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LBN-Collage, Fotos: Barbara Mayer, OlgaStrelnikova-Adobe Stock
| Menschen

Unsere Bäuerinnen – mit Herz, Hof und Weitblick: Barbara Mayer


„Ich brauche keinen Rückzugsort, ich kann alles in meine Schubladen stecken“, antwortet Barbara Mayer vom Linarhof am Birnberg lächelnd auf die Frage, wo sie sich am liebsten von ihren
vielseitigen Tätigkeiten erholt, um sich neu zu ordnen.

 Ordnung im Kopf zu haben ist wohl die geheime Superkraft einer Frau, die vier Kinder großgezogen hat, Gäste aus halb Europa bewirtet, Vizebürgermeisterin von Haus im Ennstal, Obfrau von „Urlaub am Bauernhof“ im Bezirk Liezen sowie Bezirkskammerrätin ist – und nebenbei noch im Chor singt. Dabei ist Barbara ganz ohne Landwirtschaft in Haus im Ennstal aufgewachsen, hat eine Lehre als Drogistin gemacht und ihren Beruf geliebt.

Als Kind sagt sie, „habe ich Landwirtschaft als reine Männerarbeit wahrgenommen“. Dann lernte sie ihren Mann kennen. Und mit ihm eine Welt, in die man nicht hineingeboren werden muss, um sie zu lieben. Während ihr Mann in dritter Generation den Hof mit biologischen Milchviehbetrieb führt, sorgt sie dafür, dass Gäste den Bauernhof nicht nur sehen, sondern mit allen Sinnen erleben. Kühe füttern. Heu machen. Tiere auf die Weide bringen. Den Stall riechen. Zusehen, wie Lebensmittel entstehen. „Eigentlich sind wir Entwicklungshelfer“, sagt sie und lacht. „Wir bringen den Gästen Landwirtschaft wieder näher. Die Gäste wünschen sich, ein authentisches Leben am Bauernhof zu sehen und wollen meist kräftig mitanpacken. Und wer einmal erlebt hat, wo Milch wirklich herkommt, sieht den Frühstückstisch danach mit anderen Augen.“

„Urlaub am Bauernhof“: Klasse statt Masse

Der Linarhof der Familie Mayer liegt zwischen Haus im Ennstal und Schladming. (Foto: KK)Schon in den Nachkriegsjahren erfreute sich der Linarhof an Gästen. Die meisten Urlauber kommen aus Österreich und Deutschland, aber auch Italiener, Tschechen, Holländer und Ungarn finden den Weg hierher. Einmal sogar ein Neuseeländer, Manager einer Rinderfarm mit rund 1.000 Rindern. „Als er in den Stall blickte, konnte er kaum glauben, dass man von 20 Kühen leben kann. Er lachte nur und meinte, dass sie es daheim mit 1.000 Stück Vieh kaum schaffen“, erzählt Barbara und lässt dabei durchblicken, wie sehr sie den Gästekontakt liebt. Doch der umtriebigen Vermieterin ist sehr wohl bewusst, dass es mehr als 20 Kühe zum Leben braucht. Deshalb hat sie mit der Vermietung ein zweites, essenzielles wirtschaftliches Standbein aufgebaut. Sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie sagt: „Viele Höfe würden ohne Urlaub am Bauernhof nicht mehr bestehen.“ Vielleicht engagiert sie sich deshalb so leidenschaftlich für andere bäuerliche Vermieter. Im Bezirk Liezen zählt der Verein Urlaub am Bauernhof 118 Mitgliedsbetriebe. Als Obfrau schätzt sie vor allem die vielen Gespräche und Begegnungen, die bei ihren zahlreichen Hofbesuchen entstehen: „Jeder Betrieb hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Ideen und jede Begegnung bringt neue Eindrücke mit.“

Partnerschaft auf Augenhöhe

Barbara Mayer, PHOTOGRAPHY CherliasComÜber ihr Engagement im Bauernbund kam Barbara Mayer in die Gemeindepolitik und wurde 2024 mit Unterstützung ihrer Familie zur Vizebürgermeisterin gewählt. (Foto: MC-PHOTOGRAPHY CherliasCom)Barbara Mayer ist es ein Anliegen, in der Gesellschaft sichtbar zu machen, was Bäuerinnen alles leisten. 38 Prozent sind in der Steiermark bereits Betriebsführerinnen. Dennoch erzählt sie immer noch von Fällen, wo die Frau nur beim Mann mitversichert ist und trotzdem viel Arbeit am Hof leistet, weil der Mann hauptberuflich einen anderen Job ausübt. In diesen Fällen ist eine drohende Altersarmut leider immer noch ein Thema. „Generell wäre es für unsere Gesellschaft wichtig, wenn Frauen mehr im Vordergrund stehen würden“, ist Barbara überzeugt. Warum zum Beispiel im Vorstand des Tourismusverbandes Schladming-Dachstein keine einzige Frau vertreten ist, versteht sie nicht. Für Barbara ist klar: „Das gehört geändert – und würde der Region auch guttun. Wir brauchen niemanden, der für uns spricht. Das können wir selbst.“ Dass ihr Mann immer schon ihr größter Unterstützer war und ist, spricht Barbara voller Stolz an. Auch wenn just in diesem Moment ihr Mann zur Küchentür hereinkommt und scherzhaft meint „I bin nur da Knecht“, klingt das nicht nach Rollenverteilung sondern viel mehr nach einer Partnerschaft, in der beide wissen: Ein Hof funktioniert nur, wenn einer dem anderen den Rücken freihält. Zum Schluss fragen wir noch nach einem Lebensmotto: „Sei glücklich und zufrieden – aber warte nicht darauf. Für dein Glück bist du selbst verantwortlich.“ Ein Spruch, den man sich eigentlich über jede Haustür schreiben könnte und den man Barbara Mayer sofort glaubt.

38 Prozent der steirischen Bäuerinnen sind bereits Betriebsführerinnen. Als Innovationstreiberinnen schaffen die Bäuerinnen mit spezialisierten Betriebszweigen wie Direktvermarktung, Urlaub am Bauernhof oder Grenn Care zusätzliche Einkommensquellen. Bäuerinnen sind sehr gut ausgebildet. Sie sind land- und forstwirtschaftliche Facharbeiterinnen oder Meisterinnen. Immer mehr haben auch Matura oder einen Hochschulabschluss. Zugleich tragen sie Verantwortung für Kinderbetreuung, Haushalt und 
Pflege. 30.000 Bäuerinnen bilden das größte Frauennetzwerk der Steiermark: die Bäuerinnenorganisation der Landwirtschaftskammer.