Back to the roots – Gemüseanbau in der Region Liezen
Steigende Preise, unsichere Lieferketten und globale Krisen rücken das Thema Selbstversorgung wieder stärker ins Bewusstsein. Das Gemüseanbau-Projekt des Regionalmanagement Liezen (RML) liefert wertvolles Wissen zum regionalen Gemüsebau mit dem Ziel, die Versorgung mit regional produzierten Lebensmitteln langfristig auszubauen.
Anbauversuch mit Kopfsalaten
und Bohnen (Foto: Stiermayr)Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie verletzlich globale Versorgungssysteme sein können. Steigende Lebensmittel- und Energiekosten sowie geopolitische Krisen führen dazu, dass immer mehr Menschen nach regionalen und nachhaltigen Alternativen suchen. Ein Ansatz ist die teilweise Selbstversorgung mit Gemüse. Schon kleine Ergänzungen aus dem eigenen Garten können die tägliche Ernährung bereichern – frisch, saisonal und unabhängig von langen Transportwegen.
Kleine Flächen – große Chancen
Der Selbstversorgungsgrad mit Gemüse liegt in Österreich derzeit bei rund 57 Prozent. Das zeigt: Es gibt noch erhebliches Potenzial, insbesondere im kleinstrukturierten Anbau. Hier setzt das Konzept der sogenannten Marktgärtnerei an. Diese Form der Landwirtschaft basiert auf intensiver Bewirtschaftung kleiner Flächen, einer großen Vielfalt an Kulturen und einer engen Verbindung zwischen Produzierenden und Konsumentinnen bzw. Konsumenten. Während dieses Modell in Nordamerika oder Frankreich bereits etabliert ist, gewinnt es im deutschsprachigen Raum erst seit einigen Jahren an Bedeutung.
Alpenregion Liezen
Käferbohnenversuch (Foto: Enhuber)Auch wenn die Region Liezen klimatisch nicht zu den klassischen Gemüseanbaugebieten zählt, entstehen gerade hier neue Möglichkeiten. Prognosen für den Alpenraum zeigen, dass sich die Bedingungen in den kommenden Jahrzehnten verändern werden – und damit auch neue Chancen für den Gemüseanbau eröffnen.
Vor diesem Hintergrund hat das RML Regionalmanagement Liezen im Jahr 2023 das Projekt „Gemüseanbau in der Region Liezen“ gestartet. Ziel ist es, die regionale Versorgungssicherheit zu stärken, Wertschöpfung in der Region zu halten und die Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu reduzieren. Im Rahmen des Projekts wurden bereits zwei regionale Marktgärtnereien beim Aufbau begleitet: „Gemüse vom Gunglitzer“ in Raumberg und „Gartendrang“ in Gröbming. Durch fachliche Unterstützung, Schulungen und Vernetzung mit bestehenden Betrieben konnten hier wertvolle Erfahrungen gesammelt werden. Das Projekt unterstützt aber auch bestehende Gemüseproduzentinnen und -produzenten, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Regelmäßige Treffen, Exkursionen und Stammtische bringen Gemüseproduzenten, Gastronomie, Hotellerie, Regionalläden und Schulküchen zusammen.
Geförderte Gemüsanbau-versuche 2026
Mulchversuch mit Zucchini (Foto: RML)Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den sogenannten Gemüse-Anbauversuchen, die seit 2024 durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um ein Citizen-Science-Projekt, bei dem Interessierte aktiv mitforschen können. Bereits in den ersten zwei Jahren wurden 98 Versuche mit elf verschiedenen Gemüsesorten von 46 Teilnehmenden umgesetzt. Ziel ist es herauszufinden, welche Kulturen unter den regionalen Bedingungen besonders gut gedeihen und auch wirtschaftliches Potenzial haben. Für 2026 sind unter anderem Sortenversuche mit Kopfsalaten sowie Anbauversuche mit Bohnen, Kohlrüben und Kraut geplant. Mitmachen können alle mit einer Anbaufläche ab fünf Quadratmetern. Die Teilnehmenden erhalten ein kostenloses Versuchspaket mit Saatgut oder Jungpflanzen sowie eine detaillierte Anleitung. Während der Saison werden Erfahrungen über eine gemeinsame Plattform ausgetauscht, am Ende werden die Ergebnisse ausgewertet und als Empfehlungen für die Region aufbereitet.
Neu ist in diesem Jahr der Fokus auf die Verarbeitung des geernteten Gemüses. Dabei geht es um die Frage, wie regionale Produkte weiterverarbeitet und wirtschaftlich genutzt werden können.
Voraussetzung für die Teilnahme an den Gemüse-Anbauversuchen ist der Besuch des Online-Informationsabends am Montag, dem 13. April 2026, von 18 bis 20 Uhr, bei dem die Versuche und ihre Durchführung im Detail vorgestellt werden.
Eine Anmeldung ist bis 10. April per E-Mail an
Weitere Informationen auf www.rml.at/anbauversuche.