Zwei Sprachen, eine Bühne und jede Menge Leidenschaft
Botond Stelczer verbindet zweisprachige Welten mit einer intensiven Musikausbildung: Gitarre, Klavier, Gesang – und dem Traum, als Musical-Darsteller Großes zu bewegen.
Charisma beutelt der junge Mann mit den schönen Augen und dem langen Haar offensichtlich aus dem kleinen Finger. Wie unbeschwert und dennoch ehrgeizig und reflektiert er sein junges Leben meistert, dürfen wir bei einem sehr inspirierenden Gespräch erfahren.
Boti wurde in Österreich als Sohn ungarischer Eltern geboren. Nach Abschluss der Volksschule in seinem Heimatort Gröbming besucht er nun das BG/BRG Stainach und steht dort kurz vor dem Abschluss. Das zweisprachige Aufwachsen sieht der junge Mann als Privileg: „Ich kann in zwei Sprachen lesen, schreiben und denken. Die Sprache ordnet meine Gedanken. Fachliche Diskussionen führe ich lieber auf Deutsch, im Ungarischen gibt es aber mehr Gefühle. Liebesgedichte lesen oder auch fluchen kann man auf Ungarisch viel besser!“, erklärt er lachend.
Schon von Kindesbeinen an war Boti von Musik fasziniert. Als sein Papa ihm im Alter von sechs Jahren von den Dire Straits das Intro von Money for Nothing offenbarte, war dem Jungen klar: Ich will Gitarre spielen. Anfangs kein Fan des regelmäßigen Übens, ist es mittlerweile ein tägliches Ritual zu spielen, ebenso auf dem Klavier, das der talentierte Musiker sich selbst beigebracht hat.
Doch auch für Sport war in Botonds Kindheit genügend Platz. Mama Ivett blickt auf eine Karriere als Biathletin zurück und auch ihr Sohn war seinerzeit recht erfolgreich in Langlauf und Biathlon.
In vielen Genres daheim
Im Alter von zehn Jahren begann Boti mit Gesangsunterricht, wobei sich in den letzten Jahren der Fokus auf Musical gerichtet hat. Ebendieses Genre möchte er in der MUK (Musik und Kunst – Privatuniversität Wien) studieren. Dafür muss man schauspielern können, tanzen und singen. „Von 400 Bewerbern kommen vier Mädels und vier Burschen rein. Plan B habe ich derweil noch keinen. Ich könnte mir aber vorstellen, auf einem Kreuzfahrtschiff Musik zu machen, auch mit einer Bigband zu singen, wie Roger Cicero, würde mich reizen.“
Seit Boti 16 ist, spielt er als Leadgitarrist in der Rockband BrotherAct, die hauptsächlich auf Maturabällen und Hochzeiten Engagements findet. „Das macht unglaublich viel Spaß. In einer Band zu spielen, ist nochmal etwas anderes. Wenn du mit der Gitarre ein Solo von Sweet Child O' Mine spielst und die Leute im Publikum so abgehen, das ist ein unbeschreibliches Gefühl, da bekomme ich fast Gänsehaut.“
Der leichten Nervosität, wenn es ans „Liefern“ geht, kann Botond durchaus etwas abgewinnen. Ob als Sechsjähriger am Start eines Langlaufwettbewerbs oder nun als junger Mann kurz vor dem Betreten der Musikbühne. „Das gibt noch ein extra Stück Energie, dieser Kick. Wenn dich beim Sport Menschen anfeuern oder das Publikum deine Musik liebt, das ist ein ganz wundervolles Gefühl.“
Kürzlich hat Boti an der Gröbminger Musikschule die Abschlussprüfung, das Goldene Abzeichen in Gesang, absolviert, wo er in verschiedene musikalische Genres eintauchen durfte und seine Stimmgewalt wie auch seine Fingerfertigkeit an verschiedenen Instrumenten unter Beweis stellen konnte.
Außerdem ist Botond geschichtlich und politisch interessiert und allzeit bereit für Diskussionen, wie er lächelnd einräumt. „Es macht mir Spaß, zu diskutieren und zu philosophieren, und zwar auf einem wertschätzenden Niveau. Sich mit Personen zu unterhalten, die eine andere Meinung haben, finde ich inspirierend. Vielleicht lerne ich etwas von ihnen, oder es kommt einfach zu einem spannenden Austausch.“
Träume jenseits der Grenzen
Der Traum, in anderen Ländern zu leben, harmoniert perfekt mit der ersehnten Karriere als Musicaldarsteller. Läuft alles nach Plan, wird der junge Künstler einige Jahre in Wien an der MUK verbringen, danach hofft er auf Engagements bei Musical-Produktionen in verschiedenen Städten. Traumrollen wären der Tod aus Elisabeth, „da dieser Charakter so gegensätzlich zu meinem eigenen ist“, ebenso die männliche Hauptrolle aus Die Schöne und das Biest. König Stephan aus der Rockoper, „weil es im Kommunismus geschrieben wurde und für die Ungarn eine große Bedeutung hat“ und Boti vertraut ist, seit er denken kann.
Mensch, Musik, Maschine
Wenig Emotionen, viel Technologie, so sieht Botond die Musik von heute. Dass man mit Knopfdruck einen Drum Beat machen kann, den nicht mal ein Schlagzeuger gespielt hat, sei schon merkwürdig. „Den Einsatz von KI finde ich in diesem Zusammenhang problematisch. Lieder aus den 60er-, 70er-, 80er-Jahren waren oft politisch und sehr bedeutend. Musiker von früher, die die Texte geschrieben, Melodien komponiert und mit ihrer eigenen Stimme rübergebracht haben, finde ich viel authentischer und ehrlicher. Wenn alles nur noch mit Technologie gemacht wird, wo sind da die Gefühle, wo bleibt da der Mensch?“
Seine Wurzeln wird der junge Mann jedenfalls nie vergessen. Familie bedeutet ihm alles, ob Konzertbesuche mit seinem jüngeren Bruder, mit dem Papa im Probekeller zu singen oder mit der Mama zu sporteln. „Meine Eltern unterstützen mich sehr, dafür bin ich unendlich dankbar!“
Botonds Reise hat gerade erst begonnen, doch die Melodie seiner Zukunft klingt vielversprechend. Ehrlich, energiegeladen und unüberhörbar. ◻
Text: Mona Dorrer
Fotos: Lilly Robé, Jennifer Erlbacher, Mona Dorrer