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Die schmutzige Seite der sauberen Mobilität

Die Elektromobilität gehört zu den großen Hoffnungsträgern im Kampf gegen den Klimawandel. Bevor im Zusammenhang mit den Stromern jedoch tatsächlich von sauberer Mobilität gesprochen werden kann, muss erst auch für eine „saubere“ Förderung der dafür benötigten Rohstoffe, allen voran Lithium, gesorgt werden.

Der Lithiumabbau in Südamerika lässt die Lagunen der Salzseen wie hier in der Atacamawüste austrocknen, wodurch der Lebensraum der Andenflamingos verloren geht. Der Lithiumabbau in Südamerika lässt die Lagunen der Salzseen wie hier in der Atacamawüste austrocknen, wodurch der Lebensraum der Andenflamingos verloren geht. Foto: © Delphotostock – stock.adobe.com

Unsere Zukunft muss umweltfreundlicher werden. Daran ist nicht zu rütteln, ebenso wenig wie an der Tatsache, dass die E-Mobilität dabei eine wichtige Rolle spielt. Immerhin: Strombetriebene Autos sind, auch wenn sie, bedingt durch die energieaufwendige Produktion der Akkus, mit einem deutlich größeren CO2-Rucksack als Benzin- oder Diesel-Pkw vom Band laufen, über ihre gesamte Lebensdauer in puncto Emissionen deutlich im Vorteil. Das Bild vom sauberen Fortbewegungsmittel wird jedoch durch den pro-
blematischen Abbau wichtiger Rohstoffe – Kobalt und v. a. Lithium –getrübt.

Lithium: Abbau mit Folgen

Lithium kommt zwar auch anderweitig zum Einsatz, in erster Linie verwendet wird es aber für Lithium-Ionen-Akkus, wie sie u. a. in E-Autos verbaut sind. Und weil diese aktuell einen Boom erleben, ist die Nachfrage nach dem Leichtmetall groß wie nie. Die bedeutendsten Vorkommen weltweit finden sich im sogenannten Lithiumdreieck zwischen Argentinien, Bolivien und Chile, eine heiße, von Salaren, Salzwüsten, geprägte Gegend.

Zur Förderung wird Sole aus der Tiefe hochgepumpt und verdunstet und aus der Schlacke später das Lithium gewonnen. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel. Und das hat schwere Folgen für Mensch und Umwelt. Zwei Beispiele: Der hier lebenden Bevölkerung mangelt es mittlerweile an Trinkwasser sowie Wasser für die oft existenzgrundlagenbildende Landwirtschaft und Lagunen, etwa im Salar de Atacama, fragile und für ihre Flamingopopulationen bekannte Ökosysteme, trocknen zunehmend aus.

Hersteller kennen Problematik

Der Automobilindustrie ist die Kritik am südamerikanischen Lithiumabbau bekannt, man flüchtet sich aber vielfach gerne in Ausreden. So heißt es etwa vonseiten des Volkswagenkonzerns, der bis 2029 rund 26 Millionen E-Autos produzieren will, dass es aus Sicht von Experten unklar sei, inwieweit die zunehmende Trockenheit im Lithiumdreieck tatsächlich mit der Förderung des Leichtmetalls zusammenhänge. Zusätzlich verweist man darauf, dass alle Zulieferer, auch jene von Lithium, vertraglich verpflichtet seien, „sich an hohe Umwelt- und Sozialstandards zu halten.“ Wie ernst diese ihre Pflichten nehmen und wie vehement VW auf deren Einhaltung pocht, ist freilich eine andere Frage.

Europäische Union gefordert

Eine wirkliche Besserung der Situation ist wohl nur mit einer entsprechenden Gesetzgebung in Sicht. Eine solche könnte demnächst supranational erfolgen, plant die EU doch ein Lieferkettengesetz, das vorsieht, dass Unternehmen künftig prüfen müssen, ob ihre Rohstoffe umwelt- und menschenrechtlich unbedenklich sind. Bis dieses in Kraft tritt, werden aber noch Jahre vergehen, in denen ein vielleicht ambitionierter Gesetzesentwurf durch die Einflussnahme von Lobbyisten auch wieder verwässert werden könnte. Es wäre nicht das erste Mal, dass so etwas passiert.

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