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Foto: Andreas Bohner
| Aus der Region

Weißes Wunder – Narzissenwiesen im steirischen Salzkammergut


Tausende Stern-Narzissen verwandeln im Mai die Wiesen des steirischen Salzkammerguts in ein Meer aus Blüten – ein Anblick, der Einheimische wie Gäste Jahr für Jahr in seinen Bann zieht. Doch hinter dieser Idylle steckt mehr als nur Naturromantik.

Narzissenwiesen zählen zu den wertvollsten und zugleich sensibelsten Lebensräumen Österreichs. Tatsächlich gehören diese Wiesen zu den artenreichsten Pflanzengesellschaften des Landes. Der enorme Kräuterreichtum und die bunte Vielfalt sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer traditionell schonenden Bewirtschaftung.

Die Diva der Saison

NarzisseAuf 50 Quadratmetern drängen sich im Schnitt 70 verschiedene Blütenpflanzen – ein exklusiver botanischer Club. Und mittendrin: die Diva der Saison, die Stern-Narzisse. Neben ihr finden sich hier auch zahlreiche seltene und teils gefährdete Arten wie etwa die Herbst-Drehwurz. Die Stern-Narzisse (Narcissus radiiflorus) ist dabei eine wahre Spezialistin. Sie kommt früh, wenn die Wiesen noch niedrig bewachsen sind und viel Licht durchlassen. So kann sie rasch austreiben und ihre auffälligen weißen Blüten entfalten. Als Zwiebelpflanze schießt sie los, wenn andere noch überlegen, ob der Frühling wirklich schon ernst macht. Und dann steht sie da – elegant und unschuldig wirkend, dabei in allen Teilen komplett giftig.

Fragiles Gleichgewicht

In der Steiermark gilt sie als gefährdet und teilweise geschützt, denn so robust die Narzisse wirkt, so empfindlich ist ihr Lebensraum. Narzissenwiesen entstehen nur dort, wo Wiesen extensiv bewirtschaftet und nur ein- bis zweimal jährlich gemäht werden, ohne Düngung. Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt der Mahd – erst wenn die Blätter der Narzisse eingezogen sind. Wird zu früh gemäht oder gedüngt, verschwindet die Blütenpracht rasch. Die Pflanzen können dann nicht genug Nährstoffe in ihre Zwiebeln einlagern oder werden von schnell wachsenden Gräsern verdrängt.
Doch auch das Gegenteil stellt eine Gefahr dar: Wenn die Bewirtschaftung ganz aufgegeben wird, erobert der Wald die Flächen zurück. Was zunächst natürlich klingt, bedeutet für die lichtliebende Narzisse das Aus – im Schatten von Bäumen hat sie keine Chance. Ohne Pflege würden viele dieser Wiesen langfristig zu artenärmeren Wäldern werden.

Pflücken erlaubt

Und dann gibt es noch dieses kleine, fast rebellische Detail am Rande: Wer eine Blüte pflückt, zerstört nichts. Anders als vermutet, stellt das Abpflücken der Blütenstängel für den Bestand nämlich keine Gefahr dar. Im Gegenteil. Die Pflanzen vermehren sich nicht nur über Samen, sondern auch über sogenannte Brutzwiebeln. Durch das Abpflücken der Blüte werden die Pflanzen also sogar zur stärkeren vegetativen Vermehrung angeregt. Fast so, als würden sie sagen: „Du glaubst, das war alles? Dann warte nur bis nächstes Jahr!“ ◻

Textinput und Fotos: Andreas Bohner,
HBLFA Raumberg-Gumpenstein