Jo Nara mit neuem Song
5 Fragen an Johannes Holzinger alias JO NARA
Jo, du singst Songs in Englisch genauso wie in Mundart – wo bist du mehr zuhause?
Meistens ist es so, dass die Musik für mich die Sprache vorgibt. Manche Songs fühlen sich mehr nach Englisch an, andere eher nach Dialekt. Manches klingt auf Englisch beispielsweise weniger plump, anderes dafür wieder ehrlicher und authentischer auf Mundart. So kam es schon öfter vor, dass ich mir zuerst vorgenommen hatte, einen Song auf Englisch zu schreiben und dann aber doch beim Dialekt gelandet bin, weil es sich stimmiger anfühlte – und umgekehrt. In letzter Zeit zieht es mich aber vermehrt in den Dialekt.
Deine neue Single „Graubereich" ist ein Appell, den Mut nicht zu verlieren und Verantwortung für eine gemeinsame, lebenswerte Zukunft zu übernehmen. Findest du es wichtig gegenwärtige Entwicklungen in Songs zu thematisieren und glaubst du, dass Musik in den Köpfen der Menschen etwas bewegen kann?
Absolut! Ich finde nicht, dass jeder Song per se politisch sein muss, es geht da eher um eine authentische Grundhaltung, die sich im Gesamtwerk widerspiegelt und als roter Faden durchzieht. Das übergreifende Thema in meiner Musik ist beispielsweise die aufrichtige Frage danach, was ein gutes Leben ausmacht. Da steckt für mich das Hinterfragen gesellschaftlicher Normen dahinter, die einen gerne auf einen Weg locken, der vielleicht gar nicht zu einem passt. Davon kann ich im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied (oder mehrere Lieder) singen. Gleichzeitig merke ich auch, dass das ein Thema ist, womit viele Leute etwas anfangen können, wo sie sich gesehen und verstanden fühlen und dann vielleicht sogar motiviert sind, im eigenen Leben etwas zum Besseren zu verändern. Darüber hinaus kann Musik an sich irrsinnig heilend wirken, Emotionen aufgreifen und verstärken, Zuflucht bieten und für ein Gemeinschaftsgefühl sorgen, was gerade dann wichtig ist, wenn Krisen sich gefühlt immer weiter zuspitzen. Wenn Menschen nach einem Konzert mit einem guten Gefühl nach Hause gehen, habe ich alles erreicht.
Nach deiner Jugend in Liezen kam BWL-Studium und Marketingjob, jetzt konzentrierst du dich ganz auf die Musik. Hattest du jemals Zweifel an diesem Weg?
Ich bin fest davon überzeugt, dass ich aktuell den für mich richtigen Weg gehe. Diese Entscheidung ist auch im Laufe der Jahre herangereift, daher fühlt sie sich für mich sehr gefestigt an. Ich lasse mich insbesondere von einer Sache leiten: der Zufriedenheit im Moment. Wenn ich am Ende des Tages das Gefühl habe, etwas Sinnvolles gemacht zu haben, was mich weiterbringt, dann bin ich zufrieden. Wenn ich viele solcher Tage aneinanderreihe, lebe ich insgesamt ein zufriedenes Leben und um mehr geht es mir unterm Strich eigentlich gar nicht. Meine Erfahrungen im Marketing helfen mir außerdem tagtäglich dabei, auch immer einen „unternehmerischen" Blick auf mein Soloprojekt zu haben und das Ganze mit der notwendigen Struktur anzugehen.
Deine Stimme deckt eine enorme Bandbreite ab. Gibt's irgendeine Technik oder Routine, die du täglich machst, um so flexibel zu bleiben?
Danke für das Kompliment! Mein Lieblingstool für stimmliche Flexibilität ist Lax Vox, ein 30cm langer Schlauch, der in Wasser getaucht wird und in den man dann hineinblubbert und -singt. Der durch das Wasser entstandene Widerstand hilft dabei, die Stimmlippen zu massieren, Schleim auf der Stimme loszuwerden und sie geschmeidiger zu machen.
Als Solokünstler stehst du jetzt auf eigenen Bühnen und entwickelst deinen Sound stetig weiter. Worauf können wir uns in den nächsten Monaten von Jo Nara freuen - live und im Studio?
Es passiert viel, sowohl vor, als auch hinter den Kulissen. In den nächsten Wochen kommen noch weitere Singles raus, darunter auch meine Einreichung für den Eurovision Songcontest. Parallel bastle ich mit vielen tollen Songwritern an weiterem Material. Im März bin ich außerdem beim „Popkurs" in Hamburg, einem Intensivkurs mit langer Tradition, auf dem sich z.B. Bands wie Wir Sind Helden, Revolverheld und Seeed gebildet haben. Und auch Live passiert einiges. Am 2.4. komme ich nach Graz in die Scherbe, am 6.4. spielen wir im Club Lucia in Wien. Am nächsten Termin im Ennstal wird schon fleißig gearbeitet! Und zwischendrin steh ich auch wieder mit Pizzera & Jaus auf der Bühne.
Hier gehts zum YouTube-Video: https://www.youtube.com/watch?v=GPPuy8Rerj8