiativen zu setzen als klassische Tourismusregionen. Daher sind für diesen wichtigen Aufgabenbereich auch zukünftig die Budgetmittel zu verwenden. Wir gehen davon aus, dass Reformvorhaben immer unter Einbeziehung aller Beteiligten vorab besprochen werden. Informationen diesbezüglich liegen uns noch nicht vor. Grundsätzlich ist für uns eine Eingliederung der umliegenden Regionen in einen gemeinsamen Verband der Bezirkshauptstadt Liezen eine interessante Idee. Die regionalen Schwerpunktsetzungen sollen dabei aber erhalten bleiben.“

Vorbild Oberösterreich?
Die Vorgehensweise in der Steiermark? Womöglich ähnlich jener in Oberösterreich, wo kürzlich im Zuge der größten Tourismusreform in der Geschichte des Bundeslandes aus 104 Verbänden 19 wurden. Die Reform nahm ihren Ausgang 2018 in einem neuen Tourismusgesetz, das als Rahmengrößen für Verbände mindestens 600.000 Euro an jährlichem Finanzierungsaufkommen sowie 200.000 Nächtigungen vorsieht. Um diese Vorgaben erfüllen zu können, waren viele Fusionen vonnöten, wodurch sich die Zahl der Verbände im Land um über 80 Prozent reduzierte.