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Fotos: Heratex / Franz Walter
| Wirtschaft & Karriere

Wo Wolle zum Leben erwacht


Wenn die Tage kürzer werden und draußen die Temperaturen sinken, bekommen warme Wollprodukte Saison. Bei Heratex in Öblarn entstehen aus europäischer Wolle Hüttenschuhe, Socken, Hauben und Fäustlinge. Der Betrieb verbindet traditionelles Handwerk mit moderner Stricktechnik – und verarbeitet auch die Wolle heimischer Schaf- und Alpakabauern.

Frau stricktWenn der Herbst ins Land zieht, werden sie wieder hervorgeholt: warme Socken, flauschige Hauben und lederbesetzte Fäustlinge. Bei Heratex in Öblarn steckt in solchen Begleitern für die kalte Jahreszeit viel Handwerk. Das Unternehmen ist auf die Herstellung von Strick- und Walkwaren spezialisiert. Aus Wolle entstehen hier unter anderem Hüttenschuhe, Strümpfe, Handschuhe, Pullover und Westen – in unterschiedlichen Farben, Größen und Ausführungen.

Vom Strickerlehrling zum Unternehmer

Die Geschichte des heutigen Betriebs reicht weit zurück. 1975 begann
Hermann Rabenhaupt, der heutige Eigentümer, seine Lehre als Stricker bei der Firma Putz in Öblarn. Damals war die Strickerei im Bezirk Liezen noch stark vertreten, für die Branche gab es sogar einen eigenen Berufsschulzweig in Stainach. Zu jener Zeit hielt die Technik Einzug in den Werkstätten: Moderne, papkartengesteuerte Maschinen lösten ältere Handstrickmaschinen ab. Die Programme dafür mussten noch selbst gestanzt werden. Das Unternehmen war damals in nahezu allen großen Versandkatalogen vertreten. Im besonders umfangreichen Quelle-Katalog fanden sich sogar fünf bis sechs Artikel. Auch bei Kastner & Öhler und Universal war man dabei. Die Versandkataloge waren gewissermaßen das Internet von damals und machten die Produkte einem breiten Publikum zugänglich. Am 28. November 1983 übernimmt Hermann Rabenhaupt als Betriebsleiter Verantwortung bei der Firma Viktor Derkogner in Schladming. Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte er den Betrieb schließlich mit 1. Jänner 2000 und gab ihm den
Namen Heratex. Zuvor hatte das Unternehmen zu Ortovox gehört und vor allem für die Outdoor-Marke produziert. Heute beliefert Heratex neben Ortovox weitere namhafte Kunden und Groß- sowie Einzelhändler.

Wasser, Wärme und viel Erfahrung

Das Herzstück der Produktion ist ein Verfahren, das viel Erfahrung verlangt: das Walken. Dabei wirken Wasser, Wärme und Bewegung auf die gestrickte Wolle ein. Die Fasern verdichten sich, das Material schrumpft und verfilzt. Früher geschah das in drehenden Holzfässern, heute übernehmen spezielle Maschinen und Programme diese Aufgabe. Je nach Produkt muss der Prozess genau abgestimmt sein – ein Schal soll weich und flauschig bleiben, ein Hüttenschuh dagegen Form und Festigkeit bekommen. Die Wolle stammt ausschließlich aus Europa. Für Alpakaprodukte wird süddeutsche Merinowolle mit Alpakafasern gemischt. Heratex arbeitet außerdem als Dienstleister für Schaf- und Alpakabauern, die ihre eigene Wolle verarbeiten lassen möchten. Sie können fertiges Garn liefern oder die Wolle im Umtauschverfahren abgeben und dafür fertige Produkte erhalten und müssen dafür nur den Lohnarbeitspreis bezahlen. So wird aus dem Rohstoff vom eigenen Hof tragbare Ware.

Arbeiten mit der Natur

Die Philosophie des Unternehmens ist klar: naturnah produzieren und mit der Natur arbeiten. Die Betriebsräume werden mit Biomasse beheizt, beim Walkprozess kommt ausschließlich heißes Wasser und keine Chemikalien zum Einsatz. Damit setzt Heratex auf einen möglichst natürlichen Umgang mit dem Rohstoff. Und wenn dann bei uns wieder einmal der Winter so richtig Einzug hält, zeigt sich, wofür das Unternehmen steht: für Wolle, die Wärme spendet, für Handwerk mit Geschichte und für Produkte aus einem natürlichen Rohstoff, der seit Generationen für langlebige Kleidung steht. 

 

Fotos: Heratex / Franz Walter