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PV-Anlagen: Nachhaltige Investition oder finanzielles Risiko?

Im Jahr 2023 hat sich der Anteil der PV-Stromerzeugung in Österreich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung bringt neue Herausforderungen mit sich, insbesondere durch die hohe Netzauslastung, die an einigen Standorten zu einer statischen Einspeisebegrenzung führt. Dies wirft die Frage auf, ob sich die Investition in eine PV-Anlage noch lohnt.

PV-Anlagen: Nachhaltige Investition oder finanzielles Risiko? Foto: Cobalt - stock.adobe.com

Ein wesentlicher Faktor für die Rentabilität einer PV-Anlage ist die Einspeisevergütung. Diese Vergütung, die man für den ins Netz eingespeisten Strom erhält, ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Während früher hohe Einspeisevergütungen lockten, sind die aktuellen Tarife nicht mehr wirklich attraktiv. Der Fokus hat sich daher auf den Eigenverbrauch verlagert. Je mehr des selbst erzeugten Stroms direkt im Haushalt genutzt wird, desto höher ist die Ersparnis bei den Stromkosten.

PV-Anlage ist keine Cash Cow

Grafik: guukaa – stock.adobe.comGrafik: guukaa – stock.adobe.comDie Vorstellung, durch die eigene Stromproduktion nicht nur unabhängiger von Energieversorgern zu werden, sondern auch noch Geld zu verdienen, klingt verlockend. Doch ist eine PV-Anlage wirklich als „Cash Cow” zu betrachten, die sich viele durch das Einspeisen von überschüssigem Strom erhofften? Ist es nicht eher das Annähern an eine Selbstversorgung und das Einsparen von CO₂, das den wahren Wert dieser Anlagen ausmacht? Trotz Einspeisebegrenzungen und sinkender Einspeisevergütung lohnt sich die Investition in eine PV-Anlage. Die Preise für Photovoltaikanlagen sind so niedrig wie nie zuvor, und mit einem intelligenten Energiemanagement-System kann das Maximum aus der Anlage herausgeholt werden.

Optimierte Netzeinspeisung

Ein intelligentes Energiemanagement-System kann auf die veränderten Bedingungen durch die Einspeisebegrenzung reagieren und eine optimierte Netzeinspeisung ermöglichen. So kann der Batteriespeicher nach Produktion und Einspeisebegrenzung geladen werden, und die Lieferung ins Netz kann zu bestimmten Zeiten gegenüber dem Eigenverbrauch bevorzugt werden. Dies ermöglicht eine effizientere Nutzung des erzeugten Stroms, indem beispielsweise am Morgen, wenn die Anlage nur bis zu 4 kW produziert, ins Netz eingespeist wird, anstatt den Stromspeicher zu laden. Zu Mittag, wenn die Produktion höher ist, kann der Speicher geladen und der restliche Strom ins Netz eingespeist werden.

Dynamische Strompreise nutzen

Die Nutzung intelligenter Software zur Optimierung des Stromverbrauchs bietet sowohl Haushalten als auch Unternehmen erhebliche Einsparpotenziale. Diese Software ermöglicht es, Strom automatisch dann aus dem Netz zu beziehen, wenn er besonders günstig ist. Dies geschieht durch die intelligente Steuerung des Stromspeichers, der bei geringer Produktion der PV-Anlage geladen wird. Der gespeicherte Strom steht dann in den Abendstunden zur Verfügung, wenn der Netzstrom am teuersten ist. Durch die automatische Anpassung an dynamische Strompreise können Stromkosten gesenkt und gleichzeitig ein Beitrag zur effizienteren Nutzung von Energie geleistet werden.

Den Strom im Dorf lassen

Der Zusammenschluss zu Energiegemeinschaften ermöglicht es, überschüssigen Strom, der durch private Photovoltaikanlagen erzeugt wird, direkt an Nachbarn zu verkaufen oder in einen Gemeinschaftsspeicher einzuspeisen. Seit Herbst 2017 ist z. B. die südsteirische Gemeinde Heimschuh Schauplatz innovativer Testprojekte, die den Energiemarkt revolutionieren könnten. Nach der erfolgreichen Erprobung eines zentralen Gemeinschaftsspeichers für Photovoltaik-Strom von Privathaushalten zwischen 2017 und 2019, wurde das Projekt in den letzten Jahren weiter ausgebaut. Das Ziel solcher „Energie-Inseln“ ist es, lokal erzeugten Strom auch vor Ort zu speichern und zu verbrauchen, um weitgehend unabhängig von externen Stromquellen zu werden. Durch den Einsatz des Gemeinschaftsspeichers und des Insel-Handels konnte der Eigennutzungsgrad der Photovoltaik-Energie von 48 Prozent auf 73 Prozent erhöht werden. Dies bedeutet eine erhebliche Entlastung sowohl für das Stromnetz als auch für die Haushalte. Jeder Haushalt kann so bis zu 500 Euro an Netzgebühren, Steuern und Abgaben pro Jahr sparen. Voraussetzung dafür ist die Implementierung von Energiegemeinschaften im neuen Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) der Bundesregierung.

Strom Sharing im Mehrparteienhaus

Eine besondere Form der Energiegemeinschaft ist die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung in Mehrparteienhäusern. Hier wird der durch die hauseigene PV-Anlage produzierte Strom gemeinsam verbraucht und fließt immer genau zu den Wohneinheiten, wo er gerade gebraucht wird. Die Hauseigentümer und Anlagenbetreiber profitieren von einer Aufwertung des Gebäudes und wiederkehrenden Einnahmen durch den Verkauf des produzierten Stroms und die Mieter können besonders günstig nachhaltigen Strom beziehen.

Ausbaupläne im Mur- und Ennstal

Bis 2028 werden in den Regionen Mur- und Ennstal rund 1.000 Einzelprojekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von etwa 250 Millionen Euro umgesetzt. Zentrale Schwerpunkte dieser Projekte sind die Aufrüstung von Trafostationen und Leitungen, um zusätzliche Einspeiseleistung von Sonnenstrom zu ermöglichen. „Die Investitionsfreude in Sachen Sonnenstrom ist in der Steiermark sowohl bei Privat- als auch bei Industriekunden mehr als groß“, sagt Urs Harnik, Konzernsprecher der Energie Steiermark: „Haben wir bis 2020 noch weniger als 2.000 neue PV-Anlagen jährlich ans Netz angeschlossen, waren es 2022 dann bereits über 7.000. 2023 verzeichneten wir mit mehr als 15.000 neuen PV-Einspeisern den historisch höchsten Wert. Deren Leistung von ca. 337 MW entspricht der Leistung von rund 18 Murkraftwerken in der Größe von jenem in Graz-Puntigam.“

Investition weiterhin attraktiv

Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von rund 30 Jahren ist eine private Photovoltaik-Anlage eine sinnvolle Investition in die Zukunft, mit der man Energiekosten sparen, den Wert der eigenen Immobilie steigern und aktiv zur Energiewende beitragen kann. Idealerweise wird ein hoher Anteil des eigenproduzierten Stroms auch selbst verbraucht. Der Eigenverbrauch und der Nutzwert einer Photovoltaik-Anlage lassen sich mit einem Stromspeicher erhöhen. Jede selbst erzeugte und genutzte Kilowattstunde spart bares Geld, selbst dann, wenn die Netzeinspeisetarife für Sonnenstrom aus privaten Photovoltaikanlagen sinken.

 

LBN-WOHIN
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