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Der Kapuzinersteg

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Der in Wörschachwald geborene und aufgewachsene Liezener Stefan Berger, Jahrgang 1935, erzählt dieses Mal vom Kapuzinersteg in Untergrimming, ein Weg entlang des und über den Grimmingbach.

Der Kapuzinersteg foto: Copula – stock.adobe.com

Der Kapuzinersteg habe eine weit zurückreichende Geschichte, die heute nur mehr wenige kennen, so Berger. Sein Name gehe auf das Irdninger Kloster zurück, „denn von dort aus gingen seit jeher die Kapuziner jedes Jahr im Herbst mit einem Buckelkorb überall hin zu den Bauern, um Eier zu sammeln.“ Ihr Weg habe sie über Trautenfels nach Untergrimming geführt und von dort über Kapuzinersteg, Brotwegerl und Kirchweg bis nach Zlem und
Wörschachwald.

„Je nach Freigiebigkeit und Glaubensstärke bekam der Kapuziner dann von der Bäuerin Eier in seinen Buckelkorb. Diese Eier wurden dann im Kloster in Kalk eingelegt und dadurch haltbar gemacht“, weiß der mittlerweile 87-Jährige zu berichten. Nach dem Krieg habe sich der Brauch des Eiersammelns aufgehört, der „schöne Kapuzinersteg in Untergrimming, der da über den tosenden Grimmingbach führt, wird uns aber hoffentlich noch lange erhalten bleiben“, hofft er.

Abschließend fällt Berger noch eine Geschichte zum Kapuzinersteg ein: Einmal habe einer der Mönche auch beim Grabenhauser um Eier gebeten, aber die Kleinkeuschlerin habe gesagt: „I hon söwa koni Eier, die Henna legn so schlecht, i konn da koni Eier gebm!“ Der Geistliche habe der Frau zwar kein Wort geglaubt, ihr aber trotzdem von seinen bereits gesammelten Eiern drei Stück geschenkt und sich mit einem gütigen
„Vergelt’s Gott, arme Frau!“ verabschiedet.

 

 

Von sagenhaften Erzählungen über historische Begebenheiten bis hin zu Zeitzeugenberichten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und den oft schwierigen Folgejahren reicht das Spektrum der Beiträge, die wir in dieser Kolumne veröffentlichen. Tauchen Sie ein in vergangene Zeiten ...

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