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Alpiner Notruf: Das Hütten- und Wegenetz unserer Alpen bröckelt

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Die alpinen Vereine in Österreich betreuen insgesamt 429 Schutzhütten, Biwaks und andere Unterkünfte. Diese stehen vor erheblichen Herausforderungen aufgrund explodierender Preise, einem steigenden Bedarf an Sanierungs- und Adaptierungsmaßnahmen und den Auswirkungen des Klimawandels.

Die Oberst Klinkehütte in der westlichen Reichensteingruppe ist über die Kaiserau erreichbar. Die Oberst Klinkehütte in der westlichen Reichensteingruppe ist über die Kaiserau erreichbar. Foto: Stefan Leitner/Gesäuse

Die Hans Wödl Hütte ist eine der drei Hütten im Eigentum der Preintaler. (Foto: René Eduard Perhab)Die Hans Wödl Hütte ist eine der drei Hütten im Eigentum der Preintaler. (Foto: René Eduard Perhab)Viele der Schutzhütten in Österreich sind in die Jahre gekommen und benötigen dringend eine Generalüberholung, um den technischen und ökologischen Normen und Gesetzen zu entsprechen. In einigen Fällen ist sogar ein Ersatzbau notwendig. Die zunehmenden Naturereignisse erfordern eine intensivere Betreuung und aufwendigere Sicherung des Wegenetzes. In stark gefährdeten Regionen müssen Alternativrouten geplant werden, was erhebliche zeitliche und finanzielle Ressourcen bindet. Die alpinen Vereine kämpfen mit enormen Kosten, die nur durch eine deutliche Erhöhung der öffentlichen Förderungen bewältigt werden können. Ohne diese Unterstützung drohen Schließungen von Hütten und die Aufgabe von Wegen.

Beklemmende Aussichten

Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich. Wasserknappheit ist ein wachsendes Problem, wie das Beispiel des Admonter Hauses zeigt, das kurzfristig eine zusätzliche Quellenfassung anlegen musste, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Auch die Stromversorgung der Hütten ist gefährdet, da Wassermangel den Betrieb von Kraftwerken beeinträchtigt. Ein weiteres Problem ist das Auftauen des Permafrosts, das die Stabilität der Untergründe gefährdet. Dies wurde deutlich an der Seethaler-Hütte in Ramsau am Dachstein, die aufgrund des schmelzenden Eises in Schieflage geriet und nur durch einen Ersatzbau gerettet werden konnte. Diese besorgniserregenden Entwicklungen stehen seit Jahren gleichbleibenden oder durch Inflation und Teuerung sinkenden Budgets in vielen Sektionen und alpinen Vereinen gegenüber. Dringende Baumaßnahmen können daher oft nicht durchgeführt werden, was zur Schließung oder Veränderung von Schutzhütten und Wegen führt. Die alpinen Vereine schlagen nun Alarm und fordern dringend mehr Unterstützung.

Unser höchst(gelegen)es Gut

Vor etwa zwei Wochen wurde mit den Arbeiten zur neuen Wasserversorgung der Klinkehütte begonnen. (Foto: Kren)Vor etwa zwei Wochen wurde mit den Arbeiten zur neuen Wasserversorgung der Klinkehütte begonnen. (Foto: Kren)Wie steht es um die Hüttenstruktur und die künftige Finanzierung zur Erhaltung dieser in unserer Region? Wir haben einige Meinungen eingeholt.
Die alpine Gesellschaft Preintaler mit Sitz in Hinterbrühl ist Eigentümer der Golling-, Preintaler- und Wödlhütte in den Schladminger Tauern. Die Hütten wurden im Zeitraum zwischen 1891 und 1904 errichtet und sind wichtiger Bestandteil im Wandernetz der Region um Schladming. Die Preintalerhütte verzeichnet ca. 6.000 Nächtigungen pro Saison, die Wödlhütte ist hingegen eher eine Tagesziel mit rund 1.000 Nächtigungen. „Unsere Philosophie ist die Erhaltung des Charakters unserer Hütten und nicht der Bau neuer, hochmoderner Hütten. Da die Hütten nicht im Hochgebirge liegen und uns das Permafrostproblem weniger betrifft, sind die Sanierungsmaßnahmen überschaubar. Aber es fließen sämtliche Einnahmen in die Erhaltung. Die Arbeiten erfolgen kontinuierlich, um keinen großen Investitionsstau herbeizuführen. Aber die finanziellen Herausforderungen sind hoch. Allein die Erneuerung der Wasserkraftwerke hat 200.000 Euro gekostet. Glücklicherweise haben wir ein Team an Freiwilligen vor Ort, das auch für die Instandhaltung der Wanderwege sorgt”, erzählt Dr. Walter Kovar, Obmann des Vereines.
Ernst Kren, langjähriger Obmann des Alpenvereins Admont-Gesäuse (Foto: Mario Sornig)Im Gesäuse besitzt der Alpenverein Admont-Gesäuse das Admonterhaus und die Oberst Klinkehütte. Die Sektion betreut seit 137 Jahren das Gebiet der Haller Mauern, des Reichen-
steinmassivs und Teile der Hochtorgruppe mit einem rund 100 Kilometer langen Wegenetz. Der Arbeitsaufwand, der ausschließlich ehrenamtlich bewältigt wird, beträgt durchschnittlich 600 bis 800 Arbeitsstunden pro Jahr. Die deutliche Zunahme heftiger Wetterkapriolen führt darüber hinaus vermehrt zu Murenabgängen, Windbrüchen und Schäden an den Sicherungsanlagen, die den Verein an die Grenzen der Freiwilligkeit bringt“, sagt Obmann Ernst Kren.

Das 130 Jahre alte Admonterhaus hat sich in der Außenansicht kaum  verändert. Das 130 Jahre alte Admonterhaus hat sich in der Außenansicht kaum verändert. Die Instandhaltung der Schutzhütten unter Berücksichtigung der behördlichen Auflagen verursacht massive Kosten. Für das knapp 130 Jahre alte Admonterhaus wurden 145.000 Euro in eine neue Wasserversorgung, Warmwasser, Photovoltaik u. a. m. investiert. „Allein in den vergangenen 15 Jahren liefen so nicht weniger als über eine Million Euro über das Konto der AV-Sektion Admont“, so Kren.

Manfred Aster, Finanzreferent des  Alpenvereins Admont-Gesäuse (Foto: KK)Die nächste Baustelle wurde erst kürzlich in Angriff genommen. „Die Erneuerung und der Tausch des Trinkwasserbehälters für die Klinkehütte ist mit 165.000 Euro veranschlagt. Für Finanzreferent Manfred Aster eine echte Herausforderung: „Erwähnen sollte man, dass die zugesagte Förderung des AV-Bundesverbandes von 76.000 auf 57.600 Euro gekürzt wurde. Durch mein jahrelang aufgebautes Netzwerk mit den Behörden, in erster Linie mit der Landesregierung Steiermark sowie den Bundesministerien, konnte ich eine Landesförderung von 65.000 Euro erreichen. Neben den Förderungen des BM sowie AV-Landesverbandes bleiben wir momentan noch auf einem Eigenanteil von über 36.000 Euro sitzen, die wir als kleine AV-Sektion mit 1.200 Mitgliedern nicht stemmen werden können“, erklärt Aster und ergänzt abschließend: „Ob die künftigen Vorhaben und Aufgaben realisierbar sein werden, hängt auch vom Zutun jener ab, die von unserer ehrenamtlichen Tätigkeit partizipieren. Immerhin gilt das alpine Wegenetz als touristisches Grundkapital und die Schutzhütten sind als größter Nächtigungsbringer der Tourismusregion Gesäuse ein bedeutender Wirtschaftsfaktor!“

Gemeinsam Hütten und Wege retten

Deine Unterschrift kann Berge versetzen! – Anstehende Großsanierungen bei teils 150 Jahre alten Schutzhütten, explodierende Baupreise im Hochgebirge und zunehmende Wegeschäden infolge der Klimakrise – diese finanzielle Last können die alpinen Vereine nicht mehr alleine schultern. Darum braucht es ein Notfallpaket der österreichischen Bundesregierung – jetzt unterschreiben!
notruf-aus-den-alpen.at

 

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