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| Aus der Region

Blumenwiesen im Bezirk – Biodiversitäts-Hotspots


Blumenwiesen gehörten über Jahrhunderte zum Landschaftsbild des Ennstals. Heute sind sie selten geworden. Intensiv genutzte Grünflächen und häufiges Mähen haben mit dazu geführt, dass viele heimische Blühpflanzen verschwunden sind. Mit ihnen fehlen Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten – und damit ein wichtiger Teil unserer Kulturlandschaft.

Raumberg Blumenwiese2Eine besonders wirksame Antwort darauf sind Blumenwiesen aus heimischen Wildpflanzen. Sie bestehen aus Pflanzenarten, die natürlicherweise im Ennstal vorkommen und genau an unsere Böden, das Klima und die Höhenlage angepasst sind. Nur diese Pflanzen liefern den heimischen Insekten die richtige Nahrung. Bunte, exotische Blühmischungen mögen attraktiv aussehen, helfen der regionalen Tierwelt jedoch kaum.

Hausgärten und Gemeinden: Jeder Quadratmeter zählt

Gerade Hausgärten bieten großes Potenzial. Ein Randstreifen statt Zierrasen, eine ruhige Gartenecke oder eine ehemalige Rasenfläche reichen aus, um eine artenreiche Blumenwiese zu schaffen. Viele kleine Flächen ergeben gemeinsam ein Netzwerk – und machen ganze Ortschaften zu Biodiversitäts-Hotspots. Das gilt ebenso für kommunale Grünflächen. Straßenränder, Böschungen, Verkehrsinseln, Parks oder Rückhaltebecken lassen sich mit geringem Aufwand naturnah gestalten. Richtig angelegte Blumenwiesen sind pflegeleicht, ökologisch wertvoll und verschönern sichtbar das Ortsbild.

Heimische Wildpflanzen aus der Region für die Region

An der HBLFA Raumberg-Gumpenstein werden seit Jahren heimische Wildpflanzen gesammelt, vermehrt und in der Gumpensteiner Genbank gesichert. Auf dieser Basis entwickelt Gumpenstein gemeinsam mit der Firma Kärntner Saatbau passende Blumenwiesenmischungen aus regionalen Wildpflanzen. So bleibt nicht nur die Art erhalten, sondern auch ihre regionale genetische Vielfalt – ein entscheidender Beitrag zum Naturschutz im Bezirk Liezen.

So gelingt die Blumenwiese

Für Hausgärten wie für Gemeinden gelten einfache Grundregeln: Der Boden sollte offen, frei von Bewuchs und möglichst nährstoffarm sein – keine Düngung, kein Kompost. Das Saatgut wird oberflächlich ausgesät und gut angedrückt, jetzt im Frühjahr passt es perfekt. Geduld lohnt sich: Im ersten Jahr blühen meist nur einige Arten, ab dem zweiten Jahr entwickelt sich eine stabile, artenreiche Wiese. Bei der Pflege gilt: weniger ist mehr. Ein Schnitt Anfang Juli und ein zweiter im Herbst reichen aus. Das Mähgut wird bodengetrocknet und abtransportiert, nicht gemulcht. So bleiben Wildblumen konkurrenzfähig.

Blühende Lebensräume

Blumenwiesen aus heimischen Wildpflanzen sind kein Zeichen von Unordnung, sondern von Verantwortung. Wenn Gartenbesitzer und Gemeinden gemeinsam handeln, entsteht ein Netzwerk blühender Lebensräume – und das Ennstal gewinnt an Vielfalt, Farbe und Leben.

Text: Dr. Bernhard Krautzer, HBLFA Raumberg-Gumpenstein,
Fotos: HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Bezugsquelle und Empfehlung für zertifiziertes heimisches Wildpflanzensaatgut: Kärntner Saatbau, „ReNatura® BW 2 Gumpensteiner Wildblumenmischung für nährstoffarme Standorte“ QR-CODE: www.saatbau.at