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Foto: Stefan Leitner Photography
| Karriere

„Alpaka Impuls“ – Neuanfang im Gesäuse


2019 sind die Niederösterreicherin Petra und ihr Mann Hannes, der ursprünglich aus Kärnten kommt, von Wien nach Hieflau gezogen. Mit im Gepäck 12 Alpakas, die nicht nur neugierige Blicke anziehen, sondern Menschen auf ganz eigene Art berühren.


Paar2 StefanLeitner 012Petra und Hannes Joham haben den
Alpakas zu tief in die Augen geschaut
und sich sofort in die neugierigen
Tiere verliebt.
Die 21 Alpakas fühlen sich am Zwanzenbichl in Hieflau sichtlich pudelwohl. „Sie haben sofort sehr positiv auf das alpine Klima reagiert“, erzählt Petra. Kein Wunder, stammen die Tiere doch ursprünglich aus den Anden, wo sie in Höhenlagen zwischen 3.000 und 5.000 Metern leben. Die Bedingungen im Gesäuse kommen ihrer natürlichen Umgebung sehr entgegen. Doch die Geschichte beginnt lange vor dem Umzug. Petra und Hannes Joham lernten sich als Krankenschwester und Krankenpfleger in einer Klinik in Wien kennen. Die erste Begegnung mit Alpakas kam dann eher zufällig: „Man darf einem Alpaka nie zu tief in die Augen schauen, sonst ist man gleich verliebt. Wir haben sie beim Autofahren gesehen und sind stehengeblieben. Die Alpakas kamen neugierig zum Zaun. Ich meinte nur: Hannes, das brauch ma!“, erinnert sich Petra lachend. 2012 kauften sie ihre ersten drei Tiere. Parallel dazu begann Petra eine Ausbildung im Bereich tiergestützte Therapie: „Ich denke, dass Schulmedizin in Kombination mit tiergestützter Therapie die perfekte Mischung ist“, sagt sie überzeugt. Als Petra und Hannes noch in Fischamend, NÖ, wohnten, begannen sie nebenbei bereits mit den Alpakas in einer gepachteten alten Gärtnerei am Stadtrand von Wien mit Menschen zu arbeiten: mit Schulklassen, Kindergärten, Pflegeheimen und Sonderschulen. Doch bald war klar, dass es für eine wirklich artgerechte Tierhaltung hinaus aufs Land gehen musste.

Locked down im Gesäuse

Die Suche nach einem geeigneten Grundstück gestaltete sich schwierig, bis sie der Zufall nach Hieflau führte. „Wir waren von der Gegend sofort begeistert“, erzählt Hannes. Doch der Weg zum eigenen Hof war alles andere als einfach: Umwidmung, Behördenverfahren und bürokratische Hürden verlangten den beiden einiges ab. Schließlich gelang der Kauf, und noch 2019 zogen sie in eine kleine Wohnung in Hieflau, um die ersten Bauvorbereitungen zu treffen. Der Stall war im Sommer 2019 fertig, das Wohnhaus dann kurz vor dem ersten Lockdown Anfang 2020. „Wir müssen betonen, dass wir von den Menschen hier sehr gut aufgenommen wurden. Die Tiere haben uns dabei sicherlich auch einen gewissen Vorteil verschaffen“, erzählt Hannes: „Dass da plötzlich Alpakas am Zwanzenbüchl eingezogen sind, war ja ein mords Trum Bahö, aber dadurch kamen wir ständig mit den Menschen ins Gespräch und haben hier mittlerweile mehr Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen als in Fischamend in 17 Jahren!“ Auch den regionalen Landwirten hier sind die beiden sehr verbunden, weil sie, gerade in der ersten Zeit, viel von ihnen lernen konnten. „Hier hilft einfach jeder jedem, das waren wir ja gar nicht mehr gewohnt“, sagen die beiden dankbar.

Tiergestützte Angebote

mitKind AlpakaDas ruhige, neugierige Wesen und die
sanfte Ausstrahlung der Tiere stärkt
das emotionale Wohlbefinden von Alt
und Jung.
Im Gesäuse ist nun zusätzlich eine touristische Nutzung der Tiere möglich. Neben Alpaka-Spaziergängen steht der „Alpaka Impuls“ aber weiterhin auch für Kindergeburtstage, Seniorenheimbesuche, Besuche von Kindergärten aber auch für Teambuilding für Firmen zur Verfügung. Zusätzlich laufen Projekte mit Pro Juventute, dem Nationalpark Gesäuse und mit dem Geopark Steirische Eisenwurzen sowie mit betreutem Wohnen und Jugend am Werk. „Mit mehr als zehn bis zwölf Personen wird es schnell unpersönlich – und auch für die Tiere zu stressig“, erklärt Hannes. Größere Schulklassen werden daher wenn möglich auf zwei Gruppen aufgeteilt. Die Wirkung der Alpakas auf Menschen ist dabei oft erstaunlich. „Wir hatten einmal einen autistischen Buben bei uns, der kaum mit anderen gesprochen hat“, erzählt Petra. „Mit den Alpakas hat er plötzlich begonnen zu reden und ihnen sogar etwas von sich erzählt.“ Auch andere Erlebnisse bleiben in Erinnerung: Zwei Mädchen, sehr laut, unruhig und mit kurzer Konzentrationsspanne, haben sich im Stall plötzlich ganz ruhig zu den Tieren gelegt und sie am Bauch gestreichelt. Ein Moment, der nur möglich war, weil die Tiere – die normal sehr wohl auf eine natürliche Distanz zum Menschen achten – es zugelassen haben. Die Rückfahrt traten die zwei dann total entspannt an. Die Tiere werden bei solchen Aktionen von Petra und Hannes gezielt zugeteilt. „Wir merken schnell, welches Tier zu welchem Menschen passt“, erklärt Hannes. „Ein ruhiges Tier zum Beispiel kann einem sehr aktiven Kind helfen, zur Ruhe zu kommen.“

Mehr als ein Projekt

Alpaka ProdukteNeben der Arbeit mit Menschen spielt auch die Nutzung der Wolle eine Rolle. Der Großteil wird zu Steppdecken verarbeitet. Ein professioneller Scherer aus der Schweiz unterstützt sie dabei einmal im Jahr. Am Hof gibt es inzwischen auch einen kleinen Laden mit Alpakawollprodukten. Vieles stammt aus eigener Produktion, anderes wird bewusst aus dem Fairen Handel und stets in Bio-Qualität zugekauft. Seit Ende 2024 ist der Betrieb offizieller Gesäusepartner – eine Auszeichnung für Projekte mit Mehrwert für die Region. Natürlich bringt das Leben im Gesäuse auch Herausforderungen mit sich. „Das Einzige, was uns wirklich abgeht, ist ein Tierarzt mit Erfahrung für Alpakas“, sagt Hannes. Doch die Tierarztpraxis Schachner & Wißmann in Liezen ist eine der wenigen, die auch Neuweltkameliden behandeln. Für Hannes sind die Tiere vor allem eines: Ausgleich. „Man kommt einfach runter bei der Arbeit mit ihnen“, sagt er. „Wenn es ihnen gut geht, geht es einem selbst auch gut.“ Petra sieht es ähnlich und noch ein bisschen mehr: „Es ist und bleibt einfach eine Herzsache, die mir immer wieder zeigt, wie viel Kraft in einer Begegnung mit einem Tier liegen kann.“

Text: Christian König |
Fotos: Stefan Leitner Photography