Zum Hauptinhalt springen
Bild: alexlmx - stock.adobe.com
| Wirtschaft & Karriere

Handelszölle – ein aktuelles Thema – seit Jahrhunderten!


„Ich liebe Zölle!“ Diese Aussage haben wir seit der 2. Amtsübernahme vom Präsidenten der USA, Donald Trump, sehr häufig gehört. Vor einigen Tagen hat erfreulicherweise der Oberste Gerichtshof in den USA die willkürliche Verhängung von Zöllen als rechtswidrig eingestuft – doch die Diskussion über dieses politisch verwendete Druckmittel und über neue Maßnahmen werden uns weiterhin beschäftigen.

Bei aller Aktualität darf nicht vergessen werden, dass Handelszölle seit Jahrhunderten den internationalen Handel begleiten. Handelszölle zählen zu den ältesten Instrumenten staatlicher Wirtschaftspolitik. Aus Sicht nationaler Volkswirtschaften erfüllen und bewirken sie bis heute unterschiedliche positive und negative Funktionen – beispielsweise den Schutz heimischer Produzenten, die Erhöhung der Staatseinnahmen und Zölle dienen leider auch als politisches Druckmittel.

Bereits im Zeitalter des Merkantilismus (16. bis 18. Jahrhundert) wurden Zölle gezielt eingesetzt, um Exporte zu fördern und Importe zu begrenzen. Staaten wie Großbritannien oder Frankreich versuchten durch hohe Einfuhrabgaben ihre Handelsbilanz zu verbessern und sich Edelmetallreserven zu sichern. Mit der Industrialisierung nahm die Bedeutung von Schutzzöllen weiter zu, insbesondere zum Schutz junger Industrien. Problematische Folgen hoher Zölle waren vor allem nach dem Beginn der Weltwirtschaftskrise zu verspüren, weil die drastische Anhebung von Importzöllen zu Gegenmaßnahmen anderer Staaten führte und die weltweite Wirtschaftskrise am Beginn der 1930er-Jahre noch verschärfte. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte dann eine Phase schrittweiser Handelsliberalisierung ein. Es wurde das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) vereinbart und später durch die Welthandelsorganisation (WTO) überwacht. Ziel war der Abbau von Handelshemmnissen und die Förderung eines geregelten und fairen Welthandelssystems.

Der negativen Rolle von Zöllen als politisches Druckmittel stehen aber auch positive Einsatzbereiche gegenüber. Mit Maß und Ziel angewandt, können Zölle auch dem Schutz junger oder strategisch wichtiger Branchen eines Landes dienen. Diese jungen Industrien können sich unter temporärem Schutz vor ausländischer Konkurrenz entwickeln, Kosten optimieren, um danach auch ohne Zollschutz langfristig international wettbewerbsfähig zu werden. Zölle können auch ein wichtiges Instrument für Entwicklungs- und Schwellenländer sein, um ihre Industrialisierungsstrategien zu stützen und zu schützen. Zölle erhöhen zudem die Staatseinnahmen und für Länder mit geringen Steuereinnahmen können Handelszölle eine wichtige und relativ leicht zu erhebende Einnahmenquelle darstellen. Darüber hinaus können Zölle Arbeitsplätze in bestimmten Sektoren sichern, indem sie den Preisdruck durch billigere Importe mindern. Zudem können Handelszölle in der Lage sein, handelspolitischen Druck aufzubauen, um dadurch unfaire Handelspraktiken – etwa staatliche Subventionen anderer Länder und damit einhergehendes Preisdumping – zu sanktionieren.

Den erwähnten positiven Aspekten stehen aber auch volkswirtschaftliche Nachteile entgegen. Zölle verteuern in der Regel importierte Waren und führen zu höheren Verbraucherpreisen – die Inflation steigt – die Löhne müssen steigen – die Preise steigen weiter und ein inflationsgetriebener „Teufelskreis“ wird in Bewegung gesetzt. Konsumenten tragen einen Großteil der Last, während geschützte Produzenten davon profitieren können. Protektionismus durch beschränkten Import kann aber auch parallel dazu den Wettbewerbsdruck auf inländische Unternehmen vermindern und Innovation und dadurch Effizienz bremsen. Zölle können dazu führen, dass Ressourcen nicht mehr dort eingesetzt werden, wo sie international am produktivsten wären. Protektionistische Maßnahmen können darüber hinaus Gegenreaktionen auslösen. Handelspartner verhängen Vergeltungszölle, wodurch Exporte einbrechen und ganze Branchen unter Druck geraten. Besonders exportorientierte Volkswirtschaften (Österreich erwirtschaftet mehr als die Hälfte seiner Wertschöpfung durch Exporte) leiden unter solchen Eskalationen.
Freihandelsabkommen und Zollsenkungen hingegen fördern Spezialisierung nach komparativen Vorteilen und steigern das Handelsvolumen. Empirische Studien zeigen, dass offene Volkswirtschaften tendenziell höhere Wachstumsraten aufweisen, wenngleich Verteilungswirkungen innerhalb der Länder unterschiedlich ausfallen.

Man sieht, wie nah Vorteile und Nachteile von Zöllen beieinander liegen. Handelszölle sind ein sehr ambivalentes Instrument. Aus nationaler Perspektive können sie kurzfristig Branchen schützen, unlauteren Wettbewerb verhindern, Einnahmen erhöhen und strategische Vorteile bieten. Gleichzeitig bergen Handelszölle das Risiko regionaler und internationaler Gegenmaßnahmen. Es bleibt zu hoffen, dass die Vernunft der handelnden Personen Oberhand gewinnt und Zölle nicht als politisches Druckmittel verwendet werden. Europa hätte in seiner Einheit das Potenzial und die volkswirtschaftliche Stärke sich dafür einzusetzen. ◻
Artikel: Mag. Friedrich Kaltenbrunner

Fritz freigest

 

 

 

Zur Person:
Friedrich Kaltenbrunner, Steuerberater
studierte Wirtschaftswissenschaften
und Volkswirtschaftslehre

 

 

(Foto: Foto Fröschl)