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Fotos: Universalmuseum Joanneum/Katharina Krenn
| Aus der Region

Sonnwendbüscherl – Ein Sträußchen voll Symbolik


Wenn zur Sommersonnenwende am 21. Juni oder zum Johannistag am 24. Juni bunte Wildblumensträuße gebunden werden, wird ein jahrhundertealter Brauch zelebriert. Besonders in ländlichen Regionen haben die sogenannten Sonnwend- oder Johannesbüscherl bis heute ihren festen Platz in regionalen Bräuchen und Ritualen – und erfreuen sich aktuell neuer Beliebtheit.

Foto: Universalmuseum Joanneum/Katharina Krenn; HG: sorrapongs/stock.adobe.comIn zahlreichen Regionen der Steiermark gelten die Sonnwendbüscherl traditionell als Schutzsymbol für Haus, Hof, Mensch und Tier, so auch im Ennstal und im Ausseerland. „Das Binden der kleinen Sträußchen aus Wildblumen und Kräutern gehört zu den aktiv gelebten Bräuchen im Bezirk Liezen“, informiert Katharina Krenn vom Schloss Trautenfels. „Aktuell erlebt dieser Brauch eine Renaissance und erfreut sich großer Beliebtheit. Er wird von Vereinen und Privatpersonen aller Altersgruppen praktiziert.“

Aufgehängt an Türen, Fenstern oder in Wohnräumen sollen die Sträußchen Unheil abwehren und vor Blitzschlag, Feuer, Krankheiten und Naturgewalten schützen. Mancherorts werden zusätzlich kunstvolle Kranzerl gebunden, die vor allem an Haustüren ihren Platz finden. Eine besondere Tradition hat sich in Bad Mitterndorf erhalten: die Sonnwend-Kreuze. Dabei werden vier Kräuterbüscherl auf einem Holzkreuz befestigt – ein eindrucksvolles Symbol für Schutz, Segen und die enge Verbindung zur Natur.

Ungerade Anzahl als Glücks- und Schutzsymbol

Details zu dem alten Brauch erfährt man beim Besuch des Landschaftsmuseums Trautenfels, wo das Sonnwendbüscherl auch in der diesjährigen Sonderausstellung „Blume persönlich. Von Mythen, Symbolen, Duft und Liebe“ vorkommt. Welche Blumen, Kräuter und Gräser – meist in ungerader Anzahl – Verwendung finden, wird meist überliefert und unterscheidet sich je nach Region oder persönlichen Vorlieben. „Ein Büscherl umfasst zwischen sieben und siebzehn verschiedene Pflanzen“, erfährt man von den Expertinnen im Mesnerhaus St. Nikolai im Sölktal, die auch von der besonderen Bedeutung der Blütenfarben wissen: So soll Blau vor Gewitter schützen, Rot vor Feuer bewahren, Weiß gegen Hagel und Wasserfluten helfen und Gelb Gesundheit und Wohlbefinden erhalten.

Ein Jahr reich an Segen

Der Tradition zufolge sollten die blühenden Schutzzeichen bereits am Abend des 21. Juni an ihren Plätzen hängen, um Schutz und Segen für Haus und Hof zu schenken, wobei es auch zum Aufhängen verschiedenste Überlieferungen gibt. Viele Familien bewahren die Büscherl ein ganzes Jahr lang auf, bevor sie nach alter Tradition im Sonnwend- oder Herdfeuer verbrannt, verräuchert oder auch ans Vieh verfüttert werden.

Hundertfach mit Liebe gebunden

Foto: Universalmuseum Joanneum/KrennDass der Brauch heute wieder stärker gepflegt wird, zeigt sich vielerorts in unserer Region. Vereine, Familien und engagierte Privatpersonen beteiligen sich am gemeinsamen Binden der Sträuße. Auch für das Schloss Trautenfels gehört das Sonnwendbüscherl zur liebgewonnenen Tradition: Jedes Jahr am 21. Juni erhält das Landschaftsmuseum von Ingeborg Bernklau aus Irdning ein gesegnetes Büscherl, das dort seinen Platz findet. Die Hüterin des Brauchs bindet gemeinsam mit einer Gruppe von Frauen jedes Jahr mehr als hundert kleine Sträuße, die vor ihrem Haus gesegnet und anschließend verschenkt werden. ◻


Sommersonnenwende: Wenn der längste Tag des Jahres gefeiert wird

Am 21. Juni beginnt kalendarisch der Sommer – zugleich erleben wir den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Die sogenannte Sommersonnenwende fasziniert die Menschen seit Jahrhunderten und ist bis heute mit zahlreichen Bräuchen, Mythen und Festen verbunden.

Astronomisch gesehen erreicht die Sonne an diesem Tag ihren höchsten Stand über dem Horizont.
Dadurch ist die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang länger als an jedem anderen Tag des Jahres. Auf der gesamten Nordhalbkugel fällt die Sommersonnenwende in der Regel auf den 21. Juni; in Schaltjahren kann sie jedoch bereits am 20. Juni stattfinden.

In vielen ländlichen Regionen ist die Sommersonnenwende tief in Bräuchen und Ritualen verwurzelt und übt bis heute eine besondere Faszination aus. Sonnwendfeuer auf Bergen und Hügeln stehen symbolisch für Licht, Wärme und Fruchtbarkeit. Auch traditionelle Rituale wie das Binden von Sonnwendbüscherln gehören vielerorts dazu. Zahlreiche Geschichten und Überlieferungen ranken sich um diese Nacht, der eine geheimnisvolle und kraftvolle Bedeutung zugeschrieben wurde. Kräuter galten als heilkräftig, und das Feuer sollte böse Geister vertreiben sowie Glück und eine gute Ernte bringen.

Johannistag – zwischen Naturglaube und Kirche

Der Johannistag am 24. Juni ist eng mit den Bräuchen der Sommersonnenwende verbunden und vereint kirchliche Traditionen, bäuerliche Rituale und alten Volksglauben. Bewusst wurde der Gedenktag für Johannes den Täufer auf den 24. Juni – den Sonnwendtermin in vorchristlicher Zeit – gelegt, denn der Kirche waren die heidnischen Bräuche rund um die Sommersonnwende lange Zeit ein Dorn im Auge. Zwar versuchte sie zunächst, die Sonnenwendfeiern zu verbieten, konnte die tief verwurzelten Traditionen aber nicht verdrängen. So wurden bestehende Bräuche teils übernommen und christlich umgedeutet. ◻