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Systemstabilisierung oder Bärendienst?

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In der ersten Junihälfte konnten in Rottenmann zwei Notarztdienste nicht besetzt werden. Eine Folge der kürzlich erfolgten Umstellung des steirischen Notarztsystems, kritisiert SPÖ-Nationalratsabgeordneter und stellvertretender Rotkreuz-Bezirksstellenleiter Mario Lindner.

Systemstabilisierung oder Bärendienst? Foto: Comofoto – stock.adobe.com

Das neue System bringe die notärztliche Versorgung im Bezirk in Gefahr, meint Mario Lindner, SPÖ-Nationalratsabgeordneter und stellvertretender Rotkreuz-Bezirksstellenleiter. (Foto: Parlamentsdirektion Johannes Zinner)Das neue System bringe die notärztliche Versorgung im Bezirk in Gefahr, meint Mario Lindner, SPÖ-Nationalratsabgeordneter und stellvertretender Rotkreuz-Bezirksstellenleiter. (Foto: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner) Die notärztliche Versorgung im Bezirk Liezen müsse flächendeckend und rund um die Uhr garantiert sein, forderte Lindner in einer Aussendung nach einer fehlenden Notarztbesetzung am Pfingstsonntag in Rottenmann. In einem Telefonat berichtete er außerdem, dass es auch am darauffolgenden Wochenende einen unbesetzten Dienst gegeben habe. Seit der Installierung des neuen Notarztsystems Anfang Juni erweise sich die Besetzung in der Paltenstadt zunehmend als schwierig, bis Ende Mai habe man diesbezüglich keinerlei Probleme gehabt, so der aus Landl stammende SPÖ-Abgeordnete und stellvertretende Leiter der Bezirksstelle des Roten Kreuzes.

Das „neue“ System

Notarztdienste wurden bislang größtenteils von Krankenhausärzten im Rahmen ihres Krankenhausjobs versehen. Ärztemangel und v. a. das Krankenanstalten-Arbeitszeitengesetz erschwerten das in letzter Zeit jedoch zunehmend. Deshalb wurde mit 1. Juni das Notarztsystem umgestellt, der notärztliche Dienst ist nun eine von der Anstellung im Spital getrennte freiberufliche Tätigkeit, die von Spitalsärzten folglich ohne Rücksicht auf das Arbeitszeitengesetz ausgeübt werden kann. Zusätzlich sollen auch andere Mediziner, etwa niedergelassene Ärzte, im Notarztwesen tätig werden. Das ist übrigens schon seit rund zehn Jahren möglich, ca. 100 der etwa 400 steirischen Notärzte sind Freelancer. Ganz neu ist das neue System also nicht.

Klaus Pessenbacher, der Koordinator für Notfallmedizin beim Land, sieht im neuen Notarztmodell ein „attraktives Angebot, um das System zu stabilisieren“. (Foto: Sissi Furgler Fotografie)Klaus Pessenbacher, der Koordinator für Notfallmedizin beim Land, sieht im neuen Notarztmodell ein „attraktives Angebot, um das System zu stabilisieren“. (Foto: Sissi Furgler Fotografie)Einen weiteren Vorteil des „neuen“ Systems neben der Umgehung des Arbeitszeitengesetzes erläutert Klaus Pessenbacher, der Leiter der Katastrophen- und Notfallmedizin des Landes: Bislang seien Spitalsärzte über ihren Dienstvertrag an den Spitalsstandort gebunden gewesen, im neuen System könne beispielsweise ein an der Klinik Diakonissen Schladming beschäftigter Arzt nun auch am Stützpunkt in Bad Aussee einen Notarztdienst versehen, was früher aufgrund der unterschiedlichen Arbeitgeber – Diakoniewerk und KAGes – nicht möglich gewesen sei. In der Besetzung werde man so flexibler.

Stabilisierung oder Bärendienst?

Pessenbacher hofft, dass sich mit dem neuen System das steirische Notarztwesen stabilisieren wird, Lindner hingegen befürchtet, dass genau das Gegenteil der Fall sein wird – zumindest im Bezirk Liezen und speziell in Rottenmann, wo das alte System mit den KAGes-Ärzten gut funktioniert habe. Dass die notärztliche Versorgung im Bezirk auch mit Freiberuflern flächendeckend und rund um die Uhr aufrechterhalten werden könne, glaube er nicht.

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