Von Liezen und Infektionskrankheiten

In zwei Jahren feiert Liezen das 75-Jahr-Jubiläum der Stadterhebung. Um auf dieses Ereignis hinzuführen, war für Mitte März eigentlich der erste von zwei Vorträgen zum Thema „Der lange Weg zur Stadt“ geplant. Aufgrund der Coronakrise musste der Vortrag auf den 29. und 30. September verschoben werden. An dieser Stelle können wir aber wie gewohnt Interessantes aus dem Stadtarchiv präsentieren und widmen uns aus gegebenem Anlass der Frage, welche Infektionskrankheiten die Liezener vor rund 100 Jahren plagten.

Die Grippe dürfte so normal gewesen sein, dass sie in keiner Chronik erwähnt wird. Sowohl in der Gemeinde- als auch in der Schulchronik mehrmals erwähnt werden hingegen Infektionskrankheiten wie Masern, Diphterie und Tuberkulose. Im Juli 1893 – Ferien gab es damals erst im September – wurde die Schule beispielsweise wegen der epidemisch auftretenden Masernkrankheit für eine Woche geschlossen.

Im Mai und Juni 1908 gab es wieder eine Masernepidemie, mehr als die Hälfte aller Schüler war erkrankt. Im Oktober desselben Jahres wurde wegen Diphterie die Schule erneut, und zwar für ganze vier Wochen, geschlossen. Die Krankheit forderte sogar ein Todesopfer. Am 4. Dezember starb Franz Reiner, Schüler der 3. Klasse, an Diphterie. Aus Sicherheitsgründen durften seine Schulkameraden nicht am Begräbnis teilnehmen.

Als weniger gefährlich eingestuft wurde die Tuberkulose im Jahr 1921. Doch auch diese Krankheit fordertet mit der 15 Jahre alten Marie Überbacher ein Todesopfer. Über ihr Begräbnis am 23. März berichtet die Gemeindechronik: „Schulkinder begleiten sie auf dem letzten Wege und streuen Blumen aufs Grab.“

(Fotoquelle: Stadtarchiv)

Unser Bild, ein Klassenfoto der Volksschule Liezen, dürfte ca. um 1920 entstanden sein. Die Kinder auf dieser Aufnahme waren aufgrund der damals noch nicht vorhandenen Impfmöglichkeiten von Infektionskrankheiten wesentlich stärker betroffen als es Kinder heute sind.