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| Menschen

LBN-Talk mit Nena


Mit Hits aus vier Jahrzehnten wird Nena bei ihrem Open-Air-Konzert am 18. Juli am Kulm in Bad Mitterndorf kräftig für Stimmung sorgen. Das LBN-Magazin erhielt die Zusage für ein Interview mit der deutschen Musikikone.

NenaFoto: Sarah Rechbauber/Laugh + Peas GmbH LBN: Nena, seit Anfang der 80er rockst du die Bühnen. Das Musikbusiness hat sich total verändert: Von Vinyl zu Streaming, von MTV zu TikTok – wie gehst du als erfolgreiche Musikerin mit diesem Wandel um und kaufst du dir privat neue Musik auch noch auf Vinyl?
Nena: Ich habe natürlich noch meine „alte" Vinyl-Plattensammlung und inzwischen ist es wieder etwas Besonderes für mich, eine Schallplatte aufzulegen und die Musik zu hören, die mein Leben schon als Teenager so bereichert hat. Und ja, ich kaufe mir auch noch Musik auf Vinyl, neulich erst, in Wien, in einem sehr schönen Plattenladen.
Und wie ich so generell mit Veränderung umgehe? ... Für mich ist das so: Das Leben ist Veränderung und daran können wir Menschen nichts ändern. Entweder man flowt auf den Wellen des Wandels und gestaltet mit, oder ich begegne der ewigen Veränderung mit Widerstand. Letzteres macht für mich keinen Sinn. Die Frage, die sich allerdings jeder stellen darf, ist: „Gestalte ICH mein Leben oder lasse ich mich gestalten?“

„99 Luftballons“ wurde vor über 40 Jahren als Anti-Kriegs- und Friedenssong geschrieben. Wenn du heute auf die weltweite politische Lage blickst – Konflikte, Spannungen und Krisen – was würdest du sagen: Hat der Song noch dieselbe Relevanz wie damals, oder würde er heute anders klingen?
Ich liebe diesen Song und solange ich auf der Bühne stehe, wird es kein Nena-Konzert ohne „99 Luftballons“ geben. Das Lied ist und war immer eine Friedensbotschaft, die von den Menschen auch bis heute so verstanden wird. In meinen Konzerten wurde schon immer viel gemeinsam gesungen, aber in den letzten fünf Jahren ist das deutlich noch viel mehr geworden. Das macht große Freude. Wenn man gemeinsam singt, strömt Herzenergie aus, in alle Richtungen. Herzenergie ist Liebe. Und wenn wir uns für die Liebe entscheiden, können wir als Menschheitsfamilie wieder zusammenkommen und ein neues Miteinander erschaffen. Das brauchen wir auch in diesen Zeiten. Wir befinden uns in einem großen Wandlungsprozess, der uns alle betrifft und auch Musik und gute Lieder können echte Brücken bauen.

Du bist seit Jahrzehnten ein starkes weibliches Role Model. Wie hast du die veränderte Rolle der Frauen über die Jahre wahrgenommen und gab es Momente in deiner Karriere, in denen du gegen Erwartungen und Rollenbilder kämpfen musstest?
1978 stand ich als ziemlich junge Frau fast täglich mit ein paar ziemlich tollen, jungen Männern im Proberaum und wir haben Musik gemacht. So ist meine allererste Band entstanden. The Stripes. Wir hatten es schön zusammen, die jungen Männer und ich. (lacht) Wir waren miteinander, nie gegeneinander. Ein authentisches und liebendes Leben kommt sehr gut ohne Rollenspiele, Rollenbilder und Konkurrenzdenken aus. Und ich glaube auch nicht, dass es zielführend ist „gegen“ etwas zu „kämpfen“. Das ist im Grunde immer nur der Kampf gegen sich selbst. Jeder Mensch ist einzigartig. Und wir sind nicht alleine, wir haben uns. Wir dürfen uns in unseren vielfältigen Lebensprozessen begleiten und voneinander lernen.
Das Angebot steht: Entscheiden wir uns genau jetzt fürs Miteinander und die Welt wird augenblicklich eine andere sein, WIR werden anders sein. Ich bin überzeugt, dass wir alle genau in diesem Entscheidungsprozess sind und wir sind wahrlich mittendrin. Freiheit bedeutet eigenverantwortlich zu wählen. Will ich mit in was Neues, Unbekanntes oder möchte ich bleiben, wo ich immer war. Diese Frage steht im Raum.

Wie ist es dir gelungen, Familie und Popstar-Dasein unter einen Hut zu bringen und gab es Momente, in denen das öffentliche Interesse für dich zur Last wurde, oder hast du das immer bewusst angenommen?
Ich trenne nicht zwischen Beruf und sogenanntem Privatleben. Für mich ist mein Leben ein Gesamtkunstwerk und das will ausgeglichen gelebt werden. Es geht mir darum, meine kostbare Lebenszeit so gut ich kann zu nutzen und das zu tun, was mich im Grunde erfüllt.

Welche Musikerinnen und Musiker haben dich besonders geprägt?
Ich war 12 und hörte zum ersten Mal „Angie“ von den Rolling Stones im Radio. Das war ein großer Moment für mich. Von da an gab es für mich kaum etwas Schöneres, als den ganzen Tag Musik zu hören und immer mehr Bands und Sänger kennenzulernen, deren Musik mich so sehr inspiriert hat, mein Leben selber in die Hand zu nehmen. Und irgendwie war auch damals schon klar, dass ich selber Musik machen wollte. Meine Eltern haben das gespürt und schenkten mir meine erste eigene Akustikgitarre. Danke dafür.

Was meinst du, ist der Spirit der 60er-Jahre kläglich gescheitert oder denkst du, dass so etwas wieder kommt?
Musik hatte damals einen ganz anderen Einfluss auf junge Menschen. Ich sage nicht besser oder schlechter, einfach nur anders. Ich bin 1960 geboren und habe die Musik in dieser Zeit, wenn, dann eher unbewusst wahrgenommen und bin später richtig in sie eingetaucht mit Bob Dylan, Neil Young, den Rolling Stones und vielen mehr.
Es war wie ein Auftrieb, ein Ruf, den man nicht nicht hören konnte. Viele Lieder aus der Zeit inspirierten viele Menschen zu einem möglichen Bewusstseinswandel. Ob diese Bewegung aus sich selbst heraus entstanden ist, weiß ich nicht. Ich habe mir damals das genommen, was für mich wichtig war und die Musik aus dieser Zeit bedeutet mir bis heute sehr viel. Sie hat beides: eine Aussage und eine Leichtigkeit. Ich glaube nämlich nicht, dass man die Menschen mit dem erhobenen Zeigefinger erreicht.

Was bedeutet für dich „Freiheit“?
Freiheit bedeutet für mich, eigenverantwortlich zu leben und die Konsequenzen zu tragen für das, was ich tue und denke, welchen Weg ich für mich wähle. Mit 17 war ich die Sängerin in meiner ersten Band. Damals hatte ich keine Ahnung von goldenen Schallplatten, ich wusste nicht mal, dass es so was überhaupt gibt. Wir hatten uns und die Musik. Darum ging es. Es ging um das Lebensgefühl der Selbstbestimmung und den eigenen Lebensraum zu erweitern. Das fühlte sich frei an, das ist Freiheit für mich und aus diesem Gefühl bin ich nie mehr ausgestiegen.

Die Rolling Stones veröffentlichten mit 80 Jahren noch ein neues Album und gingen auf Tour. Kannst du dir das auch vorstellen?
Vorstellen kann ich mir vieles, aber warum sollte ich darüber nachdenken, was ich tue, wenn ich 80 bin? Das macht keinen Sinn für mich. Ich werde so lange Konzerte spielen, solange es mir und meinem Körper Freude macht. Und weil Gott mir immer noch regelmäßig neue Lieder schickt und daraus dann meistens ein ganzes Album entsteht, bleibe ich auch auf der Ebene aktiv. Vor mir liegen jetzt wieder 50 schöne Konzerte, wo ihr bestimmt auch was Neues von mir zu hören bekommt.

Am 18. Juli spielst du am Kulm im Ausseerland – gibt es etwas, das dich mit dieser Region verbindet?
Oh, ich erinnere mich sofort an etwas: Vor zwei, drei Jahren bin ich durch die Silberkarklamm gewandert. Das war wunderschön. Ich bin einfach gerne in Österreich und ich freue mich schon sehr darauf, bald wieder bei euch zu sein. Und ihr könnt euch auch gerne freuen auf eine knackige Rockshow mit vielen lauten und leisen Gänsehaut-Momenten. Wir gehen auf eine Reise durch über 40 Jahre Nena Musik. Ich lade euch ein, gemeinsam mit uns zu singen, zu tanzen, zu lachen. Lasst uns gerade in dieser herausfordernden Zeit das Leben feiern. ◻

 

Sei beim Open-Air-Konzert von Nena am 18. Juli 2026 am Kulm dabei!