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Anlage eines Durchstichs, Pruggern 1929 (Quelle: BBL Liezen)
| Buchtipp

ENNS: Eine Zeitreise am Wasser


Das jüngst erschienene Buch des Landschaftsökologen Heinz Wiesbauer zeigt, auf welch vielfältige Weise der Mensch im Laufe der Zeit in die Flussdynamik der Enns eingegriffen und damit auch seine Umwelt verändert hat.

Buch Enns SeiteDas Buch nimmt mit auf
eine informative Zeitreise
entlang der Enns und eröffnet
neue Blickwinkel zum Verständnis
unserer Region.
Der Mensch hat die Enns über Jahrhunderte hinweg durch die Nutzung von Wasserkraft, Holztrift, Entwässerungsmaßnahmen und Hochwasserschutz massiv verändert. Besonders das Ennstal zwischen Mandling und dem Gesäuse war lange von Mooren, Feuchtgebieten und einem mäandrierenden Fluss geprägt. Bei Hochwasser trat die Enns regelmäßig über die Ufer und überflutete große Teile des Talbodens. Eine intensive landwirtschaftliche Nutzung war kaum möglich, weshalb die Region lange als wirtschaftlich schwierig galt. Die Ursachen dieser Landschaft liegen in der letzten Eiszeit: Ein mächtiger Gletscher formte das Tal, räumte es aus und hinterließ nach seinem Rückzug eine Seenlandschaft, die langsam verlandete. Daraus entstanden Moore und Feuchtgebiete, in denen die Enns weiterhin in weiten Schleifen floss.

Die gezähmte Enns

Im unteren Ennstal hingegen entwickelte sich früh eine bedeutende Wirtschaftsregion. Eisenerz vom Erzberg, Holz und Wasserkraft bildeten die Grundlage für eine starke Eisenproduktion und Holztrift. Flüsse wurden dafür massiv genutzt, reguliert und verbaut, was zusätzliche ökologische Belastungen verursachte. Ab dem 19. Jahrhundert begann man, den Fluss systematisch zu regulieren. Ein besonders radikaler Eingriff war die Sprengung der Felsschwelle am Gesäuseeingang in den 1820er-Jahren, um das Gefälle zu erhöhen und das Tal zu entwässern. Später folgten zahlreiche Durchstiche und Begradigungen, wodurch die Enns um rund 20 Kilometer verkürzt wurde. Die Folgen waren tiefgreifend: Moore und Feuchtwiesen wurden großteils trockengelegt, die Flusslandschaft verlor an Strukturvielfalt. Kiesbänke, Auwälder und Altarme gingen zurück, viele Tier- und Pflanzenarten verschwanden oder wurden stark verdrängt. Auch die Fischbestände litten unter der Regulierung und später durch Kraftwerksbau und Unterbrechung der Durchgängigkeit. Heute setzen Revitalisierungsprojekte an der Enns an, um naturnahe Strukturen zurückzubringen, Lebensräume zu verbessern und gleichzeitig Hochwasserschutz zu gewährleisten.

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Teilnahmeschluss: 29. Mai 2026