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Fotos: HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Maestro - stock.adobe.com
| Aus der Region

Vom Weltall ins Ennstal SatGrass-App für Landwirte vorgestellt


Im Rahmen der Fachtagung „Digitale Innovationen für Grünland- und Viehwirtschaft“ an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein wurde am 13. März ein kostenloses, digitales Tool für ein effizientes Grünlandmanagement vorgestellt, das die Forschungsabteilung der HBLFA unter anderem in Kooperation mit der Europäische Weltraumorganisation (ESA) umgesetzt hat.

Die Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein (HBLFA) ist als größte Dienststelle des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) in der landwirtschaftlichen Forschung die treibende Kraft für nachhaltiges Wirtschaften im Agrar-, Ernährungs- und Umweltbereich des ländlichen Raumes. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass das gewonnene Wissen rasch und effizient an alle Zielgruppen und vor allem an die Landwirte weitergegeben wird.

Satellitendaten am Bauernhof

Zur internationalen Fachtagung „Digitale Innovationen für Grünland- und Viehwirtschaft“ kamen an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein mehr als 250 Fachleute aus dem In- und Ausland zusammen, um neueste Entwicklungen zu diskutieren und innovative Lösungen kennenzulernen. Den Auftakt machte ESA-Satellitenexperte
Nicolaus Hanowski mit einem Überblick über europäische Erdbeobachtungsprogramme und deren Bedeutung für die Landwirtschaft. Im Zentrum der Tagung stand jedoch die erstmalige Präsentation der neuen SatGrass-App: Die Projektleiter Andreas Schaumberger und Andreas Klingler von der HBLFA stellten die wissenschaftlichen Grundlagen sowie die praktische Anwendung des Projekts vor. Die SatGrass-App nutzt hochauflösende Satellitendaten der europäischen Sentinel-Missionen, kombiniert mit Wetter- und langjährigen Forschungsdaten. So ermöglicht sie Landwirten, den optimalen Schnittzeitpunkt zu bestimmen, Erträge abzuschätzen und die Futterqualität gezielt zu verbessern – direkt am Smartphone oder Computer. Entwickelt wurde die App in enger Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben. Die Anwendung wurde gezielt anwenderfreundlich gestaltet und ist kostenlos.

Digitalisierung in der Landwirtschaft

Der Druck auf die Landwirtschaft wächst. Klimawandel, Wetterextreme und steigende Anforderungen an Qualität und Nachhaltigkeit machen präzise Entscheidungen immer wichtiger. Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig unterstrich die Bedeutung solcher Innovationen. Digitale Lösungen seien ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit bäuerlicher Betriebe. Gleichzeitig müsse deren Leistbarkeit gewährleistet sein, damit insbesondere kleine und mittlere Höfe profitieren können. Neben der SatGrass-App wurden insgesamt 14 weitere Innovationen präsentiert – von KI-gestütztem Ertragsmonitoring über Präzisionslenksysteme bis hin zu modernen Sensorlösungen im Stall, die Tiergesundheit und Fütterung automatisiert überwachen.

SatGrass Praxischeck:

KettnerDer Milchviebetrieb von Landwirtschaftskammerobmann Peter Kettner (Foto) war als Testbetrieb in die Entwicklung der SatGrass-App eingebunden. Für ihn bringt die digitale Anwendung klare Vorteile im Grünlandmanagement. „Die App ist ein wertvolles Instrument, um Erträge, Schnitthäufigkeit und auch Düngungsmaßnahmen besser aufeinander abzustimmen.“ Positiv hebt Kettner hervor, dass sich die Daten auch rückblickend auswerten lassen und so eine fundierte Auskunft erleichtern. Gerade in unserer Region, wo das Wetter rasch umschlägt, sieht er in der App eine hilfreiche Unterstützung: „Sie ersetzt zwar nicht die Erfahrung am Feld, liefert aber eine zusätzliche, verlässliche Entscheidungsgrundlage.“ Den größten Nutzen sieht Kettner in der präziseren Bestimmung des optimalen Schnittzeitpunkts: „Besonders bei Betrieben mit mehrschnittigen Flächen in Streulage ermöglicht die App eine individuellere Bewertung jeder einzelnen Wiese.“ Ziel sei es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ertrag und Futterqualität zu erreichen. „Zu spät geschnitten leidet die Qualität, zu früh fehlt die Menge“, bringt er es auf den Punkt.

Sein Fazit:
„Unser Bestreben als Landwirte ist es, unseren Tieren das möglichst beste Grundfutter zu liefern. SatGrass ersetzt nicht den Blick auf die Fläche, ergänzt ihn aber sinnvoll.“

Foto: Fritz Baumann