Staffelübergabe bei den Metzgermeistern
Bei einer Betriebsübergabe ist längst nicht alles in trockenen Tüchern – manchmal geht es auch um die Wurst. Denn neben Zahlen und Verträgen spielen persönliche Erwartungen, Vertrauen und eine gute Kommunikation eine entscheidende Rolle. Zwei Metzgermeister aus dem Bezirk machen vor, wie ein solches Unterfangen gelingen kann.
Dieses Haus bauen wir nur wegen dir“, wurde dem 12-jährigen Alois Wanke einst mit strenger Miene gesagt – schließlich sollte der einzige Sohn der Metzger-Familie, nach drei Töchtern geboren, ja keinen allzu großen Spielraum für andere Berufswünsche bekommen.
Er absolvierte eine Lehre beim damaligen Bundesinnungsmeister Bliem in Bad Aussee und lernte anschließend daheim noch zwei Jahre lang den Beruf des Kochs im Sporthotel Royer. Mit zarten 21 Jahren übernahm er schließlich den elterlichen Betrieb und war damit damals der jüngste Metzgermeister Österreichs.
Sein beruflicher Weg war also früh vorgegeben, im Nachhinein „war es ein arbeitsreiches, aber dennoch erfüllendes Berufsleben“, das ihn gemeinsam mit seiner Partnerin Marion bis hierher geführt hat. Alois selbst hat zwei Töchter, beide sind im medizinischen Bereich tätig. Die Frage nach dem eigenen Nachfolger nach seinem Pensionsantritt bereitete ihm also ein wenig Kopfzerbrechen. Bis jetzt.
Aus Gerüchten werden Nägel mit Köpfen
Anderer Ort, ähnliche Geschichte: Auch Andi Spanberger aus Gröbming ist der einzige Sohn der Familie und auch er übernahm mit 21 Jahren als Metzgermeister den Betrieb seines Vaters. Seine Eltern ließen ihm dabei die freie Wahl, Andi entschied sich dennoch für den Familienbetrieb, nachdem er seine Lehre in der Fleischhauerei Tasch absolviert hatte.
Vor Kurzem hat das Schicksal beschlossen, die beiden Männer zusammenzuführen.
„Ich wurde angesprochen, ob die Gerüchte stimmen, dass ich den Betrieb Wanke übernehmen werde. Allerdings wusste ich nicht einmal, dass er aufhört“, erzählt Andi lachend. Doch die Gerüchte brachten ihn zum Nachdenken. Er beriet sich mit seiner Lebensgefährtin Sandra und beschloss, diese Herausforderung anzunehmen und Alois zu kontaktieren.
„Alle sagen mir: Was Besseres kann dir nicht passieren, als dass Andi deinen Betrieb übernimmt“, erzählt dieser schmunzelnd. „Anscheinend ist er sehr tüchtig.“

Alois Wanke (r.) übergibt seinen Metzgerbetrieb nach 93 Jahren
Unternehmensgeschichte an Andreas Spanberger,
der in Gröbming selbst einen Familienbetrieb führt.
Neue Führung, bewährtes Konzept
Ein großer Vorteil: Die bestehenden Mitarbeiter von Wanke bleiben erhalten, Andis Lebensgefährtin Sandra wird künftig das Ruder in Schladming übernehmen. Auch die „heiße Theke“ wird bleiben und somit weiterhin als Jause oder Mittagessen ein wertvoller Bestandteil sein.
Ergänzt wird das Angebot durch Andis „Essen im Glas“ sowie Grillfleisch und Salate, die mittels Selbstbedienung rund um die Uhr abgeholt werden können. Auch „Dry Aged“-Fleisch wird angeboten: durch mehrere Wochen trockener Lagerung wird ein besonders zartes und mürbes Fleisch gewonnen, das mit intensivem, würzigem Geschmack belohnt.
Darüber hinaus beliefert Andi die Gastronomie – von Hotels und Gaststätten bis hin zu Schihütten – und ermöglicht damit vielen Schladminger Betrieben einen unkomplizierten Zugang zu den benötigten Fleisch- und Wurstwaren.
Auch den berühmten Wacholderspeck, den Lois in seiner alten Selch herstellt, wird es weiterhin geben. „Vor 14 Tagen ist sie mir zwar fast abgebrannt, aber sie funktioniert noch“, lacht der sympathische Alt-Metzger.
Im Stoderstüberl beim Spanberger in Gröbming bleibt ebenfalls alles in bewährter Weise aufrecht. Andi legt großen Wert auf Regionalität und bietet ausschließlich Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren an.
Die tägliche Zusammenarbeit mit ihren jeweiligen Partnerinnen empfinden die Metzger keineswegs als aufreibend. Im Gegenteil: „Das schweißt zusammen“, erklärt Alois im Brustton der Überzeugung.
Und auch beim Thema Kundennähe ist man sich einig. Der persönliche Kontakt, das Gespräch mit den Kunden – genau das macht für sie einen besonderen Teil ihres Berufs aus. „Viele kaufen bereits in der dritten Generation bei uns ein“, erzählen die beiden Männer und haben damit gleich noch eine weitere Gemeinsamkeit gefunden.
So geschmeidig wie bei diesen beiden Herren gehen allerdings nicht alle Betriebsübergaben von der Hand.
Betriebsnachfolge: Mehr als eine wirtschaftliche Entscheidung
Ein Unternehmen kann auf unterschiedliche Weise übernommen werden – etwa durch Kauf, Pacht oder Erbschaft. Gerade in traditionellen Branchen bietet die Übernahme eines bestehenden Betriebs eine interessante Alternative zur Neugründung: Bestehende Strukturen, das Know-how der Belegschaft und ein gewachsener Kundenstock sind bereits vorhanden.
Eine zentrale Frage ist dabei die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Unterstützung bietet die Nachfolgebörse der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Unternehmen können dort kostenlos und auf Wunsch anonymisiert zur Übergabe angeboten werden. Gleichzeitig können sich potenzielle Übernehmer gezielt nach passenden Betrieben umsehen.
Ist eine Nachfolge gefunden, müssen zahlreiche rechtliche, wirtschaftliche und steuerliche Fragen geklärt werden. Dazu zählen unter anderem die Art der Übernahme, Unternehmensbewertung und Kaufpreis, bestehende Mietverträge sowie steuerliche und pensionsrechtliche Aspekte. Eine WKO-Checkliste hilft dabei, die notwendigen Schritte strukturiert zu planen.
Doch eine Betriebsübergabe ist nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung. Gerade bei langjährig geführten Unternehmen können unterschiedliche Vorstellungen, Erwartungen oder persönliche Bindungen zu einer Herausforderung werden. Offenheit, gegenseitiges Vertrauen und eine klare Kommunikation sind daher ebenso wichtig wie eine sorgfältige rechtliche und finanzielle Vorbereitung.
Bei Alois und Andi scheint das Rezept jedenfalls zu stimmen: eine Prise Vertrauen, viel Erfahrung und zwei Metzger, die wissen, worauf es ankommt. ◻
Text: Mona Dorrer | Fotos: Mona Dorrer, Spanberger